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21. August 2014

Kaffee für einen Unbekannten

Heißgetränk als Hilfsprojekt.

Im Freiburger Divina’s Café in der Günterstalstraße 31 kommt es öfter mal vor, dass ein Kunde zwei Kaffees bezahlt, aber nur einen trinkt. Er tut das nicht, weil die Bedienung sich verrechnet hat, sondern aus freien Stücken. "Suspended Coffee", also aufgeschobener Kaffee, heißt die Idee dahinter. Dieser bereits bezahlte Kaffee wird später an Menschen ausgegeben, die eher knapp bei Kasse sind.

Inhaberin Ludevina Milhanas ist im Internet auf die Idee gestoßen und war gleich angetan. "Ich finde den Gedanken toll, so unkompliziert und mit einer kleinen Geste Gutes zu tun – deshalb machen wir seit Januar mit", sagt Milhanas, die das Café seit gut drei Jahren betreibt. Die Kundenresonanz sei positiv. "Es machen unheimlich viele mit, gespendet werden nicht nur Kaffees, sondern auch mal eine Suppe, Kuchen oder Quiche." Den meisten Gästen muss Milhanas das Konzept erklären, einige kennen es aber auch aus Italien. Dort hat der Suspended Coffee seinen Ursprung – genauer in Neapel. Die Neapolitaner bestellen und zahlen schon seit Jahrzehnten einen "Caffè sospeso" für Mitmenschen, die nicht so viel Geld haben. Von Italien aus hat sich das Konzept in Europa und Amerika verbreitet.

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In Freiburg hat sich die Sache nun auch auf Abnehmerseite rumgesprochen. Ein Kunde komme täglich mit dem Rad von der Haid, um sich einen aufgeschobenen Kaffee zu holen. "Am Monatsanfang, wenn er Geld bekommen hat, zahlt er seinen Kaffee, später freut er sich dann über die Großzügigkeit anderer", erzählt Milhanas. Ob jemand tatsächlich bedürftig ist, überprüft die Cafébesitzerin nicht: "Das läuft alles auf Vertrauensbasis. Zudem ist ja die Hemmschwelle hoch, danach zu fragen." Das Angebot richte sich nicht nur an Hartz-IV-Empfänger, sondern generell an Menschen, bei denen es finanziell eng ist. "Auch Alleinerziehende und Studenten haben schon danach gefragt", sagt Milhanas. Sie wünscht sich, dass die Idee mehr Nachahmer findet.

Autor: cfr