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05. Juni 2012

Noch einmal den Venustransit erleben

Der Inzlinger Alexander von Behaim-Schwartzbach fiebert auf ein seltenes astronomisches Ereignis hin.

  1. Alexander von Behaim-Schwartzbach in seinem Wohnzimmer. Links von ihm ist eine Nachbildung des Globus’, den sein Vorfahre Martin Behaim in Auftrag gegeben hat. Foto: Max Schuler

INZLINGEN. "Ein Kind, das nach 2012 auf die Welt kommt, wird in seinem Leben nie einen Venustransit erleben", sagt Alexander von Behaim-Schwartzbach. Deswegen ist die Nacht vom 5. auf den 6. Juni etwas ganz besonderes für den 70-Jährigen aus Inzlingen. Die Venus wird die Erde auf der Innenbahn überholen und als dunkler Fleck vor der grellen Sonne zu sehen sein. Von Behaim-Schwartzbach weiß, welche Strapazen einige Menschen auf sich genommen haben, um das zu sehen.

Wer den Venustransit von Inzlingen aus beobachten möchte, muss früh aufstehen. Beginnen wird der Transit in der Nacht. Wenn die Sonne im Dreiländereck aufgeht, ist die Venus nur noch vor dem äußeren Rand der Sonne zu sehen. Laut der amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa ist der Transit in Deutschland am 6. Juni spätestens um sieben Uhr früh vorbei. "Wer einen besseren Blick haben möchte, muss in die Mongolei fahren", sagt von Behaim-Schwartzbach.

Der pensionierte Lehrer beschäftigt sich mit der Erforschung vergangener Venustransite. Für Wissenschaftler ist dieses astronomische Ereignis so interessant, weil mit ihm die Entfernung von der Erde zur Sonne gemessen werden kann, sagt von Behaim-Schwartzbach. Besonders fasziniert hat ihn die Geschichte des französischen Astronomen Guillaume Joseph Hyacinthe Jean Baptiste Le Gentil, der im 18. Jahrhundert loszog, um wissenschaftliche Daten über Venustransite zu sammeln − und dabei auf tragisch-komische Weise scheiterte, wie von Behaim-Schwartzbach erzählt. Beim ersten Transit sei dem Franzosen ein Krieg mit den Engländern dazwischen gekommen, ein andermal hätten Wolken die freie Sicht auf den Himmel vereitelt. Dazu muss man wissen, dass Venustransite in einem Abstand von acht Jahren aufeinander folgen, dann aber wieder mehr als 100 Jahre ausbleiben, erläutert von Behaim-Schwartzbach. Der Franzose wäre nach dem zweiten gescheiterten Versuch und einer Reise voller Entbehrungen heimgekehrt, wo sie ihn bereits für tot erklärt hätten. Aus Sicht des Inzlingers ein "betrübliches" Ende für eine Geschichte.

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Von Behaim-Schwartzbach kann heute den Venustransit sehen, ohne sich in Lebensgefahr zu bringen. Auf einem großformatigen Bildschirm in seinem Arbeitszimmer simuliert er mittels eines Computerprogramms den Verlauf der Venus. Der Planet wandert entlang des Bildschirms und wirkt dabei nicht viel größer als ein Stecknadelkopf angesichts der gigantischen Ausmaße der Sonne. Den tatsächlichen Transit will sich von Behaim-Schwartzbach unter freiem Himmel auf einem Berg in der Nähe von Inzlingen anschauen.

Astronomie ist nicht das einzige Thema, das den Lehrer im Ruhestand interessiert. Der Bücherschrank in seinem Arbeitszimmer ist bis oben vollgestellt. An der Realschule in Rheinfelden unterrichtete er früher Englisch und Erdkunde. Das Interesse an Geographie hat eine lange Tradition in seiner Familie. Von Behaim-Schwartzbach ist ein Nachfahre von Martin Behaim. Dieser hat einst einen Globus in Auftrag gegeben, der sich heute im Besitz des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg befindet. Dort wird er als "ältester Globus der Welt" geführt. Ein originalgetreuer Nachbau dieses Stücks befindet sich in der Terrassenwohnung in Inzlingen. Dort wohnt Alexander von Behaim-Schwartzbach zusammen mit seiner Frau Marie -Louise seit 40 Jahren. Der Globus lässt sich drehen, auch wenn er selbst schon museumsreif wirkt − den Kontinent Amerika trägt er, wie sein Original, noch nicht auf der Hülle. Er war seinerzeit noch unentdeckt.

Über seinen Ahnen schreibt von Behaim-Schwartzbach gerade eine Biografie. Zum Thema Astronomie hat er bereits ein Buch veröffentlicht, es heißt "Das Weltall meinen Kindern erklären". Dem Weltall gilt in diesen Tagen die volle Aufmerksamkeit des zweifachen Großvaters. Schließlich ist es für ihn die letzte Gelegenheit, einen Venustransit zu sehen.

VENUSTRANSIT

Wer den Venustransit am frühen Morgen des 6. Juni beobachten möchte, sollte dies nicht ohne eine abgedunkelte Spezialbrille tun. Die gibt es laut von Behaim-Schwartzbach bei jedem Optiker. Der Inzlinger veröffentlicht Beiträge zu astronomischen Themen unter http://www.bodensee-sternwarte.de  

Autor: max

Autor: Max Schuler