Integration bei der Apfelernte

Max Schuler

Von Max Schuler

Fr, 16. Oktober 2015

Heuweiler

Heuweilermer stellt Baum für Flüchtlingsprojekt zu Verfügung.

HEUWEILER. Ein solch internationales Ernteteam hat sich unter dem Apfelbaum auf dem Acker hinter dem Heuweiler Friedhof wohl noch nie versammelt. Andreas Uschok hat dort ein Stück Land von der Kirche gepachtet und sammelte zusammen mit vier Flüchtlingen die Ernte ein. Das Ganze erfolgte im Rahmen eines Projekts, das die Agronauten angestoßen haben. Sie wollen in Freiburg und Umgebung Fallobst vor dem Verfaulen bewahren und zusätzlich den Kontakt zwischen den Kulturen herstellen.

Uschok hat von dem Projekt aus der Zeitung erfahren. Für gewöhnlich ernte er den Apfelbaum mit Freunden ab. Diesmal beteiligte er sich an dem Flüchtlingsprojekt. "Ich wollte einfach Flagge zeigen. Es ist eine kleine Geste, mehr nicht", sagt er. Trotz Sprachbarrieren habe es Spaß gemacht. Die Helfer stammen aus Ghana, Albanien und dem Kosovo. Einer ist Angehöriger der Roma. "Einfach was gemeinsam machen. Das finde ich gut", sagt der Gesundheits- und Krankenpfleger aus Heuweiler.

Uschok ist einer von zehn Privatleuten, die Obstbäume zu Verfügung gestellt haben. Ansonsten waren die 30 Erwachsenen und 20 Kinder mit Flüchtlingshintergrund zusammen mit den deutschen Freiwilligen auf ungenutzten Streuobstwiesen unterwegs, die der Stadt Freiburg oder den Umlandgemeinden gehören.

Auch in der Region verrotten Früchte

"Wir hoffen, dass nächstes Jahr mehr Menschen ihren Apfelbaum zu Verfügung stellen", sagt Peter Volz von den Agronauten, einer gemeinnützigen Forschungsgesellschaft für nachhaltige Land- und Regionalwirtschaft. Das Ernteprojekt soll es auch im kommenden Jahr geben.

Die Flüchtlinge kommen aus dem Heim in der Hammerschmiedstraße in Freiburg. Dieses Jahr seien auch viele von der bedarfsorientierten Erstaufnahmestelle (BEA) mit dabei gewesen, sagt Volz. Sie stammen in der Mehrzahl aus Syrien, Mazedonien und Westafrika. Finanziert wird das Projekt vom Fonds für Nachhaltigkeit der Stadt Freiburg.

Gepresst wird der Apfelsaft beim Bio-Obstgut Joel Siegel in Norsingen. 900 Liter Apfelsaft seien dieses Jahr zusammengekommen. Jeder Flüchtling erhält rund 15 Liter Saft. "Nicht wenige der Flüchtlinge bewunderten die Gartenkultur bei den privaten Besitzern und diese freuten sich über den Enthusiasmus der Ernter", sagt Volz. Nach getaner Arbeit seien Einheimische und Flüchtlinge oft bei einer Tasse Kaffee beisammengesessen. Der kulturelle Austausch ist den Agronauten das eine Anliegen. Auf der anderen Seite wollen sie auf den Wert von Lebensmitteln aufmerksam machen. "Auch in der Region Freiburg gibt es viele Bäume, wo Obst verrottet", sagt Volz. Das Wegschmeißen von Lebensmitteln sei eine der Katastrophen des modernen Ernährungssystems.

Info: Laut Bürgermeister Raphael Walz sind derzeit keine Flüchtlinge in Heuweiler untergebracht. Das Landratsamt will der Gemeinde sieben Menschen zuteilen. Bisher fehle aber selbst für diese Anzahl an Menschen Wohnraum. Walz hofft daher auf private Wohnungsangebote.