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25. Juni 2014

SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel wirbt für neues Jagdgesetz

Mit den Augen und Ohren der Jäger

  1. Claus Schmiedel (links) tauscht sich in Ihringen mit Experten über Wald, Wild und Naturschutz aus. Foto: Julius Steckmeister

IHRINGEN. Auf wenig Gegenliebe, ja teils auf heftigen Protest stößt in der Jägerschaft seit seiner Verabschiedung im April der Entwurf zur Novelle des Jagdgesetzes, das – geht es nach der grün-roten Landesregierung – künftig Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) heißen soll. Viele Jäger fürchten, nicht zuletzt durch den Einsatz von Wildtierbeauftragten, um ihre jägerliche Freiheit. Um Vorurteile zu entkräften und Ängste zu nehmen, hatte jetzt SPD-Landtagsabgeordneter Claus Schmiedel zum Gespräch im Grünen geladen.

"Naturschutz und Jagd gehören zusammen", verkündete Schmiedel auch gleich zur Begrüßung vor der beeindruckenden Kulisse von Rheinebene und Schwarzwald, die sich am Ihringer Lenzenberg den Vertretern von Jagd, Naturschutz, Forst und Forschung bot. Am Vormittag war Schmiedel bereits auf den Spuren von Auerhuhn und Rotwild gewandelt. Der Nachmittag sollte neben dem Gespräch über das JWMG vor allem Luchs, Wolf und Wildkatze gewidmet werden.

Über das Wiederauftauchen der Letzteren im Gebiet zwischen Breisach und Weisweil referierte Sabrina Streif von der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg (FVA). 21 Wildkatzen hatte man innerhalb eines Forschungsprojektes gefangen und mit Sendern versehen, um herauszufinden, wie sich das seit 1912 in Baden-Württemberg als ausgestorben geltende Raubtier in der Kulturlandschaft zurechtfindet. Dabei hob Streif hervor, dass das aufwendige Wildkatzenmonitoring ohne die ebenso enge wie ausgezeichnete Zusammenarbeit mit den Jägern gar nicht zu leisten sei. Bemerkenswert sei, dass es die Katze vom Zeitpunkt ihres nachweislichen Wiederauftauchens 2006 bis heute nicht in den Schwarzwald geschafft habe. Dies, so führte Martin Strein von der FVA aus, könne mit den Barrieren zwischen Kaiserstuhl und Schwarzwald, namentlich der A 5 sowie der Rheintalbahn in Zusammenhang stehen. Anhand des Beispiels B 31 erläuterte Strein die Zielsetzung des Generalwildwegeplanes (siehe Infobox). Eine weitere Zerschneidung der Kulturlandschaft schade der Wildkatze, lautete das Fazit der Wissenschaftler.

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Auf die Aufgabe des vom Landesjagdverband als Bürokratie und Bevormundung empfundenen Wildtierbeauftragten ging Rudolf Suchant von der FVA ein. Der Beauftragte sei grundsätzlich nichts Neues, so Suchant, auch bisher hätten Informationen gebündelt und unter Jägerschaft, Naturschutz und Behörden ausgetauscht beziehungsweise weitergegeben werden müssen. Dies sei bisher ehrenamtlich erfolgt und meist von den Revierleitern nebenbei übernommen worden. Mit den steigenden Anforderungen an das Wildtiermanagement sei dies aber schlicht nicht mehr auf ehrenamtlicher Basis zu leisten, betonte auch Claus Schmiedel. "Die Jäger sind die Augen und Ohren des Wildtierbeauftragten."

Um die Wiederansiedlung von Wolf und Luchs, die sowohl in Jäger- als auch in Landwirtschaftskreisen nicht unumstritten ist, ging es mit den Referenten Ulrich Schraml, Forstwissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg, und Michael Herdtfelder (FVA) von der AG Luchs und Wolf. Während sich der Luchs zwar schon im Schwarzwald hat blicken lassen, jedoch nur als durchziehendes Einzeltier, und er nur über eine gezielte Wiederansiedlung wieder beheimatet werden könnte, sei die Rückkehr des Wolfes auch ohne Hilfe des Menschen nur noch eine Frage der Zeit, so die Wissenschaftler.

Im Gegensatz zur Wildkatze würde vor allem der Jäger Luchs als Konkurrent des Jägers Mensch "stark polarisieren". Insbesondere gegen die gezielte Wiederansiedlung von Luchsen spricht sich denn auch ein Großteil der Jäger aus. Auch hier, betonten die beiden Raubtierforscher, sei es wichtig, "eine gute Diskussionsgrundlage und gemeinsames Verständnis zu schaffen, auch wenn nicht alle Akteure das gleiche wollen". Auch gäbe es im Augenblick in Baden-Württemberg noch deutlich mehr Luchsexperten als Luchse selbst, beruhigte Michael Herdtfelder.

Generalwildwegeplan

Hauptziel des Generalwildwegeplans (GWP), der in Baden-Württemberg seit 2007 von einer Arbeitsgruppe der Ministerien für Verkehr und Infrastruktur sowie für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz mit der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg erarbeitet wird, ist die europaweit geforderte Sicherung der Artenvielfalt (Biodiversität) innerhalb der vom Menschen geprägten Kulturlandschaft durch Biotopvernetzung. Um das Ziel zu erreichen, sollen Wiedervernetzungsabschnitte geschaffen werden. Diese Großräume sollen Wildtieren einen möglichst gefahrlosen Wechsel von Kultur- in Naturlandschaft erlauben. In der durch Verkehrsachsen, Siedlungen und industriell genutzte Flächen zerteilten Landschaft ist dies vielerorts nicht mehr möglich, was sich an der Häufung von Wildunfällen zeigen kann. Zunächst werden die Landschaft auf Verkehrs- und Siedlungsbarrieren untersucht und etwa durch Sender die Wege verschiedener Tierarten nachvollzogen. Aufgrund der Beobachtungen haben sich für Baden-Württemberg bereits zwölf prioritäre Wiedervernetzungsabschnitte ergeben. In der Folge wird nun untersucht, wo und wie viele Querungshilfen – Grünbrücken oder Tunnels – angelegt werden müssten und wann bei Eingriffen wie dem Bau von Straßen, Schienen oder Industrieanlagen auf bestehende Wildkorridore Rücksicht genommen werden sollte. Konflikte zwischen den Interessengruppen und die Frage der Finanzierung der Bauwerke stellen die größten Schwierigkeiten bei der GWP-Umsetzung dar.  

Autor: just

Autor: Julius Steckmeister