Mit einem Affenzahn ging es steil in die Luft

Katja Mielcarek

Von Katja Mielcarek

Sa, 26. Juni 2010

Hotzenwald

Rickenbacher Grundschüler durften mit den Segelfliegern der Luftsportgemeinschaft Hotzenwald eine Runde drehen.

RICKENBACH. "Endlich sind wir da" – der Stoßseufzer der ersten Rickenbacher Schüler der dritten Klassen von Ingrid Groff, die am Freitag auf dem Segelflugplatz in Hütten eintrafen, ist durchaus doppeldeutig. Zum einen hatte es die Wanderung von der Schule bis hoch zum Flugplatz in sich, zum anderen musste der Ausflug wegen des schlechten Wetters schon zwei Mal verschoben werden. Und das ist ganz schön bitter bei so was Spannendem wie dem Segelfliegen. Entsprechend zappelig sind die Kinder dann auch. Jeder will der erste sein. Schon beim Eintreffen wird fein säuberlich eine Schlange gebildet, dabei steht noch ein längerer Fußmarsch zum Startplatz an.

Marius ist es schließlich vorbehalten, als erster mit einem Piloten in der engen Kanzel Platz zu nehmen, nachdem er mit einem Fallschirm ausgestattet wurde. Als Enkel von Johann Lauber, Präsident der Luftsportgemeinschaft Hotzenwald, ist ihm das Fliegen nicht neu, aber im Segelflieger hat er noch nicht gesessen. Die anderen beobachten die Prozedur aus sicherer Entfernung. Großes Geschrei geht dann los, als die Winde den Flieger mit einem Affenzahn und ziemlich steil in die Luft befördert. "Boah, geht das ab!", "Mann ist das steil!" "Ojemine!" – keine Frage, die Schüler sind beeindruckt. Ihre Blicke zeigen neben gespannter Vorfreude jetzt auch eine Spur von Angst. Aber fliegen wollen sie trotzdem. Als Ingrid Groff nach einem Mädchen als zweitem Passagier sucht, gehen viele Finger hoch. Eine Matheaufgabe hilft, die Reihenfolge zu klären. Lorena wusste als erste, wie viel neun mal acht sind und klettert mit gemischten Gefühlen in den Segelflieger.

"Oje, arme Lorena" – angesichts des rasanten Starts wird einigen Mädchen ganz bange um ihre Freundin. Mit entsprechend großem Jubel wird sie nach ihrem Flug wieder begrüßt. Wie Marius ist ihr der Start gehörig in den Magen gefahren. "Das war echt heftig", erzählen beide hinterher wortgleich. Aber die Kurvenflüge, die haben sie begeistert. Deshalb sind sie sich sicher: Das wird nicht ihr letzter Segelflug gewesen sein.

Das ist ganz im Sinne der Luftsportgemeinschaft Hotzenwald. "Wir machen solche Termine gerne und sehen sie auch ein wenig als Öffentlichkeitsarbeit", erzählt Hermann Kramer, mit 86 Jahren der Senior der Flieger. Dabei bedeutet der Besuch der Schulklasse einen gehörigen Aufwand. Piloten müssen da sein, jemand, der die Winde bedient, jemand, der die Leine zurückholt, ein Startleiter, ein Startschreiber – und helfende Hände, die die Flieger wieder in Positur schieben.

Ein paar Erwachsene haben die Flieger übrigens an diesem Vormittag ebenfalls für ihren Sport begeistert. Einige Mamis waren nach Hütten gekommen, um den ersten Flug ihrer Sprösslinge zu begleiten, und nahmen das Angebot, sich selber in die Luft zu begeben, gerne an.