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09. September 2008

Die Baar – ein Paradies für den Milan

Studie nun abgeschlossen

HÜFINGEN-SUMPFOHREN . (eum). Nirgendwo in Europa sieht man den Milan am Himmel so häufig kreisen wie in Deutschland und hier besonders oft über der Baar. Und besonders viele Exemplare sind rund um Sumpfohren zu Hause. Dies ist eines der Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie rund um den Rot- und den Schwarzmilan in Sumpfohren, die nach zwei Jahren abgeschlossen wird. Im Auftrag des Bundesministeriums ländlicher Raum überprüfte die Universität Ulm das Verhalten der Milane um Sumpfohren. Der freie Ökologe Jochen Walz aus Leonberg, der sich bereits seit 1998 mit dem Thema befasst, referierte jüngst im Rathaussaal in Sumpfohren über die Milane.

Zahlreiche ehrenamtliche Helfer überwachten und protokollierten unter der Leitung von Marion Gschweng von der Ulmer Uni das Verhalten der Milane. Nachweislich sind derzeit jeweils 20 Brutpaare Rot- und Schwarzmilane auf 100 Quadratkilometern im Sumpfohrener Umland heimisch. Die jährliche Nachwuchsrate liegt nach Aussage des Ökologen bei einem bis drei Jungen. Doch in diesem Sommer wurde diese Quote wegen Mäusemangels nicht erreicht.

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Das Umland von Sumpfohren ist wegen großer Wiesen, die in Etappen gemäht werden, der ideale Lebensraum für den Greifvogel. Die frisch gemähten Wiesen sind für den Milan das richtige Jagdrevier, und wenn die Mahd nicht großflächig erfolgt, kommt dies dem Mäusejäger zu gute. Auch die abgeernteten Getreidefelder liefern dem Milan reichlich Nahrung, sofern die Stoppeln kurz gehalten werden. Hochstoppelig abgemähte Rapsfelder verursachen bei den Vögeln Verletzungen die teilweise tödlich sein können.

Das Gelände zwischen dem Sumpfohrener Bolzplatz und der Mülldeponie gehört zu einem der Lieblingsgebiete des Milans. Dort ziehen die Vögel seit Jahren ihren Nachwuchs groß und sorgen dafür, dass die Mäuse auf Wiesen und Feldern rapide dezimiert werden. Die Nistplätze in hohen Pappeln in der Nähe der Mülldeponie erleichterten es ihnen bislang, ihre Jungen zu füttern.

Die hohe Dichte der Milanpopulation in Sumpfohren – dort leben die meisten Milane innerhalb Baden-Württembergs – zeigt auch, dass dort die Landschaft noch weitgehend intakt ist und die Landwirtschaft noch relativ extensiv betrieben wird. Dort finden die Vögel also noch ausreichend Nahrung auf den Feldern. Das 42 000 Hektar große Vogelschutzgebiet der Baar kann somit wegen der guten Lebensbedingungen noch wachsende Bestände an Rot- und Schwarzmilanen vorweisen. Was die Vogelfreunde jubeln lässt, hat aber auch schon für Verdruss in den Gemeinderäten der Baar-Kommunen gesorgt. Denn weil die Baar-Landschaft inzwischen im Rahmen des EU-Programms "Natura 2000" auch ein Schutzgebiet für die selten gewordenen Vögel geworden ist, erschwert dies das Wachsen der Städte in die unberührte Fläche. Stets müssen bei der Ausweisung von neuen Baugebieten auch die Vogelschützer gehört werden. Ein "prominentes Opfer" hat diese Entwicklung bereits: Das für das Städtedreieck geplante Interkommunale Gewerbegebiet an der Mülldeponie mit vorgesehenen 52 Hektar musste vorerst aus dem Flächennutzungsplan herausgenommen werden.

Autor: bz