"Wir kämpfen um jedes Kind"

Michael Haberer

Von Michael Haberer

Fr, 16. November 2018

Herbolzheim

Leiterin der Johann-Ganter-Schule in Broggingen berichtet von der aktuellen Lage an der Schule.

HERBOLZHEIM-BLEICHHEIM. "Wir kämpfen um jedes Kind", sagte Ellen Feißt, Leiterin der Johann-Ganter-Schule in Broggingen, im Bleichheimer Ortschaftsrat. Die Rektorin der Grundschule im Nachbarort berichtete dort über die aktuelle Situation ihrer Schule. Dabei ging sie auch darauf ein, wie sehr ihr Team sich anstrengen müsse, um die Hector-Kinderakademie an der Schule zu halten.

65 Begabte aus dem nördlichen Breisgau bekommen im Rahmen der Kinderakademie dienstags, donnerstags und samstags Unterricht in der Johann-Ganter-Schule. Als die Akademie der Hector-Stiftung 2012 in Broggingen startete, habe sie freie Hand gehabt, wie sie ihre Kurse gestalte, erklärte Feißt. Inzwischen seien die Inhalte stark auf das Naturwissenschaftliche konzentriert und es brauche besondere Kompetenzen, um die Kurse geben zu können. Manche der 60 Hector-Kinderakademien im Land werde wohl schließen müssen, so Feißt.

Sie betonte auch die Bemühungen insbesondere bei der Betreuung der Schüler zu den Zeiten, in denen kein Unterricht stattfindet. Die Eltern wünschten maximale Flexibilität von ihr und ihrem fünfköpfigen Team. Die Betreuungswünsche reichten von 7.15 Uhr bis 16.30 Uhr, oft in kleinen Ausschnitten davon. Inzwischen sei die Stadt bei der Betreuung auf drei Kinder als Untergrenze für ein Angebot heruntergegangen, damit auch eine kleine Grundschule wie die in Broggingen in den Genuss komme. Aber sie könne nicht alle Wünsche erfüllen, sagte Feißt.

Schule hat derzeit rund 40 Schüler

Die Bleichheimer haben die Wahl zwischen den beiden Grundschulen in Broggingen und Wagenstadt. An ihrer Schule würden rund 40 Schüler – 25 aus Broggingen und 15 aus Bleichheim – unterrichtet, so Feißt. Die Zahl der Kinder von Geflüchteten sei stark zurückgegangen, nachdem diese durch ihr Asylverfahren sind und sich selbst eine Bleibe suchen können. Es würden noch zwei syrische Kinder und jeweils ein Kind von serbischen und kroatischen Migranten unterrichtet, berichtete Feißt.

Beide Schulen verfügen inzwischen über Schulsozialarbeit durch Rosemarie Sigler. Sigler bildet auch Streitschlichter aus. Wenn die Schüler selbst die Auseinandersetzungen managen, tue das dem sozialen Miteinander in der Schule gut, sagte Feißt.

Auch beim Rechtschreibunterricht habe sich etwas geändert, so die Schulleiterin auf Nachfrage von Reinhold Maier. In seiner Zeit als Gymnasiallehrer hatte er mit der Rechtschreibschwäche, mit der die Grundschüler in die weiterführenden Schulen kamen, zu kämpfen. Lange Zeit habe die Rechtschreibung für den Grundschulunterricht keine Bedeutung mehr gehabt und das Schreiben nach Hören sei das Maß der Dinge gewesen. Jetzt lege man wieder Wert darauf und trainiere, dass die Wörter nach den Regeln geschrieben werden, sagte Feißt.

Die Attraktivität der Schule soll auch durch ein Medienkonzept gesteigert werden. Man sei gerade dabei, die Infrastruktur aufzubauen, sagte Feißt. Etwa 15 Tablet-PCs sollen angeschafft werden. Die Zeit der Computerräume sei vorbei. Die moderne Ausrichtung solle sich bald auch in Form eines neuen Internetauftritts zeigen.