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19. April 2014

Tendenz für die Autobahnparallele?

Ausbau der Rheintalbahn: Annette Sawade, Mitglied des Verkehrsausschusses, zu Gast in Herbolzheim.

  1. Bahnhof Herbolzheim: MdB Annette Sawade vom Verkehrsausschuss (von links) mit ihrem SPD-Kollegen Johannes Fechner, BI-Vorstandsmitglied Georg Binkert und den Bürgermeistern Ernst Schilling (Herbolzheim) und Matthias Guderjan (Kenzingen). Foto: Michael Haberer

HERBOLZHEIM. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Annette Sawade, Mitglied des Verkehrsausschusses, geht davon aus, dass die Autobahnparallele beim Ausbau der Rheintalbahn zwischen Offenburg und Riegel das Rennen machen wird. Entsprechend äußerte sie sich am Mittwochnachmittag im Rathaus Herbolzheim, nachdem sie den Bahnhof Herbolzheim erleben und auch das Feuerwehrleiter-Ritual mit Bürgermeister Ernst Schilling genießen durfte.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Fechner hatte Sawade insbesondere wegen der Verkehrsbelange an verschiedene Orte im Südwesten gebracht. Für den gesunden Menschenverstand sei die Kopplung der Verkehre an der Autobahn naheliegend, meinte Sawade. Sie spielte dabei auch auf das von der Autobahnparallelen abhängige, geplante Logistik-Zentrum am Flughafen Lahr an, das die unterschiedlichen Verkehre koppeln könnte. Ihre Station vor Herbolzheim war Lahr, wo ihr OB Wolfgang Müller seine Sicht der Dinge nahe gebracht hatte.

Auch der Transport von Gefahrgut spreche für die Autobahnparallele, erklärt Sawade, die in der früheren DDR zur Chemikerin ausgebildet worden ist.

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Fechner sieht ebenfalls die Tendenz in Richtung Autobahnparallele. Er hoffe, dass mit den Gegnern dieser Variante noch ein Kompromiss zu finden sei, sagte er. Wenn die jeweilige Trasse ausprozessiert werde, kämen noch einmal ein paar Jahre Verfahren obendrauf. Damit würden auch Investitionen wie in das Logistikzentrum in Lahr liegen bleiben, so Fechner.

Er räumte ein, dass mit der Autobahnparallelen in Gemeinden wie Kürzell und Riegel neue Betroffenheiten geschaffen würden. Die dadurch entstehenden Probleme lassen sich nach seinem Dafürhalten aber handhaben. Fechner hofft, dass vor der Sommerpause die Gutachten und Studien zum Trassenvergleich auf den Tisch kommen und in diesem Jahr noch eine Entscheidung fällt.

Was fehle, sei bislang eine politische Abwägung der Ergebnisse, sagte der Kenzinger Bürgermeister Matthias Guderjan. Das Problem am Gutachten sei, dass die Bahn sich noch nicht von der Antragstrasse verabschiedet habe und diese Tendenz sich im Gutachten widerspiegle. Deshalb gebe es derzeit auch noch nichts zu veröffentlichen, sagte Guderjan.

Auch Schilling hegt Zweifel an den Zahlen der Bahn. Die Berechnungsgrundlage für die 1400 Meter Lärmschutzwand an der Bestandsstrecke bei Herbolzheim seien laut DB Projektbau 2,2 Millionen Euro. Da würden die mehreren hundert Millionen an Euro, die die Bahn gegen die Autobahnparallele rechnet, fadenscheinig wirken, erklärte Schilling.

Hartwig Bußhardt, Bürgermeister von Malterdingen, ging auf die jüngsten Töne aus Riegel ein. Die Befürworter der Autobahnparallele machten keine Kirchturmpolitik, sagte er. Kürzell und Riegel sollten auch ihren Lärmschutz bekommen und mit Lärmschutz an der Autobahn sei Riegels Ort besser geschützt als jetzt, so Bußhardt. Hier unterschiedliche Meinung zu vertreten, gebe den Riegelern nicht das Recht, beleidigend zu werden.

Da er befürchtet, dass es auf Seiten der Grafenhausener Erklärung Vertreter einer unnachgiebigen Linie gibt, müsse man den Klageweg eben aushalten, findet Bußhardt. Allerdings meinte er auch, er wolle das dritte und vierte Gleis noch erleben.

Schilling erklärte, die Grafenhausener könnten ebenfalls einmal Signale für Konsens aussenden. Fechner hatte den Ton der Grafenhausener damit erklärt, dass nun die Trassenwahl in die Phase der Entscheidung komme.

Autor: Michael Haberer