Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

20. Juli 2010 15:31 Uhr

Werfer-Treffen in Herrischried

Urige Typen und scharfe Waffen

Messer- und Tomahawk-Werfer aus Finnland, Polen, Tschechien und Deutschland waren in Herrischried zugange. Ein Besuch bei einem nicht ganz alltäglichen Treffen, bei dem sogar Doppeläxte flogen.

"Wupp, wupp, wupp" – so klingt es, wenn die Messerwerfer ihre drei Würfe pro Durchgang auf die drei Scheiben machen; "Pfock, pfock, pfock", wenn die Tomahawks im Einsatz sind – sofern die Scheiben getroffen werden. Und das werden sie an diesem Tag oft, meist sogar ziemlich zentral. "Die können echt was", staunt Holger Wycisk, der die Eurothrowers – eine Vereinigung der europäischen Messerwerfer – zum Vorbereitungstreff für die Europameisterschaft in Rom eingeladen hatte.

Allerdings kamen nicht so viele Werfer wie erhofft. "Woran es lag, weiß keiner", zuckt er die Achseln. Die Stimmung ist trotzdem gut, was auch an den zum Teil urigen Gestalten liegt. "With my knifes I know I’m good –"Ich weiß, was ich mit meinen Messern kann", hat sich Kari Salonius auf seinen Unterarm tätowieren lassen, der für den einen Tag extra aus Finnland eingeflogen ist. Freundlich grinsend erklärt er, er sei ein Gentleman und würde nur lächelnd morden. Eine eher ungewöhnliche, aber kaum Angst einflößende Begrüßung – er ist nämlich wirklich ausnehmend freundlich, ebenso wie sein Sohn Frank.

Werbung


"Achtung, der ist Sizilianer"

Eher zum Fürchten ist da schon der massige Nicolo Madonia mit seinem stechenden Blick unter dem kahlrasierten Schädel und den Wurfgeschossen Marke Eigenbau. "Achtung, der ist Sizilianer", warnt seine Frau. Also besser vorher mal gefragt, ob es ihn störe, wenn er beim Wurf fotografiert würde. "Nur wenn Sie nackt wären", kommt die prompte Antwort und – Gott sei Dank – ein Grinsen.

Gregor Paprocki aus Polen hat zumindest einige seiner Messer immer am Mann. Sie stecken in zwei Scheiden, die er um die Hüfte trägt. Er spricht nicht viel, er wirft lieber. Zwischen den Wertungswürfen an den Trainingscheiben – gerne mit nacktem Oberkörper. Wenn es ernst wird, zieht er Hemd oder Weste über.

So wild die Gestalten auch aussehen, so diszipliniert gehen sie ihrem Sport nach. Geworfen wird nur nach Freigabe der Bahnen, keiner murrt, keiner schlägt über die Stränge. "Letztlich war es eine richtig schöne Veranstaltung", sagt Holger Wycisk, nachdem er die erste Enttäuschung über die wenigen Teilnehmer verdaut hat.

Spaßig geht es beim Doppelaxtwerfen zu. Gregor ist immer noch da und wirft abwechselnd Messer und Doppelaxt. Die Finnen sitzen wieder im Flieger nach Hause, ansonsten haben sich auf der Anlage vor allem bekannte Gesichter eingefunden. Eines davon ist schon am frühen Morgen blutverschmiert und mit dickem Pflaster verziert. "Der war unterhopft", lachen die Kameraden, und weisen dezent auf das noch nicht gelieferte Bier hin. Der Malträtierte erzählt, er habe nach einem Wurf etwas am Stand aufheben wollen und sei beim Aufrichten an die Schneide der Axt in der Scheibe gestoßen. Ein besonderes Highlight war ein Kuchen, gestiftet von Klaus Richert vom Café Heinritz aus Bad Säckingen. Der Torte sah man erst auf den dritten oder vierten Blick an, dass es sich nicht um eine Wurfscheibe aus Holz handelte.

Autor: Katja Mielcarek