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20. Oktober 2016

Handballer im Tauschrausch

Die SG Waldkirch/Denzlingen hat ein eigenes Stickeralbum herausgebracht / Das Sammelfieber soll Geld in die Vereinskasse bringen und das Wir-Gefühl stärken.

  1. Das Album und seine Bilder – die SG Waldkirch/Denzlingen macht Stickerstars aus seinen Sportlern. Foto: Montage: BZ

HANDBALL. Stickeralben gibt es seit Jahrzehnten: Ob Tiermotive, Filmcharaktere oder die deutsche Fußballnationalmannschaft – vor allem Kinder geraten jedes Mal aufs Neue ins Sammelfieber. Aber was, wenn man sich und seine Freunde plötzlich selbst sammeln kann? Genau das können jetzt die kleinen und großen Handballer des Südbadenligisten SG Waldkirch/Denzlingen, der sein eigenes Sammelalbum auf den Mark gebracht hat.

Vor einiger Zeit putzte die SG Waldkirch/ Denzlingen auf der Suche nach Sponsoren wieder einmal Klinken, wie man so schön sagt. Da gehören Absagen dazu. Eine der Absagen bekamen die Verantwortlichen des Handballvereins von Michael Rees, dem Geschäftsführer mehrerer Lebensmittelmärkte, der aber versprach, die Spielgemeinschaft im Hinterkopf zu behalten. Soweit ist das nicht ungewöhnlich, doch einige Monate später kam ein Rückruf von Rees. "Wir möchten, wenn wir sponsern, nicht einfach diese blöden Werbebanner", erklärte der Geschäftsführer und brachte einen ganz besonderen Vorschlag ein: "Wir würden gerne ein Stickeralbum produzieren."

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Die Eschbacher Ringer machen es vor

Ein vereinseigenes Stickeralbum? Die SG Waldkirch/Denzlingen war zuerst skeptisch, doch nach einem ersten Treffen stand für die Projektgruppe um Klaus Unmüßig, dem Jugendleiter der Spielgemeinschaft, die Entscheidung fest: "Herr Rees hat bereits zwei ähnliche Projekte mit Fußballmannschaften im Raum Karlsruhe gemacht, die super angekommen sind", erzählt Unmüßig, "das war so überzeugend, dass wir das auch machen wollten."

Dass das Sammelfieber wie beim großen Vorbild Panini ansteckend ist, konnte man bei den Ringern des SV Eschbach 1967 beobachten: Sie haben ein solches Album bereits seit gut einem Monat, organisieren inzwischen extra Tauschbörsen, um auch das letzte Album vollzubekommen. Genau wie die Eschbacher geht auch die Spielgemeinschaft der Elztäler keinerlei finanzielle Risiken mit diesem Projekt ein, weil Rees gemeinsam mit dem produzierenden Start-up-Unternehmen Stickerstars die Kosten trägt. "Obwohl wir an den Bildern und Alben nicht verdienen, profitieren am Ende beide Seiten", sagt Geschäftsführer Rees und erklärt: "Weil die Alben und Sticker exklusiv in unseren Märkten in Waldkirch und Denzlingen verkauft werden, erhöht sich bei uns die Frequenz", das habe er bei den beiden vorherigen Projekten bereits beobachten können – "und das war ein Riesenerfolg."

Es habe irgendwann sogar Tauschmärkte gegeben, auf denen nicht nur die Kinder, sondern auch Eltern, Omas und Opas begeistert Sticker wechselten. "Es ist eine Art nachhaltiges Sponsoring, das gefällt mir so gut daran", erklärt Rees.

Bis zum fertigen Album, das erstmals am vergangenen Samstag beim Heimspieltag der Elztäler präsentiert wurde, war es jedoch noch ein ganzes Stück Arbeit: "Bei unserem Familientag haben wir das Projekt vorgestellt", berichtet Jugendleiter Unmüßig, der sich gemeinsam mit Manuel Landesfeind um die Organisation kümmert, "an diesem Tag konnte man sich dann auch schon seinen persönlichen Fototermin aussuchen."

Von den Mega-Mini-Minis (Jahrgang 2012) bis zu den aktiven Frauen und Männern sind alle Teams und Akteure mit einem Mannschafts- und Einzelfoto zu finden. Insgesamt sind somit 422 Sticker entstanden. "Der Großteil sind Porträts", erklärt Unmüßig, "dann gibt es aber auch noch Bilder zur Geschichte der Spielgemeinschaft oder zum Beispiel das Vereinslogo."

Einnahmen sollen vor allem in die Jugendarbeit fließen

An den Einnahmen aus dem Verkauf wird die SG Waldkirch/Denzlingen prozentual beteiligt. "Je nach Engagement des Vereins können da bis zu 5000 Euro für den Verein rausspringen", weiß Rees aus Erfahrung. Geld, das der Verein gut gebrauchen kann. "Wir haben an einem Spieltag zum Teil bis zu 600 Euro Schiedsrichterkosten, das muss alles irgendwie finanziert werden", erklärt Unmüßig. Der Großteil der Einnahmen soll jedoch der Jugendarbeit zugutekommen: "Wir planen bereits jetzt unser nächstes Handballcamp in den Osterferien, da kommt das Projekt genau zur richtigen Zeit."

Im Verein herrscht auf jeden Fall bereits jetzt große Euphorie: Die ersten Alben sind verkauft, die ersten Sticker eingeklebt und Doppelte getauscht. Klaus Unmüßig hofft, dass es so weitergeht, "aber nicht nur, weil wir von dem Projekt finanziell profitieren können", so der Jugendleiter, "es soll vor allem Identifikation stiften, das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken und die Kommunikation innerhalb des Vereins fördern."

Das Starterpaket, bestehend aus dem Album und 25 Bildern, gibt es für 4,50 Euro. Jedes weitere Fünferpäckchen Sticker kostet 75 Cent und ist in den Edeka-Märkten Rees in Waldkirch und in Denzlingen erhältlich.

Autor: Sandra Hennig