Wenn das Gesamtpaket stimmt

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Mi, 06. Dezember 2017

Jugendfußball

Wie der FC Liverpool vor dem Nachwuchsturnier um den PS-Immo-Cup vor Ort die Bedingungen checkt / Spiele am Samstag und Sonntag.

JUGENDFUSSBALL. Die Gesprächsrunde im Lörracher Hotel Heimathafen kommt gerade ein bisschen ins Plaudern. Es ist nur ein unterschwelliges Geräusch, das ins Gebäude dringt. Doch es zieht die Aufmerksamkeit von Andre Powlesland auf sich. Ein Blick aus dem Fenster, er zeigt er mit dem Finger hinaus. Gerade noch sind die sich senkenden Bahnschranken zu erblicken, begleitet vom Warnsignal. Wenn sich junge Leute, die eigentlich noch Kinder sind, draußen bewegen würden ("the outside Movement") "muss das beaufsichtigt werden", sagt Powlesland mit unaufgeregter Stimme. Es ist eine Notiz für den Engländer – eine von vielen.

Powlesland ist Organisationschef der Jugendakademie des FC Liverpool und somit auch Aufsichtsperson, vor allem wenn es auf Reisen geht. Mit der U 13 nimmt der englische Erstligist an der Premiere des PS-Immo-Cups teil, einem Nachwuchsturnier im Lörracher Grütt (Samstag) und in der Weiler Markgrafenhalle (Sonntag). Die Reds werden mit 17 Spielern des Jahrgangs 2005 und fünf Betreuern anreisen. Lange vor dem Turnier hat Powlesland die Rahmenbedingungen begutachtet, der Anforderungskatalog der Premier League ist umfänglich.

"Das ist eine englische Besonderheit", sagt Organisator Dominik Kiesewetter. Vier Seiten mussten die Turnier-Macher ausfüllen. "So detailliert war es noch nie", sagt Kiesewetter, für den der Vor-Ort-Check zusätzlichen Aufwand bedeutet. Doch "für uns ist es viel besser, alles vorher zu klären".

Mögliche Gefahren wie ein Bahnübergang fallen Powlesland sofort auf. Den Überblick hat der über zwei Meter große Ex-Basketball-Profi mit der ruhigen Aura. Powlesland strahlt Vertrauen aus. Vertrauen, dass es in seiner Position braucht. Er trägt die Verantwortung gegenüber Club und Eltern. Sein Besuch "bringt uns nicht aus der Ruhe", sagt Kiesewetter. Denn der Immo-Cup ist nach Sparkassen-Trophy und McDonalds Cup das dritte Nachwuchsturnier, das europäische Top-Clubs ins Dreiländereck lockt. Borussia Dortmund, Juventus Turin oder eben Liverpool – Kiesewetter und Powlesland kennen sich bereits, es ist nicht der erste Besuch des Engländers.

Powlesland: "Haben großes Vertrauen in die Turniere."

Auf das bestehende Netzwerk konnten die Organisatoren vor der Premiere des Cups zurückgreifen. "Wir haben großes Vertrauen in Dominiks Turniere", betont Powlesland. Galatasaray Istanbul, Sporting Lissabon und Paris St. Germain hätten von sich aus angefragt, berichtet Kiesewetter, der es sich erlauben konnte, mangels freier Plätze dem FC Bayern München abzusagen. Kiesewetter setzt auf eine Gleichbehandlung der Vereine. So nimmt der FC Schalke an keinem der drei Turniere teil, weil der Club mit seinem Nachwuchs ins Hotel will, die Organisatoren die deutschsprachigen Vereine aber bei Gasteltern unterbringen wollen.

Für die Nachwuchskicker sind es wichtige Erfahrungen, die sie auf Reisen sammeln. Sie sollen als Mannschaft wachsen, andere Kulturen kennenlernen – auch Spielkulturen: ein wichtiger Faktor für Powlesland und den FCL. Im Nachwuchs treten die Premier-League-Clubs erst ab der U 16 in einer Liga an, bis dahin gibt es Freundschaftsspiele und große Turniere. "Das Gesamtpaket muss stimmen", sagt Powlesland. Spielqualität, Unterkunft, Anfahrtswege, Sicherheit, Versorgung. Um die Kosten für zwölf Teams, Hotel, Verpflegung oder Schiedsrichter zu stemmen, verfügt der Cup über ein Budget – 25 000 Euro laut Kiesewetter.

Nicht immer werden die geforderten Standards erfüllt, doch in Vilnius, Litauen, hat der FCL so gute Erfahrungen gemacht, dass mittlerweile alle Nachwuchsteams dorthin reisen. Das Gesamtpaket überzeugte – das soll es nun auch beim PS-Immo-Cup. "Wir kommen dorthin zurück, wo es uns gefällt", sagt Powlesland. Da ist eine Bahnschranke keine Hürde.

Turnierplan (unter anderem mit dem SC Freiburg und FC Basel) bei Facebook.