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08. August 2012 09:13 Uhr

Schweiz

In Basel dürfen Fahrrad-Rikschas Taxistandplätze nutzen

Neuerdings ist es Fahrrad-Rikschas in Basel gestattet, auf Taxistandplätzen auf Kundschaft zu warten. Die Stadt möchte so Mobilität fördern – und die Umwelt schützen.

  1. Rikschas kriegen ein paar mehr Rechte in Basel. Foto: ----

BASEL (sda/BZ)). Basel sieht sich gerne als die Fahrradstadt der Schweiz und schon seit Mitte der 1970er-Jahre ist die Förderung des Radverkehrs offizielles Regierungsprogramm. Mit elektrischen Fahrradrikschas aber tat sich der Kanton bislang eher schwer. Zwar fiel bereits im Februar 2011 der Startschuss für ein Basler Velotaxi; dennoch kam das Projekt nur langsam voran – auch weil die gesetzlichen Grundlagen (noch) nicht richtig passen. Künftig sind die Gefährte nun aber versuchsweise auch an Basler Taxistandplätzen zugelassen, wie das Justiz- und Sicherheitsdepartements gestern mitteilte.

Rikscha-Taxiunternehmen sind inzwischen in einigen Schweizer Großstädten unterwegs – in Bern, Zürich, Chur und auch andere europäische Städte kennen mittlerweile Rikscha-Angebote. Erstmals aufgefallen waren die modernen, westlichen im Stile der E-Bikes mit einem Elektromotor nachgerüsteten Rikschas an der Expo 02 im Schweizerischen Neuenburg, die einen Schwerpunkt innovative Mobilitätskonzepte hatte. In Basel, der Stadt der öffentlichen Verkehrsmittel, der S-Bahnen und Trams, der Busse und Fähren, in der die Autoquote der einheimischen Bevölkerung so niedrig ist, wie in wenigen anderen Städten dieser Größe, ließ sich das Konzept bislang aber eher schwer in die Praxis umsetzen.

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Zwar startete im Februar 2011 ein Pionierprojekt mit politischer Unterstützung insbesondere der Grünen – von der früheren Nationalrätin Anita Lachenmeier-Thüring bis zum Großrat Jürg Stöcklin, die das Velotaxi "als Markstein für nachhaltige Mobilität" werteten – und ermöglicht vom Ökoenergie-Fonds der Industriellen Werke Basel (IWB). Doch selbst eine verkehrsrechtliche Umdefinition im Juni 2011, nach der Velotaxis nicht mehr zum Motorisierten Individualverkehr (MIV) gezählt wurden sondern zum Langsamverkehr, brachte keinen rechten Schwung. Denn es fehlte die gesetzliche "Absegnung", dass Velotaxis so wie die motorisierten Taxen auf öffentlichem Raum und auf Kundschaft warten dürfen, schreibt der Pionier Tilman Schor auf der Homepage von Velotaxi Basel. "Wir hoffen in Basel darum auf eine Totalrevision des Allmendgesetzes (NöRG), welche einer Mobilität, die nicht stinkt und nicht lärmt, mehr Raum zugesteht, als dies in der gängigen Praxis der Fall ist", schreibt Schor dort weiter.

Ganz so weit gehen die Behörden nun zwar nicht, aber sie kommen den E-Rikscha-Verfechtern ein weiteres Stück entgegen. Denn neuerdings sind diese an Basler Taxistandplätzen zugelassen. Die erste Bewilligung sei für Donnerstag eingelöst worden, wie das Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) mitteilte. Rikschataxis würden gerne von Touristen für "Sightseeing"-Touren gebucht, begründet das Departement das laut der Agentur sda weiter. Teils seien diese aber unzulässig auf Gehwegen gestanden, was zu Klagen geführt habe, war im JSD zu erfahren. Darum sei nun einer Anfrage zur Benutzung der bestehenden Taxistandplätze entsprochen worden. Ende der Saison soll Bilanz des vorerst bis zum Jahresende befristeten Versuchs gezogen werden.

Wie viele Rikschas derzeit in Basel unterwegs sind, konnte das SJD nicht angeben. Taxiplatz-Konzessionen, die jeweils 100 Franken kosten, seien der anfragenden Firma für drei Rikschas erteilt worden; davon sei die Erste nun eingelöst worden. Eine Konkurrenzfirma – das Rikscha Taxi Schweiz, bislang schon in Bern und Zürich aktiv, ist ebenfalls in Basel präsent – habe gleichviele zugute; deren Interesse sei aber noch offen. Verkehrsrechtlich gelten die pedalbetriebenen, aber mit Elektromotor unterstützten Rikschas mit seitlich offener Plastikkarosserie laut einer Sprecherin des im Departement zuständigen Taxibüros als dreirädrige Kleinmotorräder. Sie brauchen gelbe Nummernschilder und dürfen nur 25 Kilometer in der Stunde fahren – da sind manche Radfahrer schneller. Bei einem Nettogewicht von 272 Kilo samt Fahrer (75 Kilo Normgewicht) dürfen sie auf ihren zwei Passagierplätzen eine Nutzlast von maximal 158 Kilo transportieren. Als Taxis seien sie aber nicht klassifiziert, so die Sprecherin weiter, denn dann dürften sie auch gemischte Busspuren benutzen.

Die Idee, ein Velotaxi auf die Beine zu stellen, entwickelte Tilman Schor nach seiner Indienreise. Der 1968 geborene Initiant des Velotaxis besuchte das Gymnasium in Aarau und bildete sich an der Fachhochschule Nordwestschweiz zum visuellen Gestalter aus. Er wohnt inzwischen seit 1993er im Basler Stadtteil "Gundeli" südlich des Bahnhofs SBB.

Autor: sda/BZ