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18. Januar 2013

Harsche Kritik an Tetrafunk

Info-Veranstaltung zu gesundheitlichen Schäden durch Strahlung stieß auf große Resonanz.

HERRISCHRIED. Der im August 2012 in Betrieb genommene Tetra-Funkmast auf dem Riesenbühl erhitzt die Gemüter in Herrischried. Entsprechend groß war die Resonanz auf eine Info-Veranstaltung, die Gemeindereferent Reinhard Lang mit dem Verein Lebenswerter Hochrhein am Mittwochabend in der mit rund 130 Besuchern gefüllten Rotmooshalle organisiert hatte.

Als Referenten geladen waren Funktechniker Uli Weiner und Umweltmediziner Joachim Mutter, die seit Jahren vor der gesundheitsgefährdenden Auswirkung der Tetra-Funkstrahlung warnen. Als standardisierter digitaler Bündelfunk für Behörden und Organisationen für Sicherheitsaufgaben (BOS) soll dieser in ganz Deutschland eingeführt werden.

Einschlafprobleme, häufiges Aufwachen, Erschöpfung, Nasenbluten, nächtliches Schwitzen, Depression oder Reizbarkeit – für Reinhard Lang, der die Ergebnisse des im November letzten Jahres in der Bevölkerung verteilten Mobilfunk-Fragebogens präsentierte, war der Zusammenhang zwischen dem Sendebetrieb und den angegebenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen evident. "Der Rechtsstaat steht auf dem Kopf", lautete seine empörte Zusammenfassung. Die Betroffenen müssten die Schädlichkeit der Tetrafunkstrahlung beweisen, statt dass Behörden gezwungen seien, die Unbedenklichkeit nachzuweisen.

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Experten führten zusätzlich Gegenargumente ins Feld

Von den Referenten konnten sich die Gegner des Mobilfunkmasten, unter denen sich auch Betroffene aus dem Landkreis Lörrach befanden, aus fachkundigem Munde bestätigt fühlen. "Eine gut bezahlte Abwrackprämie für veraltete Funktechnik", lautete das Urteil Weiners über die Tetrafunk-Technik, die von politischen Behörden und Wirtschaftslobbyisten als modern verkauft werde. Hinzu kämen die immer wieder nach oben korrigierten Kosten in Höhe von inzwischen zehn Milliarden Euro, der im Gegensatz zum Analogfunk enorm hohe Stromverbrauch sowie eine hohe Störanfälligkeit, die sich durch die Zentralisierung des gesamten Funknetzsystems ergebe. Weiner wies seine Zuhörer auch auf zahlreiche schlechte Erfahrung hin, die Behörden etwa in Großbritannien und Dänemark mit dem Tetra-Funk gemacht hätten. Auf das besondere Interesse des Publikums stießen freilich die Fragen nach gesundheitlichen Auswirkungen, an denen die beiden Fachleute keinen Zweifel ließen. "Es wird gelogen wie verrückt", beklagte sich Umweltmediziner Mutter. Eines der vielen Ziele seiner harschen Kritik betraf die vom Bundesamt für Strahlenschutz ermittelten Grenzwerte . Die ausschließliche Prüfung der thermischen Wirkung einer Strahlung sage nichts über die langfristige biologische Schädigung aus. Der außerordentlich negative gesundheitliche Effekt sei auch von der Weltgesundheitsorganisation oder nationalen Institutionen wie der Wiener Ärztekammer oder der russischen Strahlenschutzbehörde bestätigt. Physische und psychische Erkrankungen seien gleichermaßen als Auswirkung von Strahlung durch zahlreiche Studien verbrieft.

Die anschließende Fragerunde zeugte von der Besorgnis des Publikums. Eine Dame aus dem Plenum wies auf das deutlich veränderte Verhalten von Kindern einer Waldorfschule in Dachsberg seit Beginn des Sendebetriebes eines Funkmastes in Dachsberg-Wilfingen. Einige der Fragen bezogen sich auf Möglichkeiten, sich vor der Strahlung zu schützen sowie juristischen Möglichkeiten, dem Sendebetrieb auf dem Riesenbühl ein Ende zu setzen.

Autor: Hrvoje Miloslavic