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19. Juli 2017

Ein Rebhisli fürs Museum

Neues Exponat in der Ausstellung des Naturzentrums Kaiserstuhl.

  1. Eugen Dieterle, Ehrenpräsident des Schwarzwaldvereins (rechts), übergab Birgit Sütterlin und Reinhold Treiber vom Naturzentrum Kaiserstuhl in Ihringen für das neue Rebhisli einen Scheck. Foto: Kai Kricheldorff

IHRINGEN. Ein neues, sehenswertes Ausstellungsstück bietet seit Neuestem das Naturzentrum Kaiserstuhl in Ihringen. Es ist ein wiederaufgebautes, altes Rebhisli. Früher standen sie zu hunderten in den Reben am Kaiserstuhl. Heute dämmern nur noch wenige in einem Dornröschenschlaf vor sich hin, weil sie eigentlich niemand mehr braucht.

Die Idee, ein Rebhisli im Naturzentrum aufzustellen, hatte Birgit Sütterlin, die langjährige Mitarbeiterin der Einrichtung. Ihr Mann, Roland Birmele, hat es mit viel Hingabe und Kenntnis aus Holzlatten abgerissener Rebhisli zusammengebaut, die er zuvor sorgfältig restaurierte. Teilweise verwendete er dabei auch alte Nägel und Beschläge. "Rebhisli sind Kulturelemente, die unsere Landschaft prägen, und die Aufstellung eines Exemplars im Naturzentrum dokumentiert Besuchern und Gästen unsere Verbundenheit mit dem Weinbau", sagte Zentrumsleiter Reinhold Treiber bei der Einweihung. Er erinnerte daran, dass einstmals auf den kleinteiligen Rebgrundstücken auf der Ihringer Flur um die 1000 Rebhisli standen und somit Teil der typischen Weinbaulandschaft waren. Heute sind seiner Schätzung nach davon allenfalls noch etwas mehr als 100 Rebhisli in den Ihringer Weinbergen verblieben. Viele von ihnen sind in einem baufälligen und abrissreifen Zustand, weil sie seit Jahrzehnten kaum noch genutzt werden.

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Einstmals waren Rebhisli für die Winzer unentbehrliche Aufbewahrungsorte für Arbeitsgeräte. Außerdem boten sie ihnen Schutz vor Regen und Gewitter, vor allem aber dienten die unter den kleinen Häuschen in den Boden eingelassenen Zisternen als Wassersammler. Erst nachdem die Vollmotorisierung im Weinbau Einzug gehalten hat, ließ die Bedeutung der Hütten nach.

Auch an Nistkästen wurde gedacht
Wie die alten Originale versah Birgit Sütterlin das Exemplar im Naturzentrum mit Nistkästen. Auch an den Wiedehopf als Höhlenbrüter wurde gedacht. Sein Nistkasten im Innenraum erreicht er durch ein außen angebrachtes Flugloch. Das Rebhisli im Naturzentrum ist barrierefrei und bietet Informationen über Rebsorten anhand von Blattbeispielen, die als feine Laubsägearbeiten von Blinden ertastet werden können. Fotos und ein elektronischer Bilderrahmen illustrieren den Ablauf des Weinjahres.

"Einfach super", lobte Ehrenpräsident Eugen Dieterle vom Schwarzwaldverein. Natur und Heimat gehörten zusammen, betonte er, und stellte die ehrenamtlich geleistete Arbeit im Naturzentrum heraus. "Sie ist unbezahlbar und von riesigem ideellem Wert." In seiner Funktion als Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Natur und Kulturlandschaft des Schwarzwaldvereins hatte Dieterle einen Scheck in Höhe von 1500 Euro für das Naturzentrum mitgebracht. Eine schöne Anerkennung für die dort geleistete Arbeit und zugleich eine willkommene Unterstützung für das neueste Schmuckstück der liebevoll gestalteten und interessanten Ausstellung. Zu den Ihringer Rebhisli gibt es übrigens im Naturzentrum ein hübsches Poster, das einige der noch stehenden Hütten zeigt. Interessenten bekommen es für eine geringe Geldspende.

Das Naturzentrum Kaiserstuhl in Ihringen am Rathausplatz ist Montag und Donnerstag von 10 bis 12 Uhr und am Samstag von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

Autor: Kai Kricheldorff