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21. September 2013

Eine Lesung, die gleich doppelt Lust auf Krimis gemacht hat

Renate Klöppel und Krimipreisträger Sascha Berst lasen in der Villa artis aus ihren Büchern / Die Zuhörer waren begeistert und ließen sich die Werke signieren.

  1. Signierte Bücher von Sascha Berst und Renate Klöppel (rechts) waren nach der Lesung sehr begehrt. Foto: sabine model

HEITERSHEIM (mod). Sie kamen, hörten und mordeten nach Herzenslust – die Krimifans, die zum Abschluss und Höhepunkt des viertägigen Lesefestes im Rahmen des Freiburger Krimipreises 2013 nach Heitersheim in die Villa artis pilgerten. Die Autoren der Lesung standen mit Renate Klöppel und Sascha Berst seit langem fest. Doch wie im richtigen Krimi geschah Unverhofftes: Sascha Berst nahm an dem Wettbewerb teil und ging als Erstplatzierter daraus hervor. Das überraschte selbst die Krimi-Entertainerin, Krimi-Autorin und Organisatorin der Veranstaltung Anne Grießer.

Zum zweiten Mal wurde der Schreib-Wettbewerb mit dem flankierenden Lesefest ausgelobt. In drei Monaten lagen fast 80 Manuskripte mit sechs- bis 16-seitigen Kurzkrimis auf dem Tisch. Auch Renate Klöppel saß in der vierköpfigen Jury, die unter den anonymen Texten die besten fünf herausfiltern musste. Voraussetzung war, dass alle Schauplätze regional verortet sind. "Denn Abgründe und Dramatik tun sich auch bei uns auf", so Anne Grießer. Die Geschichten der Besten und einiger renommierter Autoren der hiesigen Krimiszene erschienen in der zweiten Anthologie des Wellhöfer Verlages unter dem Titel "Breisgauner".

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Er habe die bisher veröffentlichten Kurzkrimis nicht gelesen, sondern einfach losgeschrieben. "Deswegen ist meine Geschichte ganz anders", erklärt Sascha Berst seinen Erfolg. Das Besondere passt zu ihm. Im wirklichen Leben ist der 49-jährige Autor Rechtsanwalt.

Zur Schule ging er in Deutschland und Italien. Er studierte Jura, Germanistik und ein bisschen Geschichte in Freiburg und Paris. Sein erstes Buch schrieb er mit 25 Jahren. Kein Verlag wollte es. Also lernte der junge Mann mit den schriftstellerischen Ambitionen einen ordentlichen Beruf. "Das erdet", meint er rückblickend. Er verdiente Geld und gründete eine Familie. Doch etwas fehlte.

Mit 40 Jahren fing er zu nochmal zu schreiben an. "Das führt in die Wolken", lacht er. Und zum Erfolg.

Nach drei Jahren stand sein erster Roman: Mord im Garten des Sokrates. Er erschien 2008 in Deutsch und 2010 in Spanisch. Es geht darin um einen toten Olympiasieger, dessen Mörder vom Polizeipräsidenten und Ich-Erzähler Nikomachos im antiken Athen entlarvt werden soll. Ein historischer Roman mit Mehrwert, der Grundfragen des Lebens und der Demokratie aufgreift. Sprachgewandt, authentisch. Dagegen kommt sein Kurzkrimi "Mord in der Casa" eher wie ein kurzweiliger, reflektierender Spaß über die Motive eines potenziellen Mörders und das Profil des tatsächlichen Opfers daher. Scharfsinnig, logisch, aber immer wieder verblüffend.

Renate Klöppel las ihren Anthologie-Beitrag "Bollinger". Den Champagner für den Mörder gab es jedoch erst zum Schluss. Zwischen der Wasserleiche in voller Regenmontur und der Tatwaffe entspann sich eine Milieu-Geschichte mit Kraftausdrücken. Irgendwie untypisch für die promovierte Kinderärztin und Diplommusikerin, die nach vier Fachbüchern 1999 in die Belletristik wechselte und seit 2007 als freie Schriftstellerin in Freiburg unterwegs ist. Ihre sechs Krimis leben von der Figur des Freiburger Professors Alexander Kilian. Denn in Instituten und Labors kennt sie sich aus. Beim Einstieg in ihre letzte Veröffentlichung "Blutroter Himmel" sieht der Professor sein Lebenswerk in einer Feuersbrunst untergehen. Eine tote weiße Ratte vor seiner Tür lässt Böses ahnen. Wer wissen wollte, wer und was dahintersteckt, hatte gute Chancen: Auch dieses Buch gab es natürlich zu kaufen. Allerdings floss nach der Lesung statt Blut viel Tinte beim Signieren.

Autor: mod