Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

09. Mai 2014

"Tauziehen ist reine Kopfsache"

BZ-INTERVIEW mit Hermann Steiert zum Start der Horbener Tauzieher in der Landesliga.

  1. Die Mannschaft des Tauziehclubs Horben mit Vorstand Hermann Steiert (vorne links)in den neuen Trikots Foto: Privat

HOREN. Der Tauziehclub Feuerstein Horben ist zurück in der Landesliga – und das nach fast 20-jähriger Abwesenheit. Kommenden Sonntag findet ab 10 Uhr das erste Landesliga-Ziehen beim Stegener Sportplatz im Dreisamtal statt. BZ-Mitarbeiterin Susanne Ehmann hat mit dem Vorsitzenden, Hermann Steiert, über die Vorbereitungen auf die kommende Saison gesprochen.

BZ: Herr Steiert, warum waren die Horbener 20 Jahre nicht in der Landesliga?

Steiert: Bei der Gründung des Vereins Feuerstein Horben 1985 erlebte der Tauziehsport hier in der Region einen Boom. Der hat aber irgendwann nachgelassen, plötzlich ging es wieder aufwärts. Seit etwa drei Jahren haben wir mehr Zulauf, auch von jungen Leuten. Wie haben dann regelmäßiger trainiert und bei Hobbyturnieren hier in der Region teilgenommen.Vor zwei Jahren haben wir begonnen, wieder eine richtige Mannschaft zu bilden. Wir trainieren zwei bis drei Mal pro Woche. Im vergangenen Jahr dachten wir dann: Wir haben so viele junge, motivierte Leute, eine gute Mannschaft - jetzt versuchen wir wieder, in die Tauziehlandesliga einzusteigen, wir müssen unserer Mannschaft diese Möglichkeit bieten. Dann haben wir uns angemeldet.

Werbung


BZ: Konnten Sie sofort loslegen?

Steiert: Nein. Wir mussten erst einmal die Infrastruktur des Vereins wieder aufzubauen. Angefangen über eine professionelle Vereinssoftware, die Erhöhung des Mitgliedsbeitrages bis hin zur Suche nach Sponsoren. Das Ganze kostet halt auch Geld. Hinzu kommt eine neue Ausrüstung: Tauziehschuhe und ein Trikot mit dem Vereinslogo. Das gab’s noch nie, wir haben es neu entworfen. Das Gemeindewappen ist eingearbeitet. Die Homepage wurde neu gestaltet.

BZ: Wie hat sich das Training verändert?

Steiert: Wir haben einen Galgen angeschafft. Das ist ein spezielles Trainingsgerät für Tauzieher. Es ist acht Meter hoch und es hängt ein Gewicht dran, das man dann hochziehen muss. Wenn man richtig trainieren möchte, ist so ein Galgen Voraussetzung. Wir haben ihn selber gebaut, haben die Akazienstämme selber im Wald geschlagen – natürlich nach Absprache mit der Gemeinde.

BZ: Welche körperlichen Voraussetzungen sind wichtig für die Turniere?

Steiert: Kraft und eine gute körperliche Grundkonstitution, Rückenschmerzen kennt bei uns keiner. Das Gewicht spielt auch eine große Rolle, denn in der Landesliga gibt es Gewichtsgrenzen. Bei uns sind es 640 Kilo, bei einer Mannschaft von acht Leuten also etwa 80 Kilo pro Mann. Nun wiegen wir uns jede Woche. Denn: Ein Gramm drüber und man ist draußen aus dem Wettbewerb. Ist man aber zu leicht, hat man einen Gewichtsnachteil. Unser Ziel ist, uns knapp an die 640 Kilo ranzuarbeiten.

BZ: Und was ist noch wichtig beim erfolgreichen Tauziehen?

Steiert: Die richtige Technik: Synchronizität, Koordination, die Körperhaltung, die Gewichtsverlagerung – auf diesem Niveau kommt es auf Kleinigkeiten an. Konzentration ist dabei alles. Unser Motto lautet: Tauziehen ist reine Kopfsache. Thomas Hug, unser Trainer treibt uns voran – mit Zuckerbrot und Peitsche.

BZ: Sind Sie nun bereit für die Saison nach fast 20 Jahren?

Steiert: Wir fiebern dem ersten Turnier in Stegen-Eschbach entgegen, haben extra noch ein Trainingswochenende bei einer Bundesligamannschaft gemacht. Wir wissen natürlich gar nicht, wo wir stehen. Aber wir sind gut trainiert und haben talentierte und motivierte Jungs dabei. Wir hoffen auf einen Platz im Mittelfeld, das wäre ein toller Erfolg. Komplett unterzugehen wäre demotivierend. Auf den Hobbyturnieren der vergangenen Jahre haben wir häufig gewonnen, jetzt müssen wir uns in der Landesliga neu orientieren.

BZ: Wie geht es weiter?

Steiert: Ein großes Projekt für die Zukunft wäre ein Gelände in Horben, auf dem wir offizielle Tauziehturniere veranstalten können. Für Landes- oder Bundesligaturniere braucht man bestimmte Maße, so etwas gibt es bisher nicht. Wir sind also dieses Jahr in der Landesliga, können aber selbst keine Turniere veranstalten - das wird der Verband jedoch irgendwann von uns fordern.

BZ: Würde Horben davon profitieren?

Steiert: Mit der jetzigen Entwicklung des Tauziehclubs ist die Gemeinde Horben einzigartig in der Region. Es gibt in der näheren Umgebung keine Tauziehmannschaften. Insofern hat das für Horben einen gewissen Reiz.

BZ: Und wie reagieren die Horbener?

Steiert: Die Anerkennung hat wieder zugenommen. Jahrelang wurde das Tauziehen ein bisschen belächelt, aber mittlerweile identifizieren sich die Leute wieder mit dem Verein, wollen bei Turnieren dabei sein, fragen nach T-Shirts mit dem Vereinslogo. Eine Frau hat uns sogar Stutzen gestrickt, zwei für jeden – 30 Stück.

Infos zu Verein und Turnieren unter http://www.tc-horben.de oder http://www.drtv.de

ZUR PERSON: HERMANN STEIERT

Hermann Steiert, 45, ist seit über zehn Jahren Mitglied im Tauziehclub Feuerstein , sechs Jahre davon im Vorstand. Zusätzlich ist er im Ersatzkader des Teams. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und ist Vertriebsleiter für Baustoffe.  

Autor: ehm

Autor: ehm