Mit Bürste und Feger ans Werk

Frank Leonhardt

Von Frank Leonhardt

Di, 26. Juni 2018

Hohberg

Putzaktion soll die "Römersiedlung" wieder flott machen .

HOHBERG-NIEDERSCHOPFHEIM. Der historische Verein und der Heimatverein Hohberg sind derzeit dabei, Mauern und Fundamente der römischen Ausgrabungen bei Niederschopfheim vom Moos zu befreien. Hans-Jürgen Gebhardt, in beiden Vereinen im Vorstand aktiv, hofft auf die Hilfe zahlreicher Bürger, wenn es morgen, Mittwoch, erneut um 18 Uhr ans Werk geht.

Drei Arbeitstermine gab es bereits. Bei den zwei ersten rückten zwei Familien mit Kelle, Handfeger und Drahtbürsten an und hatten bereits einen großen Teil des Steinwerks in seinen alten Glanz versetzt, freut sich Gebhardt. Beim Termin in der vergangenen Woche sah es schon schlechter aus. Neben Gebhardt kamen nur die Hofweierer Marliese und Wenzel Holub, Mitglied im historischen Verein und ohnehin immer da, wenn etwas auf dem Areal zu tun ist. Das hängt damit zusammen, dass der ursprüngliche Besitzer des Grundstücks, Albert Föll, der Vater von Marliese Holub ist. Sie erinnert sich noch gut daran, wie ihr Vater beim Pflügen des einstigen Maisfelds immer wieder auf Ziegel stieß und meinte, hier müsse eine Ziegelei gestanden haben. Als man aber auf größere Mengen alter Fragmente stieß, und ihr Mann Wenzel schließlich einen Dachziegel mit dem Stempel der 21. Legion Rapax, die um 50 nach Christus im Legionslager Straßburg stationiert war, stieß, wurde das Landesdenkmalamt auf Niederschopfheim aufmerksam.

Der Vater wollte das Grundstück zunächst nicht an die Gemeinde verkaufen, aber der Ausgleich durch ein anderes Feld ließ ihn dann doch zustimmen. Und so, erinnern sich beide Holubs, seien 1978 Freiburger Studenten über zwei Jahre damit beschäftigt gewesen, die, wie sich dann herausstellte, römische Straßen- und Raststation im Gewann Steinacker-Feld frei zu legen.

Die Station befand sich auf der römischen Fernstraße von Basel nach Mainz und bestand aus einem 1800 Quadratmeter großen Steingebäude mit Innenhof, um den herum sich Wohn-, Gast-, und Baderäume sowie Stallungen für Zugtiere und Reparaturwerkstatt befanden. Das Steingebäude wurde um 180 nach Christus zerstört und in Fachwerkbauweise wieder aufgebaut. Das konnten die Forscher so nachvollziehen. Die Niederschopfheimer Ausgrabung liegt auf dem Oberrhein-Römerradweg, dessen dritter Abschnitt von Riegel bis Offenburg erst vor einigen Tagen feierlich eröffnet wurde.

Wenzel Holub freut sich immer wieder über Radfahrer, die am Wochenende hier durchkommen. "Es könnten aber durchaus mehr sein, wenn die Erschließung besser wäre", bemerkt er etwas kritisch. Der Radweg von der Huber-Mühle ist eine Sackgasse. "Wenn ein nur kurzer Weg hin zur Straße entlang der Bahnlinie geschaffen würde, hätten wir die Sackgasse weg und die Frequenz wäre der Bedeutung entsprechend wesentlich besser", äußert Holub seinen Wunsch in Richtung Rathaus.

Aber jetzt wünschen sich Hans-Jürgen Gebhardt und die Holubs erst einmal kräftige Unterstützung von Bürgern, die zur nächsten Putzete am morgigen Mittwoch von 18 Uhr an mit Putzwerkzeugen dem Moos zu Leibe rücken. Zur Stärkung gibt es, auch bereits nach einer Stunde, einen Feierabendtrunk für die Helfer.

Hier geht’s lang: Niederschopfheim, an der B 3/Edeka-Kohler-Kreuzung in Richtung Ichenheim, gleich hinter der Huber-Mühle rechts abbiegen und dem Schild "Römersiedlung" folgen.