Auf den Spuren Hebels

Lea Rollbühler

Von Lea Rollbühler

Do, 29. März 2018

Hausen im Wiesental

Lesung mit Autor und Pfarrer Thomas Weiß im Hausener Hebelhaus in besonderer Atmosphäre.

HAUSEN. Hebel-Interessierte haben sich am Palmsonntag im Hebelhaus Hausen eingefunden. Zu Gast war Thomas Weiß, ein evangelischer Pfarrer und Autor. Er las aber nicht nur aus Hebels Kalendergeschichten und Biblischen Geschichten vor, sondern vor allem aus seinem eigenen Kurzgeschichtenband: "Geschichten von Herrn G."

"Das erste Buch, das ich gekauft habe, als ich in Kandern lebte, waren Hebels Kalendergeschichten. Ein paar Tage später musste ich mir dann ein alemannisches Wörterbuch zulegen", erzählt Peter Weiß und die Zuhörer schmunzeln. Als er das Buch aufschlägt, und anfängt zu lesen wird es still. Lebendig, aber ernst und ruhig liest der schreibende evangelische Pfarrer die biblischen Geschichten von Hebel vor. "Hebel hat die Bibel kritisiert, er hat sich etwas herausgenommen. Seine Frage war immer, wie lässt sich diese Geschichte auf das Zwischenmenschliche, auf das Miteinander beziehen", erklärt Weiß seine Faszination. Der kleine hölzerne Tisch, auf dem die drei Bücher liegen, wirkt wie aus einer anderen Zeit. Genau wie das Hebelhaus selbst.

Als das Bläserquartett "Summertime" von George Gershwin anspielt, lockert sich die andächtige Stille des Publikums. Während einige ihre Augen schließen, liest Peter Weiß nun aus seinem eigenen Kurzgeschichtenband: "Geschichten von Herrn G." vor. Inspiriert sei der Name von Bertolt Brechts "Geschichten von Herrn K.". Der ein oder andere merkt, dass Weiß hier seine eigenen Worte vorliest, denn die Weisheiten in oftmals nur zehn Sätzen, sind bildlich beschrieben und einfach verständlich. Nach jeder seiner eigenen Kurzgeschichten grinsen und schmunzeln die Zuhörer. Es ist klar, hier hat sich jemand, genau wie Hebel, an eine Interpretation der Bibel gewagt. Thomas Weiß trägt ein moosgrünes Jackett und geht in seinen Geschichten auf. Langsam blättert er die Seiten um, während das Publikum an seinen Lippen hängt. Da stört es auch nicht, dass sich nur um die 15 Menschen im Hebelhaus zusammengefunden haben. "Bald komme ich wieder nach Hausen, für mein nächstes Prosawerk, einen Hebelroman werde ich hier forschen", erzählt Thomas Weiß.

Um das Ohr nicht nur mit Stimme und Geschichten zu versorgen, spielte das Bläserquartett der Musikschule Mittleres Wiesental im Wechsel zur Vorlesung.