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01. September 2010
Jedenfalls ein Gewinn an Erkenntnis
Freiburger Studenten forschen wieder in der römischen Vergangenheit von Heitersheim und vervollständigen so das Bild.
HEITERSHEIM. Jedes Jahr in den Semesterferien forschen sie wieder nach römischen Spuren in Heitersheim: die Studenten der archäologischen Geschichte und der Provinzialrömischen Archäologie. Zusammen mit der Grabungsleiterin Gabriele Seitz haben sie sich diesmal das westliche Areal der Villa urbana vorgenommen. Hundert Fuß außerhalb des Römermuseums wird gegraben. Die Funde sind im Moment nicht spektakulär, so die Zwischenbilanz, aber die Erkenntnisse werden weiter fortgeschrieben.
"Einen Stillstand des Wissens gibt es in der Archäologie nicht", sagt die Grabungsleiterin. Zunächst hat man angenommen, der derzeitige westliche Forschungsbereich in unmittelbarer Nähe von Einrichtungen für römische Wellness und Fitness, sei ein offener Hof gewesen. Inzwischen weiß man, dass es ein 130 Quadratmeter großer umschlossener Raum mit drei Stockwerken und einem imposanten Blick in die Rheinebene gewesen sein muss. Das erkläre auch die vergebliche Suche nach Abflüssen oder Siphons im Boden, die eine Freifläche gebraucht hätte. Im äußersten Westen wurde der Trakt durch eine Mauer begrenzt, in der ein Portikus mit Säulen den Eingang zur Villa markierte.Werbung
Bereits in der Holzbauperiode akzentuierte ein Zugang mit zwei riesigen Pfosten von 30 auf 30 Zentimeter, die man nachweisen kann, die axiale Gestaltung mit der Hauptachse bis zum heutigen Malteserschloss. Je größer die Villa in den unterschiedlichen Bauphasen wurde, umso mehr dehnte man sie Richtung Westen und Norden aus. So wurde das Erscheinungsbild immer prachtvoller und üppiger. Deshalb geht Gabriele Seitz auch davon aus, dass in der erforschten Steinbauphase vier Pfosten den Eingang säumten. Die Verankerung von einem auf jeder Seite wurde bereits gefunden, die Pendants-Pfosten werden noch gesucht. "Allerdings müssen wir für die Gründung noch etwas tiefer in die Schichten vordringen", so Seitz. Für die Rekonstruktion des Portikus, die im Zusammenhang mit einem überdachten Weg zur gerade entstehenden Villa artis geplant ist, wäre der Nachweis von entscheidender Bedeutung.
Jahrgänge von Studenten der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg bewerkstelligen die Forschungsarbeiten bei der Villa urbana seit 1995 ehrenamtlich. Sie erlangen dafür die nötigen Praktikumsscheine für ihr Studium. "Der Verzicht auf finanzielle Zuwendungen macht andere Dinge möglich", sagt Gabriele Seitz. Außerdem, so findet sie, habe es einen großen ideellen Wert, sagen zu können: An dieser Grabung war ich mit beteiligt. Zudem werde längst nicht jeder für dieses Praktikum zugelassen. "Nur ein Drittel der Bewerber kommt zum Zug." Allerdings begegne die Stadt Heitersheim den freiwilligen Helfern großzügig. Bürgermeister Jürgen Ehret lädt am Ende der Grabungskampagne traditionell zu einem gemeinsamen Essen ein.
Autor: Sabine Model
