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16. April 2009
Im Süden einzigartig
Für 3,4 Millionen Euro entsteht in Niedergebisbach eine Station für Wachkomapatienten.
HERRISCHRIED-NIEDERGEBISBACH. Im Herrischrieder Ortsteil Niedergebisbach entsteht in diesen Wochen eine in Süddeutschland bisher einzigartige Intensivstation, die auf die Bedürfnisse der 24-Stunden-Intensiv-Pflege von Wachkoma- und Beatmungspatienten abgestimmt ist. Die Seniorenresidenz Alpenblick investiert 3,4 Millionen Euro in den Umbau des ehemaligen Gästehauses. Gestern wurde offiziell der erste Spatenstich gefeiert.
Familien von Wachkoma- und Beatmungspatienten haben es schwer, einen geeigneten Platz für die Betreuung ihrer Angehörigen zu finden. Bernd und Regine Hiller wollen diesen Zustand ändern. Das Ehepaar übernahm 2003 die Seniorenresidenz Alpenblick und konnte das Anwesen vor wenigen Monaten kaufen. Das Altenheim im Stammhaus mit seinen 35 Betten läuft gut, jetzt investieren die Hillers 3,4 Millionen Euro in den Umbau des im Moment noch leer stehenden Gästehauses.Hier eine Station für Wachkoma- und Beatmungspatienten entstehen zu lassen, war schon lange ein Wunsch, sagt der examinierte Narkose- und Intensivpfleger Hiller: " Wir haben lange nach der Finanzierung für das Vorhaben gesucht." Mit Peter Dürr fanden die Hillers einen kompetenten Berater, mit dessen Hilfe es gelang, die Auflagen der Banken zu erfüllen und den nötigen Kredit zu bekommen.
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Der Innenausbau im ehemaligen Gästehaus läuft auf Hochtouren, erklärt Bauingenieur Wolfgang Kohlbrenner den Gästen zum Spatenstich. So wurde das Haus fast vollständig entkernt, es entstehen nicht nur behindertengerechte Nasszellen, auch die Heizung und die Elektrik werden auf den neuesten Stand gebracht. Jedes Bett verfügt künftig über einen eigenen Anschluss für Druckluft und Sauerstoff. Im Anbau wird ein Lift installiert, so Kohlbrenner: "Diese Arbeiten gestalten sich sehr schwierig. Der Bau grenzt direkt an die Straße und wir müssen mehr als sieben Meter tief in die Erde."
Die Zeit drängt, in nur acht bis zehn Wochen sollen die ersten Patienten im neuen Haus einziehen können, sagt Regine Hiller. Mit Edwin Nawratil kam vor einem Monat der neue Pflegedienstleiter nach Herrischried, er konnte bereits in Stuttgart Erfahrungen im Umgang mit Wachkoma- und Beatmungspatienten sammeln. Nawratil sieht sich als Netzwerkmanager und Bindeglied zwischen Patienten und Angehörigen, denn in dem neuen Heim werden nicht nur die Menschen selbst betreut, das Haus soll auch Anlaufstelle für die Angehörigen sein.
Dieses freute besonders Heinrich Schäfer vom Bundesvorstand des Vereins Schädel-Hirnpatienten in Not. Jährlich, so Schäfer, kommen in Deutschland etwa 10 000 neue Patienten mit diesem Krankheitsbild hinzu. "Die Zeit liegt noch nicht so lange zurück, da man Patienten im Wachkoma in Altenheime abschob und aufs Abstellgleis rangierte." Die Grundsteinlegung in Niedergebisbach sei umso mehr ein Zeichen, dass die Thematik immer mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen werde.
Jetzt sucht das Betreiberehepaar Hiller dringend zusätzliche Leute im Pflege- und Hauswirtschaftsbereich. Gut ausgebildetes Pflegepersonal sei zurzeit aber schwer zu finden, beklagt Bernd Hiller. In diesem Punkt will die Gemeinde Herrischried dem Unternehmen helfen. So versprach Bürgermeister Christof Berger etwa den Ausbau des Kindergartens in Niedergebisbach. Er sei guten Mutes, dass in der von der katholischen Kirche geführten Einrichtung schon zum September eine Gruppe für Kinder ab zwei Jahren eröffnet, was vor allem Müttern den Wiedereinstieg in die Berufstätigkeit erleichtere. Christof Berger begrüßte den Ausbau in der Seniorenresidenz: "In den vergangenen fünf Jahren, in denen ich hier Bürgermeister bin, sind diese sichtbaren Investitionen in unserer Gemeinde ausgeblieben. Es freut mich besonders, dass Unternehmer sich nicht nur ansiedeln, sondern auch noch neue 40 Arbeitsplätze in den Hotzenwald bringen."
Autor: Susan Bersem
