Diskussion über extensive Weiden

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 24. August 2018

Ibach

Naturpark-Arbeitsgruppe lädt zur Exkursion nach Ibach ein / Gespräch über die aktuelle Fördersituation.

IBACH/SÜDSCHWARZWALD (BZ). Auf großes Interesse stieß eine von der Naturpark-Arbeitsgruppe Landwirtschaft initiierte Exkursion. Fast 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen an der Begehung der bewirtschafteten Fläche von Landwirt Clemens Speicher in Ibach teil, um die aktuelle Fördersituation dieser und anderer Bergweiden zu diskutieren. Das berichtet die Geschäftsstelle des Naturparks Südschwarzwald

Die schwierige Fördersituation der extensiven Bergweiden sollte bei diesem Termin erörtert und an die Verantwortlichen der Verwaltung herangetragen werden. Vertreterinnen und Vertreter aus der aktiven Landwirtschaft, des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes, des Naturschutzes, der Landschaftserhaltungsverbände, der Fachverwaltungen der Landkreise und des Regierungspräsidiums Freiburg sowie der Landesministerien für Umwelt und für den Ländlichen Raum waren vertreten.

Nachdem die Problematik bereits von verschiedenen Stellen an die Landespolitik herangetragen worden war, hat die Naturpark-Arbeitsgruppe Landwirtschaft das Thema aufgegriffen und gemeinsam mit dem Naturpark Südschwarzwald und dem Biosphärengebiet Schwarzwald eine Exkursion organisiert, um anhand einer typischen Weide vor Ort über die Förderproblematik extensiver Bergweiden im Südschwarzwald zu informieren und diskutieren.

Weidberge sind Alleinstellungsmerkmal

In ihren Grußworten betonten der Waldshuter Landrat Dr. Martin Kistler, der Geschäftsführer des Naturparks Südschwarzwald, Roland Schöttle, der Dezernent für den Ländlichen Raum des Landkreises Lörrach, Michael Kauffmann sowie der stellvertretende Geschäftsführer des Biosphärengebietes Schwarzwald, Christoph Huber, die extensive Bewirtschaftung von Bergweiden als eine zentrale Aufgabe zum Erhalt der traditionellen Kulturlandschaft im Naturpark Südschwarzwald. Der hohe ökologische Wert der artenreichen Weidberge wurde herausgestellt. Sie sind das Alleinstellungsmerkmal des durch die UNESCO anerkannten Biosphärengebietes, was nicht zuletzt ihre hohe Bedeutung für den Tourismus unterstreicht.

Diese besonders hochwertige Kulturlandschaft ist letztlich vor allem das Werk der dort Weidevieh haltenden Landwirte. Auf der nahe beim Stall gelegenen Bergweide erläuterte Landwirt Clemens Speicher die Herausforderungen bei der Pflege der Fläche und die Fragen, die sich im Zusammenhang mit der Förderung stellen. Die aktuelle Förderpraktik führe zu vielen Unsicherheiten, und es besteht die Gefahr, dass sich zunehmend Landwirte aus der Bewirtschaftung der Bergweiden zurückziehen. Mehrere Fachleute äußerten sich in kurzen Stellungnahmen zu der Problemlage, unter anderem aus der Sicht des EU-Kontrollwesens, der Landkreisverwaltung, des Naturschutzes und des Bauernverbandes.

Zurück beim Stall wurde eine Diskussionsrunde angeschlossen, in der unter anderem Hans Page vom Landschaftserhaltungsverband Emmendingen und der Vorsitzende des Landesnaturschutzverbandes, Dr. Gerhard Bronner, zu Wort kamen. Beide hinterfragten die engen Ermessensspielräume bei der Förderung in Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern, die denselben EU-Vorgaben unterliegen. Eine Änderung der Fördersituation solle möglichst schon vor Beginn der kommenden EU-Förderperiode greifen.

Der Vizepräsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes, Bernhard Bolkart, berichtete von einzelnen Landwirten, die entgegen ihrer fachlichen Überzeugung diverse Flächen übermäßig pflegen, um dem Risiko einer Fördermittelrückzahlung zu entgehen.

Der Landtagsabgeordnete Reinhold Pix (Grüne), sagte seine Unterstützung auf politischer Ebene zu, etwa in den entsprechenden Fachausschüssen des Landtags. Die Mehrzahl der Exkursionsteilnehmenden sah einen dringenden Handlungsbedarf, für eine auf die Diversität der Extensivweiden zugeschnittene Förderung.

Damit die charakteristischen extensiven Bergweiden im Südschwarzwald auch für die kommende Generation gesichert sind, benötigten Landwirte praktikable und zuverlässige Programme. Die Weide sei als Gesamtheit mit ihrer regionaltypischen Vielfalt zu betrachten und als solche zu fördern.