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10. November 2011 15:28 Uhr

Badenova fördert Ihringer Pilotprojekt

Biokohle aus dem Weinberg

Über eine Förderung aus dem Innovationsfonds der Badenova dürfen sich der Ihringer Winzer Michael Kiss und die Wissenschaftlerin Carola Holweg freuen.

  1. Ein mobiles Pyrolyse-Gerät zur Erzeugung von Bio-Kohle haben Michael Kiss und Carola Holweg gemeinsam entwickelt. Foto: Kai Kricheldorff

IHRINGEN.Der regionale Energieversorger zeichnete die Idee zum Einsatz eines mobilen Pyrolyse-Gerätes zur Verwertung von Rodungsmaterial aus, das im Weinbau und der Landschaftspflege anfällt. Anfang nächsten Jahres soll das Gerät erstmals im Kaiserstuhl getestet werden.

Kiss, der auch ein Lohnunternehmen für Wein- und Obstbau betreibt, mit dem er am südlichen Oberrhein und bis in die Bodensee-Region im Einsatz ist, und die Forstwissenschaftlerin und promovierte Biologin aus Freiburg begegneten sich im vergangenen Jahr beim Kreis-Landwirtschaftstag des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV). Dort hatte Kiss einen Häcksler vorgestellt, den er selbst entwickelt hat. Die Maschine nimmt gerodete Rebstöcke vom Feld auf, zerkleinert sie zu Holzschnitzeln und bunkert das Material.

Gemeinsam kamen Kiss und Holweg auf die Idee, den Holzabfall, der bei Stockrodungen entsteht – je Hektar Rebfläche sind es zwischen 12 und 15 Kubikmeter –, durch Umwandlung in Biokohle effizienter zu nutzen. Für das angewendete Pyrolyseverfahren, bei dem die Holzabfälle unter Entzug von Sauerstoff verkohlen, waren bislang größere stationäre Anlagen nötig.

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Im Wein- und Obstbau und stellenweise auch in der Landschaftspflege fallen im Gegensatz zum Forst, auf die Fläche gerechnet, viel geringere Mengen marktfähigen Schnittguts an. Um Transportkosten zu sparen, wird es deshalb oft gleich an Ort und Stelle verbrannt. Viel sinnvoller wäre es aber, die verwertbare Biomasse gleich in mobilen Pyrolyseanlagen zu verkohlen, dachten sich der Ihringer Winzer und die Wissenschaftlerin. Die mit unterschiedlichem Schnittgut erzeugte Biokohle hätte nur noch 25 bis 30 Prozent des Volumens des ursprünglichen Materials. Entsprechend günstiger könnten die Kosten für den Abtransport ausfallen.

Auch könnte die Biokohle als hochwertiges Heizmaterial verwendet oder alternativ direkt im Weinberg wieder in den Boden eingearbeitet werden – als Nährstoff- und Wasserspeicher, wodurch Kohlendioxyd länger gebunden und das Auswaschen des Bodens verzögert wird. Das Einmischen der Biokohle könnte dazu beitragen, die Bodenstruktur insgesamt zu verbessern.

Carola Holweg suchte nach kompakten und geländefähigen Pyrolyse-Geräten und fand über das Internet einen Tüftler in Australien, der eine erste mobile Verkohlungsanlage zum Einsatz auf abgeernteten Zuckerrohrfeldern entwickelt hatte. Mit ihm nahm die Wissenschaftlerin, die als Projektentwicklerin für ökologische Landentwicklung selbstständig arbeitet, Kontakt auf, was nun in den ersten Anwendungstest in Europa mündet.

"Carbo Mob" nennen Michael Kiss und Carola Holweg das Gerät, mit Blick auf den Kohlenstoff (Carbon) und seinen flexiblen Einsatz im Gelände. Im Frühjahr will der Australier mit dem Prototyp seiner mobilen Verkohlungsanlage an den Kaiserstuhl reisen.

"Die bei unserem Pilotversuch entstehende Biokohle wird die Hochschule in Offenburg auf ihre Umweltverträglichkeit prüfen und eine Heizwertanalyse vornehmen. Entspricht alles den Normen, kann über den weiteren Einsatz des Gerätes nachgedacht werden", schildert Holweg den weiteren Projektfortgang.

"Es gibt vielerlei Einsatzmöglichkeiten für die Mini-Pyrolyse", ist sich Winzer Michael Kiss sicher. Beim Weinbau denkt er dabei auch an Zwangsrodungen aufgrund von Pflanzenkrankheiten wie dem Esca-Pilz. Auch bei der Böschungs- und Landschaftspflege sowie im Obstbau und zur Pflege von Streuobstwiesen könnte das Verfahren wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll eingesetzt werden.

Davon konnten der Ihringer Winzer und seine Projektpartnerin aus Freiburg auch die Badenova überzeugen. Die Hälfte der Entwicklungskosten für den "Carbo-Mob" gibt das Energieversorgungsunternehmen aus seinem Innovationsfonds dazu. Mit diesem Fonds fördert Badenova Pilotprojekte, die beim Klima- und Wasserschutz Neuland betreten. Knapp eine Million Euro hat der Energieversorger in diesem Jahr bereitgestellt, um damit 14 Projekte in seinem Einzugsgebiet zu fördern. Der "Carbo-Mob" gehört dazu.

Kontakt und Info: http://www.badenova.de/energiewende Mail: c.holweg@freenet.de

Autor: Kai Kricheldorff