Schellenbergkapelle

Aus Stammtischidee entsteht ein Blickfang

Wolfgang Adam

Von Wolfgang Adam

Do, 13. Oktober 2016

Herrischried

Vor rund 20 Jahren sanierten Bürger die Schellenbergkapelle / Im nächsten Jahr wird der Bau 300 Jahre alt / Chilbi am 18. Oktober.

HERRISCHRIED-GROSSHERRISCHWAND. Eine dörflich gepflegte Anlage wie im Bilderbuch befindet sich am Schellenberg, einer kleinen Siedlung am nordwestlichen Rand von Großherrischwand. Sie besteht aus der vor 299 Jahren errichteten Wendelinuskapelle, einem kleinen Ruheplatz und einem Ehrenmal für Kriegsgefallene. Das Gebäude wurde vor rund 20 Jahren in einer beispiellosen, von vielen Bürgern getragenen Außen- und Innensanierung, zu einem Blickfang des hinteren Hotzenwaldes gemacht.

Die Kapelle steht jeweils an einem Oktoberdienstag im Mittelpunkt eines Wallfahrtsgottesdienstes mit Tier- und Wagensegnung sowie der Schellenberger Chilbi. Diese zeichnet sich durch traditionsreiche, originellen Marktständ und ein Gastrozelt der Feuerwehr aus. Der diesjährige Festtag ist am 18. Oktober.

In der täglich offen gehaltenen und von der Mesnerin Brunhilde Rünzi betreuten Kapelle hängen zwei Tafeln, die auf den Bau dieses Gebäudes wie auch auf einen noch früheren Kapellenbau im hinteren Wiesenbereich hinweisen. Die heutige Kapelle, so wird in mündlichen Überlieferungen geschildert, errichteten die wenigen Bewohner des Schellenbergs wegen einer schlimmen, auf dem Hotzenwald wütenden Rinderpest. Das Versprechen eines Kapellenbaus wurde Sankt Wendelin, dem Schutzpatron der Hirten und Bauern gegeben, wenn die im Ort gehaltenen Tiere von der Seuche verschont blieben. Dies war dann der Fall und 1717 stand das Gelübdeobjekt bereits an seinem heutigen Ort.

Den Tafeln ist zudem zu entnehmen, dass in der Nähe die frühere, wohl erste Kapelle durch eine Privatinitiative gebaut wurde. Aus einer, vom Görwihler Heimatkundler Paul Eisenbeis aufgefundenen kirchlichen Bittschrift des Jahres 1694 geht hervor, dass eine Verena Huber sich viel Verdienste für den christlichen Glauben – unter anderem durch den Kapellenbau – erworben hatte und dass nach ihrem Tode der damals zuständige Pfarrer Fridolin Fabri für sie ein ewiges Leben erbat. Auch diese Kapelle war bereits dem Kirchenheiligen Wendelin gewidmet. Der zweite Bau bot in den 1990er Jahren keinen schönen Anblick mehr und das Gemäuer wurde durch eindringende Hangnässe bedroht. In diesen Jahren entstand die Idee zu einer fast allein von Bürgern getragenen Sanierung in dem heute nicht mehr bestehenden Café Rehwinkel. In dem Gasthaus traf sich nach den Sonntagsgottesdiensten regelmäßig eine Stammtischgruppe mit Einheimischen wie zugereisten Bewohnern des hinteren Hotzenwaldes.

Der in Wehrhalden lebende Klas Lackschewitz, der ab 1996 den Förderkreis zur Kapellensanierung leitete, erinnert sich noch gut an den Anlass der außergewöhnlich erfolgreichen Sanierungsunterstützung: "In unserer Runde forderte der aus der Schweiz kommende Bruno Gieger eine gemeinsame gute Tat, statt die Zeit mit üblichen Wirtshausaktivitäten zu verbringen." Er schlug dann die baufällig gewordene Kapelle als erstes Gemeinschaftsprojekt vor. "Dass unsere Spendenaufrufe danach so gut ankamen, haben wir vorher nicht geglaubt", freut sich der damalige Organisator noch heute über die Spendenbereitschaft vieler Menschen aus nah und fern.

Große Unterstützung erhielten die Sanierungsplaner vom damaligen Großherrischwander Ortsvorsteher Werner Stoll, von Handwerkern und auch vom erzbischöflichen Bauamt. In einer ersten Etappe erhielt das Gebäude eine Drainage und eine Gemäuersanierung, danach folgten im Außenbereich noch die Errichtung einer neuen Kupferkuppel und im letzten Akt wurde eine große Innensanierung angepackt, die sogar alte Altarfiguren einschloss. Die Maria-und Josef-Figuren wurden von einem Spezialisten im Allgäu erneuert. Die Transporte übernahm der Spendenorganisator selbst. Zu den Handwerkern, die für ihre Arbeiten nur Materialkosten erhoben, zählten unter anderem Wolfgang Lips und Andreas Eberle. Auch zum Ende der Sanierung gab es noch Spendengelder, die für die Errichtung eines Rastplatzes mit drei Bänken im Jahr 2000 sowie für Erneuerungsarbeiten am gegenüberliegenden Kriegerehrenmal reichten. "Und auch danach befand sich im Kapellenfonds noch Geld, das wir dann der Kirchengemeinde als Kapellenträger übergaben", erinnerte Lackschewitz.

Dass die Kapelle um das Jahr 1891 schon einmal über Bürgeraktionen einen Zementfußboden erhielt, wird auch auf einer Tafel berichtet. Eine besondere Kapellenspende leistete in jüngerer Zeit eine Familie aus Kleinherrischwand. Sie veranlasste, dass alle Bewirtschaftungserlöse aus einem der Gemeinde Herrischried überlassenen Waldstück der Schellenbergkapelle zugutekommen.