"Nach dem Konzert ist vor dem Konzert"

Martin Pfefferle

Von Martin Pfefferle

Sa, 21. Juli 2018

Heitersheim

BZ-INTERVIEW mit Dirigent Rüdiger Müller und Vorstandssprecher Gerd Höfler vom Heitersheimer Musikverein zum Jubiläumskonzert am heutigen Samstag.

HEITERSHEIM. In diesem Jahr feiert der Musikverein Heitersheim sein 225. Jubiläum. Höhepunkt des Festjahres ist das Jubiläumskonzert am heutigen Samstag, 21. Juli, 20 Uhr in der Malteserhalle. Martin Pfefferle sprach im Vorfeld mit dem Vorstandssprecher Gerd Höfler und mit Dirigent Rüdiger Müller über die Vorbereitungen zu diesem Highlight.

BZ: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Paula Holcomb aus den USA und José Ignacio Blesa-Lull aus Spanien für das Galakonzert am Samstag, Herr Müller?

Müller: Wenn der Musikverein 225 Jahre alt wird, dann muss man etwas Besonderes machen. José Ignacio Blesa-Lull hat angeboten, ein Stück für eine Welturaufführung zu komponieren.

BZ: Da sagt man dann nicht nein?

Müller: Nein (lacht). So eine Möglichkeit kommt nicht oft.

Höfler: Die beiden Dirigenten und die Komposition der "Maltesia Suite" sind der Aufhänger für das Jubiläumskonzert. Speziell im süddeutschen und auch gerade im südbadischen Raum gibt es viele Blasorchester. Da muss man dann schon etwas Besonderes bieten. Wir wollen schließlich auch, dass das Konzert ein entsprechendes Publikum findet.

BZ: Um was geht es in der "Maltesia-Suite", die am heutigen Samstagabend zum ersten Mal aufgeführt wird?

Müller: Herr Blesa-Lull hat aus Beschreibungen eine Geschichte Heitersheims komponiert. "Die Maltesia-Suite" besteht aus drei Teilen: Villa Urbana, Surrounded by fields und Malteser City. Wir haben ihm Beschreibungen auf englisch zur Verfügung gestellt, aus denen er seine Informationen bezogen hat.

Höfler: Es ist unserem musikalischen Leiter Rüdiger Müller zu verdanken, dass diese Auftragskomposition entstehen konnte. Er pflegt Kontakte zu zahlreichen internationalen Dirigenten und Komponisten.

BZ: Was für eine Gefühl war es, als Sie die Partitur zum ersten Mal in den Händen gehalten haben?

Müller: Es war schon spannend, eine Partitur in der Hand zu halten, die noch kein anderer gelesen hat.

BZ: Wie würden Sie sie Klänge beschreiben?

Müller: Das Stück hat moderne Klänge, die aber in die Zeit der Römer und Malteserritter zurückversetzt sind. Zur Einleitung gibt es beispielsweise historische Fanfarenklänge.

BZ: Was wissen Sie über den Musikverein vor 225 Jahren?

Höfler: Die ersten Aufzeichnungen, die es gibt, beschreiben drei Musikanten, die zum Patrozinium an der Chilbi 1793 gemeinsam musiziert haben. Mittlerweile sind wir 130,140 Musikerinnen und Musiker in Jugend-, Haupt- und Seniorenorchester. Die Musiker waren damals eine Unterabteilung der Bürgerwehr. Gespielt wurde dementsprechend Marschmusik und wohl auch Choräle. Klar muss man sich aber auch machen, dass die Instrumente damals noch nicht so weit entwickelt waren. Heute wollen wir mit dem 75 Mitglieder starken sinfonischen Blasorchester die volle Klangfülle mit allen Klangfarben darstellen. Der Musikverein profitiert von den Probemöglichkeiten im Vereins- und Jugendhaus. Die äußeren Bedingungen stimmen – auch mit der Malteserhalle. Hierbei geht klar ein Lob an die Stadt.

BZ: Was macht den besonderen Reiz aus für das Orchester, mit anderen Dirigenten zu arbeiten?

Müller: Diese Zusammenarbeit schweißt zusammen. Das fördert und fordert das Orchester, um ein höheres Niveau zu erreichen. Mit Paula Holcomb kommt ein absoluter Vollprofi, mit dem unsere Musikerinnen und Musiker zusammenarbeiten.

BZ: Ist es für Sie schwierig, "Ihr" Orchester abzugeben?

Müller: Von meiner Seite ist da vollkommenes Vertrauen. Das Orchester ist in den besten Händen aufgehoben – und zwar musikalisch wie pädagogisch.

BZ: Wenn dieses Konzert vorbei ist, ist dann erst einmal die Luft raus?

Müller: Dann sind erst einmal Sommerferien. Und anschließend geht es schon weiter mit den Proben für das Weihnachtskonzert am zweiten Weihnachtsfeiertag. Man könnte sagen: Nach dem Konzert ist vor dem Konzert.

Rüdiger Müller, 46, ist Dirigent, seit 2006 dirigiert er den Musikverein Heitersheim. Zudem ist er Verbandsdirigent in der Ortenau und Künstlerischer Leiter des Sinfonischen Verbandsjugendblasorchesters Ortenau (SVJBO).

Gerd Höfler, 57, ist freier Architekt, spielt Klarinette und ist Mitglied im Musikverein seit 1969 – viele Jahre in verschiedenen Ämtern. Seit 2013 ist er Vorstandssprecher.