"Es darf nicht beim Wald bleiben"

Michael Haberer

Von Michael Haberer

Mi, 16. August 2017

Herbolzheim

Herbolzheim und Brilon besiegeln Städtepartnerschaft.

HERBOLZHEIM. Die Städtepartnerschaft mit Brilon im Sauerland ist besiegelt. Die Bürgermeister Ernst Schilling und Christof Bartsch haben am Montagabend in der Margarethenkapelle die Freundschaftsurkunde unterzeichnet. Am 14. September soll das Gleiche in Brilon geschehen.

Es gelte, einer jahrelangen losen Freundschaft eine neue Form zu geben, sagte Schilling vor den Fraktionssprechern des Gemeinderates und den Amtsleitern. Er ging kurz auf den Kirchenraum ein, in dem der feierliche Akt stattfand. Mit der Sanierung sei die Margarethenkapelle zum Ort der kulturellen Begegnung geworden, so Schilling. Möglich gemacht habe dies der am Wochenende verstorbene Friedrich Hinn, Stadtrat, Lehrer und Heimatforscher (BZ vom Dienstag), der davon überzeugen konnte, dass das kleine Gotteshäuschen neben dem Rathaus nicht abgerissen werden und Parkplätzen weichen dürfe.

Schilling erinnerte an die Ursprünge der Städtefreundschaft. Der Orkan "Lothar" hatte im Dezember 1999 Herbolzheims Wald stark getroffen. Über Betriebe wurde der Kontakt zu Brilon hergestellt. Von dort kam das Angebot, beim Aufräumen auf den Sturmflächen unter die Arme zu greifen. Brilon brachte dafür besondere Voraussetzungen mit. Die Stadt mit heute gut 26 000 Einwohnern hat den größten kommunalen Wald in Deutschland. In diesem Jahr trägt Brilon den Titel "Deutschlands Waldhauptstadt 2017". Diese Auszeichnung vergibt PEFC, eine Institution, die sich um besonders nachhaltige Waldbewirtschaftung kümmert.

Auf "Lothar" folgte Anfang 2007 "Kyrill" – da war es am Wald-Team aus Herbolzheim, den Kollegen in Brilon beim Aufräumen zu helfen. Drei Monate arbeitete das Herbolzheimer Team auf den vom Sturm getroffenen Flächen von etwa 1000 Hektar (Der ganze Wald von Herbolzheim misst nur wenige Hektar mehr). Damals sei auch der jetzige Revierförster Christian Funke aus dem Sauerland nach Herbolzheim gekommen und habe beschlossen zu bleiben, sagte Schilling. Die Stadt hatte sich entschieden, einen eigenen Förster einzustellen.

Vorschlag kam von Brilons Bürgermeister Christof Bartsch

Im Zuge des 40-jährigen Bestehens der Partnerschaft mit Sisteron habe Christof Bartsch vorgeschlagen, auch die Partnerschaft von Herbolzheim und Brilon weiterzuentwickeln. "Ich habe mit meinem Vorstoß offene Türen eingelaufen", so Bartsch. Für ihn sei die Zeit reif, die Freundschaft "zu veredeln". "Es darf nicht beim Wald bleiben", sagte er.

Die formale Voraussetzung ist nun eine auf Dauer gerichtete Freundschaft im Geiste eines "Europas der Regionen". Dafür haben die beiden Gemeinderäte die Voraussetzungen geschaffen, indem sie jeweils einstimmig die Freundschaft beschlossen. Laut Urkunde wird die Zusammenarbeit auf folgenden Gebieten fortgeführt: Vertiefung der begonnenen Freundschaft und Pflege eines intensiven forstwirtschaftlichen Erfahrungsaustauschs, Initiierung von Treffen im Bereich Kultur, Bildung, Sport, Umweltschutz und Wirtschaftsentwicklung, Umsetzung gemeinsamer Projekte und Programme im Rahmen der Europäischen Union und nationalen Fördermöglichkeiten, Förderung des Tourismus und Pflege der Traditionen in den beiden Kommunen. Die Begegnung zwischen Bürgern, Vereinen und kulturellen Einrichtungen sollen mit dieser Freundschaftsurkunde gefördert und unterstützt werden.