Jetzt lodern die Feuer im Herd

Sylvia Sredniawa

Von Sylvia Sredniawa

Mo, 16. Oktober 2017

Waldkirch

Kachelofenmeister Niklas Cybulla ist aus Burundi zurückgekehrt, wo er mit Freunden ein Küchenprojekt realisierte.

WALDKIRCH (sre). Das alte Küchenhaus bestand aus Wellblech, hatte Feuerstellen auf dem Boden und keinen Kamin, so dass die Frauen im Rauch hockten – das neue Küchenhaus ist gemauert und hat nun einen Kachelofen mit drei Feuerstellen sowie einen Rauchabzug: Innerhalb von zwei Wochen verbesserten Handwerker aus dem Nordschwarzwald sowie Kachelofenmeister Niklas Cybulla aus Waldkirch bei einem freiwilligen Auslandseinsatz die Lebenssituation für ein Kinderheim in Burundi erheblich.

Es war eine eindrucksvolle Reise, berichtet Niklas Cybulla der BZ nach seiner Rückkehr. Auf dem Hinweg seien die Handwerker bei der etwa ganztägigen Autofahrt von ihrem Flugankunftsort in Ruanda nach Gitega in Burundi etwa zehnmal von der Polizei kontrolliert worden und mussten sich persönlich im Gesundheitsministerium vorstellen.

Der Empfang im Kinderheim, 45 Autominuten von Gitega entfernt, sei dagegen sehr herzlich gewesen. Manche Kinder hätten den Deutschen gar nicht mehr von der Seite weichen wollen. "Aus dem Dorf schauten zum Teil Hunderte Kinder über den Zaun oder kletterten auf Bäume, um zu beobachten, was wir machen."

Im Küchenhaus mauerten die Badener drei moderne Kochstellen, auf denen nun für die Heimkinder und ihre Betreuerinnen warmes Essen gekocht werden kann. Im Nachbarraum entstand eine Spül- und Waschküche mit Wasser aus der neu verlegten Leitung. Außerdem erledigten die Gäste diverse Reparaturarbeiten auf dem Gelände des Kinderheims.

Für Verwunderung sorgten die Männer nicht nur aufgrund ihrer weißen Haut und haarigen Beine – solche Menschen hatten die Kinder hier noch nie gesehen. Sondern Verblüffung lösten sie auch damit aus, dass sie sogar dann ungebremst weiter arbeiteten und Material über den Hof transportierten, wenn draußen – in der beginnenden Regenzeit – Platzregen niederging. Alle anderen verschwanden schlagartig im Haus, erzählt der 29-Jährige. Insbesondere die Frauen aus dem Kinderheim, die hier ohnehin alle Arbeiten erledigten vom Holzhacken (im Rock und mit Flipflops an den Füßen!), über das Kochen und Waschen bis zur Kinderbetreuung, hätten sich sehr für die handwerklichen Arbeiten interessiert und eine von ihnen fast nebenbei von den Männern das Fliesenlegen beigebracht bekommen.

Vereinzelt seien die Handwerker aus Deutschland auch von einem Trupp "mäßig motivierter" Männer unterstützt worden, erzählt Cybulla, der vor allem den fleißigen Frauen, die unter schwierigen Bedingungen in diesem sehr armen Land arbeiten, seinen Respekt zollte.

Bei einem Richtfest wurde ebenso gemeinsam gefeiert wie zur Einweihung der Küche, bei der die Männer aus Waldkirch und Baiersbronn dann auch noch bewiesen, dass in Deutschland nicht nur Frauen kochen können.