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24. November 2016 18:25 Uhr

Herbstakademie der European Charity University

Appell für mehr gegenseitigen Respekt

"Heimat kann mehr werden, wenn man sie teilt" war eine der Schlussfolgerungen der 9. Herbstakademie der European Charity University (ECU) im Christophorus-Jugendwerk in Oberrimsingen. "Ethik und Beheimatung" lautete das Thema.

  1. Norbert Scheiwe (Zweiter von links) und Eckhart Knab (rechts) überreichten den ECU-Förderpreis an den Breisacher Helferkreis. Foto: Joshua Kocher

Auf dem Podium ging es vor allem um die Frage, wie wir selbst und all die Menschen mit Fluchterfahrung Europa zu unserer Heimat machen können.

Viele Beispiele mangelnder Ethik
Im Vordergrund stand erneut die ethische Betrachtung des Prozesses, auf die die ECU hohen Wert legt. Dies beweist unter anderem das Motto der Initiative: "Die Zukunft ist ethisch". Gerade im Jahr 2016 habe es massenhaft Beispiele mangelnder Ethik gegeben, stellte Eckhart Knab in seiner Eingangsrede fest. Ein sexistischer, populistischer Aggressor stehe an der Spitze der Vereinigten Staaten, Volkswagen betrüge Massen von Autokäufern der Verzerrung von Abgaswerten und die Fifa beweise ihre Bestechlichkeit und Abhängigkeit von den großen Geldgebern.

Migration ist biblischer Normalfall
Das große Thema der Herbstakademie lautete jedoch "Ethik und Beheimatung". Dazu war Mathea Schneider vom Caritasverband eingeladen worden, die einen ausführlichen Vortrag vorbereitet hatte. Sie wies darauf hin, dass jeder Mensch in einer rasch sich verändernden Zeit eine Heimat benötige, in der er sich verwurzelt fühlt.

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Die zahlreichen Kriege vertreiben unzählige Menschen aus ihrer Heimat und zwingen sie zur Suche nach einem neuen Ort des (Über-)Lebens. Die großen Flüchtlingscamps stünden als Symbol des Entwurzelten, so Schneider.

Die Motivation zur Beheimatung von Geflüchteten zieht die Caritas aus der Bibel, in der Migration quasi als Normalfall beschrieben wird. Schon Jesus wurde als Säugling auf der Flucht vor König Herodes zum Flüchtlingskind. Die Bibel sei ein Buch der Migranten und derer, die eine Heimat suchen und auch finden.

Kritisch sieht Schneider, dass die Zustimmung zur Willkommenskultur zunehmend sinkt. "Wir sollten endlich begreifen, dass wir ein Einwanderungsland sind", forderte die Vorsitzende des Caritasverbandes.



Tiefgründige Diskussion
Mehrere der eingeladenen Experten bezogen in der tiefgründigen Diskussion Stellung dazu. Manuela Schmitt, stellvertretende Schulleiterin der Hugo-Höfler-Realschule, Wilfried Telkämper, von 1989 bis 1992 Vizepräsident des Europarlaments, und Jakob Schwille vom Breisacher Jugendwerk versuchten zu klären, ob die vorhandenen Strukturen das "Wir schaffen das" der Bundeskanzlerin auch umsetzen können.

Besonders die Teilnehmer der Diskussion, die direkten Kontakt zu Kindern mit Fluchterfahrung haben, sahen die Zukunft positiv. Die Motivation der Jugendlichen sei unbestritten. "Wir brauchen jedoch viel Zeit, die wir nicht haben", sagte Schwille.

Er wies aber auf die großen pädagogischen Erfolge hin, wenn Flüchtlinge auf Einheimische treffen. Schneider hält für ein Gelingen das Zusammenwirken der unterschiedlichen Institutionen für unabdingbar.

Telkämper führte an, dass die Entwicklungen in Europa dem Trend des Zusammenrückens eher entgegenwirken würden. "Für Europa muss immer wieder gekämpft werden", sagte der Politiker. Mit der Grundlage des gegenseitigen Respekts sieht er eine Chance, andere Kulturen kennen und schätzen zu lernen.

Förderpreis für den Helferkreis
Einen wichtigen Beitrag leisten die vielen lokalen Zusammenschlüsse und Initiativen. Im Rahmen der Herbstakademie wurde der Breisacher Helferkreis für Flüchtlinge mit dem ECU-Förderpreis 2016 ausgezeichnet.

Mit diesem Preis werden Projekte prämiert, die sich wissenschaftlich oder – wie der Helferkreis – konkret im Alltag um die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen bemühen. Der Einsatz der unzähligen ehrenamtlichen Helfer trage dazu bei, Heimat in die Praxis umzusetzen, sagte Norbert Scheiwe, Vorsitzender der ECU.

Autor: jko