Auftritt in Heitersheim

Matze Knop kommt bestens an

Jennifer Ruh

Von Jennifer Ruh

So, 04. März 2018 um 17:47 Uhr

Heitersheim

Der Comedian Matze Knop trumpfte mit seinem aktuellen Bühnenprogramm "Diagnose dicke Hose" in der Heitersheimer Malteserhalle auf.

Mit seinem aktuellen Bühnenprogramm "Diagnose dicke Hose" sagt Comedian Matze Knop der Spießbürgerlichkeit den Kampf an: Charmant, gnadenlos ehrlich und wie gewohnt ganz nah dran am Publikum. Warum ein bisschen Protz im Leben nicht schaden kann, davon konnte man sich am Samstagabend in der Malteserhalle in Heitersheim überzeugen.

Schluss mit der übertriebenen Bescheidenheit, einfach mal gekonnt "auf die Kacke hauen" und seine Träume und Visionen in die Tat umsetzen. Mehr Abenteuer, mehr Coolness und mehr Leidenschaft. Schon als Matze Knop in allerbester James-Bond-Manier mit rotem Anzug und Sonnenbrille auf die Bühne rauschte, war klar, dass der sympathische Entertainer aus Lippstadt genau weiß, wie "auf dicke Hose machen" funktioniert. Dabei ist das nicht immer so gewesen, denn auch er habe einmal ganz klein angefangen. "Es gab Zeiten, da war auch ich schüchtern und sehr unscheinbar", verriet Knop in einem ganz intimen Moment. "Ich war damals derjenige, der beim Verstecken spielen nie gefunden wurde. Und dass, obwohl ich mich immer vor dem Baum versteckt hatte."

Wie sehr sich die Welt seit seiner eigenen Kindheit verändert hat, verdeutlichte Knop anhand einiger Absurditäten der heutigen Zeit. Denn wer kennt sie überhaupt noch, die Ausdrücke "Loch im Kopf" und "Schürfwunde"? "Heute heißt das beim Arzt gleich: Ihr Junge hat eine Schotterunverträglichkeit." Wer benutzt heute noch den guten alten Wadenwickel, wenn er doch das volle Programm haben kann: Computertomographie, MRT, CRT, Ultraschall. Früher war einfach alles viel unkomplizierter, da wurde nicht bei jedem aufgeweckten Kind gleich ADHS diagnostiziert. Vom neumodischen Phänomen Burnout ganz zu schweigen: "Es haben jetzt Leute Burnout, von denen wusstest du gar nicht, dass sie überhaupt arbeiten." Knop kommt zu einer eindeutigen Diagnose: "Die Menschheit verweichlicht, und dagegen hilft nur eins: Einen auf dicke Hose machen."

Aber Matze Knop wäre natürlich nicht Matze Knop, wenn er nicht auch zahlreiche bekannte Persönlichkeiten aus dem Sport- und Showbusiness und aus der Politik mit im Gepäck hätte. Diese, in Sprache, Mimik und Gestik perfekt imitiert, gaben sich ein Stelldichein auf der Bühne, einige von ihnen live, andere als lustige Videoeinspieler. So forderte Donald Trump, ein Paradebeispiel von "auf dicke Hose" machen, bei einer Schalte ins Weiße Haus: "Make Comedy great again". Und Liverpool-Trainer Jürgen Klopp erklärte, dass er nun Englischunterricht bei "Loddar" Matthäus nehme. Wahrscheinlich eher keine so gute Idee. Auch Fans von Kaiser Franz Beckenbauer wurden an diesem Abend nicht enttäuscht, auch wenn dieser zunächst im Darth-Vader-Kostüm auf die Bühne trat, um sich dort über womöglich gekaufte Weltmeisterschaften in Rage zu reden. Und wenn eine Kunstfigur wie "Supa Richie", der noch immer mit der deutschen Grammatik auf Kriegsfuß steht, auch nach mittlerweile 20 Jahren noch für herzhafte Lacher sorgt, dann mag das schon etwas heißen.

Auch musikalisch kam das bestens aufgelegte Publikum auf seine Kosten. Es ist ein offenes Geheimnis, dass an Knop ein leidenschaftlicher Schlagersänger verloren gegangen ist. Als schwäbischer Schlagerbarde G. G. Merkel sorgte er mit seinem Hit "Pilot", einem Duett mit dem König von Mallorca, Jürgen Drews, für ausgelassene Ballermann-Stimmung. Obendrein folgte ein wahres Gagfeuerwerk an aberwitzigen Parodien auf Modern Talking, Michael Jacksons "Heal the World" – inklusive dramatischer Pose vor einem Gebläse – und eine Hommage an die spanischen Schmusesänger Julio und Enrique Iglesias, bei der vor allem die weiblichen Zuschauer in Verzückung gerieten.

Das knapp zweistündige Programm hatte seine lauten, aber auch einige leise und nachdenkliche Töne. Eine große Stärke Knops war es, sein Publikum immer wieder direkt und sehr charmant in sein Programm einzubinden, ohne dabei aufdringlich oder aufgesetzt zu wirken. Herr Ursula mit den vielen Autos, der Hausmeister, der niemals die Halle verlässt, der Hörgeräteakustiker aus der zweiten Reihe und die schöne Barbara, die auf der Bühne mit einem Ständchen und einer roten Rose beehrt wurde, werden den Menschen bestimmt noch lange im Gedächtnis bleiben. Dass am Mittag in der "Turnhalle" – ein Running Gag, den Knop mehrfach grinsend erwähnte – noch Basketball gespielt wurde, hat der ausgelassenen Stimmung am Abend selbstverständlich keinen Abbruch getan. Dafür sorgten, so Knop, nicht nur die Menschen hinter den Kulissen, sondern auch das tolle Publikum, "das es erst möglich macht, dass ich das tun kann, was ich liebe."