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02. März 2016 18:48 Uhr

Neue Einsatzeinheit zeigt ihr Können

Schnelle Erstversorgung bei großen Unfällen am Kaiserstuhl

Anhand eines fingierten Busunglücks im Bereich der Ihringer Neunlindenschule wurde den interessierten Zuschauern vorgeführt, wie das neue Leistungsmodul für die Erstversorgung funktioniert.

  1. Im Fahrzeug der neuen Rettungseinheit werden die Verletzten erstversorgt. Foto: Julius Wilhelm Steckmeister

  2. Gemeinsam stolz auf das Modul sind (von links) der DRK-Kreisbereitschaftsleiter Dieter Brodmann, der Aufsichtsratsvorsitzende des Kreis-DRK Jürgen Lambert, Landrätin Dorothea Störr-Ritter, DRK-Kreisverbandsvorsitzender Wolfgang Schäfer-Mai und der Vorsitzende des DRK Ihringen, Peter Graf. Foto: Julius Steckmeister

IHRINGEN. Diese Untereinheit des Bevölkerungsschutzes, die sich ausschließlich aus ehrenamtlichen Mitgliedern verschiedener DRK-Ortsvereine zusammensetzt, bildet eine wichtige Ergänzung zu den hauptamtlichen Ersthelfern wie Rettungssanitätern, Notärzten und Feuerwehren.

Simulation eines Ernstfalls
Die Zahl der Verletzten ist noch unklar. Klar ist nur, es sind viele, denn vor der Neunlindenschule hat sich Busunfall ereignet. Wenige hundert Meter entfernt – auf dem Rathausplatz – richtet das neue Modul Erstversorgung eine Patientenablage ein. Zügig werden Feldbetten aufgebaut. Hier wartet ein Teil des Teams auf die Patienten. Diese kommen gleich reihenweise. Ein Feuerwehrmann ist beim Einsatz am "Unfallort" offenbar nur leicht verletzt worden. Zwei "Schüler" allerdings hat es schlimmer erwischt. Eine "Patientin", der ein Glassplitter in der Stirn steckt, wird direkt im ebenfalls neuen Fahrzeug der neuen Sanitätseinsatzgruppe erstversorgt. Alles läuft mit ruhiger Routine. Schließlich trifft auch Notarzt Christoph Galli von der Rettungsstelle Breisach ein. Er wird die Schwere der der Verletzungen einschätzen und entscheiden, welcher Patient wie in welche Klinik gebracht wird.

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Viele Zuschauer
All dies und vieles mehr erläutert Ihringens DRK-Ortsvereinsvorsitzender Peter Graf über Mikrofon zahlreichen Zuschauern vor dem Rathaus – darunter Landrätin Dorothea Störr-Ritter, die Bürgermeister Benjamin Bohn, Martin Obert, Oliver Rein und Christian Riesterer, die DRK-Funktionäre Jürgen Lambert und Wolfgang Schäfer-Mai, DRK-Kreisbereitschaftsleiter Dieter Brodmann sowie etliche Mitglieder der DRK-Ortsvereine und der Freiwilligen Feuerwehren der Raumschaft – denn glücklicherweise handelt es sich bei dem vermeintlichen Unglück nur um eine Übung. Die Bilder vom Zugunglück in Ihringen im September 2014 sind jedoch sicher so manchem Gast noch gegenwärtig.

Zwei Einheiten im Kreis
Während sich Helfer, Patienten und Publikum an der DRK-Gulaschkanone stärken, die heute Kartoffelsuppe enthält, erläutern die Experten vom DRK, was sich hinter der sperrigen Bezeichnung "Modul Erstversorgung SAN" verbirgt. Bundesweit ist der Bevölkerungsschutz in identische Einsatzeinheiten gegliedert, die wiederum aus fünf Modulen bestehen: Führung, Transport, Betreuung und Logistik, Technik und Sicherheit und eben Erstversorgung. Zwei solcher Kompletteinheiten gibt es im gesamten Landkreis. Das Einsatzgebiet westlicher Kaiserstuhl allerdings, hier sind sich alle Anwesenden einig, sei bisher "gefährlich unterrepräsentiert".



Vorhut für die Rettungsdienste
Also hatten sich Landkreis, DRK-Kreisverband und die betroffenen Gemeinden Bötzingen, Breisach, Eichstetten, Gottenheim, Ihringen, March, Merdingen, Umkirch und Vogtsburg und deren DRK-Ortsvereine zusammengeschlossen. Dabei herausgekommen ist das Modul Erstversorgung mit Standort Ihringen. Es soll in den 13 (Teil-)orten gewährleisten, dass insbesondere bei Unglücksfällen mit vielen Verletzten schnell ausreichend Ersthelfer vor Ort sind. Neben dem Einsatz bei Großschadensereignissen dient die ehrenamtliche Einheit auch als "Vorhut" für die Rettungsdienste, falls diese zum Einsatzzeitpunkt überlastet sind. Rund 50 000 Euro lassen sich der Landkreis und der DRK-Kreisverband die Einsatzeinheit kosten.

Sechs DRK-Ortsvereine sind dabei
"Derzeit sind sechs Ortsvereine mit dabei", sagt Peter Graf. Das restliche halbe Dutzend möchte man natürlich auch noch ins Boot – oder besser ins Modul holen. Hoffnung hat Kreisbereitschaftsleiter Brodmann, denn die neue, wichtige Aufgabe komme gerade beim Nachwuchs gut an. Mindestens 30 Ehrenamtliche mussten sich zunächst rund 100 Fortbildungsstunden absolvieren, um Teil der Sanitätseinsatzgruppe werden zu können. Denn um eine 24-Stunden-Bereitschaft vorhalten zu können, lautet die Regel "ein Drittel": Zehn ausgebildete DRKler braucht das Modul im Einsatzfall. Hinzu kommen regelmäßige gemeinsame Übungen und natürlich laufend Fortbildungen.

"Dies ist ein Beweis für das große ehrenamtliche Engagement in der Bevölkerung. Ohne diese Ergänzung der Profis ginge es nicht", lobte die Landrätin die Schaffung des "wichtigen Meilensteines", der auch ein Zeichen der "guten Zusammenarbeit im Landkreis" sei. "Gerade in der Fläche stößt man manchmal an Grenzen, die durch die Hauptamtlichen nicht mehr zu schließen sind", freute sich der Aufsichtsratsvorsitzende des DRK-Kreisverbandes, Jürgen Lambert, über das Ende des "weißen Flecks" auf der Erstversorgungslandkarte.

Autor: Julius Steckmeister