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27. Oktober 2016

Das Direktmandat als Ziel

Ulrich Martin Drescher aus Kirchzarten wird Grüner Bundestagskandidat im Wahlkreis Waldshut.

  1. Ulrich Martin Drescher bei der Nominierungsveranstaltung Foto: Barthmes

HÖCHENSCHWAND. Ulrich Martin Drescher aus Kirchzarten will für die Grünen nach Berlin. Bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr tritt er im Wahlkreis 288 Waldshut an. Er wurde bei einer Wahlkreismitgliederversammlung am Dienstagabend in Höchenschwand einstimmig gewählt – Drescher war der einzige Bewerber.

Ernährungswende, Energiewende, Verkehrswende – die drei Themenbereiche sind Ulrich Drescher besonders wichtig, sagte er bei der Versammlung: Die Ernährungswende müsse "über alle Stufen der Wertschöpfungskette vom Acker bis auf den Teller" erfolgen. Das bedeute auch, dass "die Preise die ökologische Wahrheit sprechen müssen". Eine ökologisch-soziale Kosten-Nutzen-Rechnung müsse eingeführt werden. Passiere das, "dann ändert sich alles", ist Drescher überzeugt – dann würde sich die ökologische Produktion immer lohnen.

Beim Verkehr dürfe es nicht nur um Beruhigung und Bündelung gehen, sagte er. Die Mobilität des Einzelnen müsse nicht beschnitten werden, die Menschen müssten nur Gewohnheiten leicht ändern. Seiner Meinung nach könne es nicht die Lösung sein, einfach mehrspurige Tunnel unter Falkensteig und den Hirschsprung zu bauen und damit nur noch mehr internationalen Transitverkehr anzuziehen.

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Keine zentralen Großeinheiten und keine gefährliche Energieerzeugung dürfe es geben. Das wisse man gerade in Südbaden, denn die Region sei mit Fessenheim, Leibstadt und Beznau gleich von mehreren Atomkraftwerken umgeben. Die Folgekosten für die gefährliche Technik seien gigantisch.

"Ich will diesen Wahlkreis direkt gewinnen", sagt er selbstbewusst. Das sei "herausfordernd aber erreichbar", ist er überzeugt. Dafür wolle er die Menschen überzeugen, indem er beispielsweise aufzeige, dass andere Konzepte funktionieren. Seine große Erfahrung in der Wirtschaft werde ihm da helfen, sagt der Kandidat.

Aufsichtsrat bei den Elektrizitätswerken Schönau, bei der Gründung der Solarfabrik Freiburg dabei, Aufsichtsratsvorsitz bei der Regionalwert AG, einer der Gründer des Unternehmensverbandes Unternehmensgrün – er kenne also die die verschiedenen Themenbereiche aus der eigenen beruflichen Tätigkeit und er könne aufzeigen, dass eine andere Art des Wirtschaftens funktioniere. Gegen die Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada sei er, weil der Kulturimperialismus, wie er es ausdrückt, die mittelständischen Strukturen zerstöre.

Helfen werde ihm aber auch, dass er Rückschläge erlebt habe, dass er benennen könne, was nicht funktioniere, sagt Drescher.

Er stehe für eine ökologisch-soziale Marktwirtschaft, er sei ein erfahrener Wirtschaftsmann, ökolibertär und staatsabgeneigt, sagte er. Diese Aussage ließ offensichtlich das Vorstandsmitglied des Grünenkreisverbandes Waldshut, Peter Schanz, aufhorchen. Was das genau bedeute, fragte der – staatsabgeneigt klinge nach Anarchie. Es gehe ihm um die Erweiterung des Freiheitsspielraums und um soziale Verantwortung, erläuterte er. Der Staat solle dann eingreifen, wenn der Einzelne und die Gemeinschaft eine Herausforderung nicht schaffen. Drescher: "Dem Großen nur, was das Kleine nicht vermag." Selbstverständlich müsse es auch Verbote geben, um Innovationen zu ermöglichen oder zu erzwingen.

Ulrich Martin Drescher ist überzeugt, als ökologisch geprägter Bürgerlicher, den Menschen im Wahlkreis seine Ziele und Vorstellungen nahe bringen zu können. Zunächst will er mit den Ortsvereinen der Grünen die lokalen und regionalen Themen erörtern und mit den Bürgermeistern ins Gespräch kommen. Schnell werde er dann in allen relevanten Themen im Wahlkreis, der bis nach Waldshut-Tiengen reicht, mit den Kandidaten der anderen Parteien auf Augenhöhe sein.

Autor: Sebastian Barthmes