Kandelstraße als Todesfalle

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

So, 13. Januar 2019

Waldkirch

Der Sonntag Zu Beginn der Krötenwanderng suchen Waldkircher Naturschützer freiwillige Helfer.

Im März und April geht es wieder los: Dann ist Hauptwanderungszeit für die Erdkröten. Damit sie sicher über die Straße in ihr Laichgewässer kommen, sucht die Ortsverband Waldkirch des Bundes für Umwelt und Naturschutz schon jetzt freiwillige Helfer mit Herz für Amphibien.

Leise rieselt der Schnee und noch ruht der Seerosenteich. Doch wenn ab März die ersten wärmeren und feuchten Tage kommen, kann sich das schlagartig ändern. "Als ich im vergangenen Jahr im April hier war, wuselten im Wasser unübersehbar Erdkröten, Molche und Grasfrösche", erzählt Thomas Kirchübel aus Waldkirch am Rand des kleinen Tümpels, nur wenige Schritte vom Parkplatz am Bruckwald entfernt. Sein Kollege Peter Brenner und Hund Barni stehen neben ihm. Beide Männer sind Biologen und seit Jahren ehrenamtliche Mitglieder des BUND-Ortsverbands Waldkirch mit 150 Mitgliedern, von denen rund zehn Personen regelmäßig aktiv sind. Brenner etwa unterstützt Lehrer in der Grundschule Gutach in der "Arbeitsgemeinschaft Naturforscher" mit Know-how, ein anderer Aufgabenbereich der Gruppe ist der Schutz der städtischen Wiesen.

In der vergangenen Woche starteten Brenner und Kirchübel einen Aufruf, in dem sie die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Krötenwanderung baten. "Wir haben zwar einen kleinen Stamm an Freiwilligen, aber die Zahl der verlässlichen Helfer hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen", erklärt Peter Brenner. Dass in der Stadt im Frühjahr in einem kleinen Teich unterhalb des Krankenhauses viele Amphibien laichen, ist seit Jahrzehnten bekannt: "Ich war überrascht, auch hier unten am Seerosenteich an der Straße zu den Tennisplätzen eine so große Zahl zu finden", sagt Kirchübel und ergänzt: "Unproblematisch sind die Wanderungsaktivitäten der Tiere, die vom Wald her kommen, gefährlich wird es jedoch für alle, die die Kandelstraße überqueren."

Eine S-Kurve formt die Straße hinauf zu Waldkirchs Hausberg nach wenigen Metern, mit hoher Geschwindigkeit fahren Autos an dieser Stelle auch talwärts. Zu schnell für alle Amphibien, die alljährlich auf dem Weg zum Gewässer ihrer Geburt sind und die Straße queren. "Das geschieht in der Dämmerung bis zum frühen Morgen und daher sieht man die Tiere natürlich schlecht", weiß Thomas Kirchübel. Man könne außerdem nie genau absehen, wann die Massenwanderung beginne, denn die Tiere reagierten unmittelbar auf die ersten warmen und feuchten Tage. Im April 2018 hat Kirchübel an sieben Tagen rund 1 000 Tiere auf der Straße zum Kandel eingesammelt, Unterstützer hatte er nicht, da man sich auch mangels flexibler Helfer auf den zweiten Teich am Krankenhaus konzentrierte. "Teils waren sie schon überfahren", fügt der der Biologe mit Bedauern hinzu und berichtet von einem Amphibienzug, der von den Grasfröschen eingeleitet werde, Erdkröten, Molche und Salamander folgten.

Erdkröten sind naturgemäß die langsamsten Wanderer, die Männchen legen mitten auf der Straße strategische Pausen ein, um von den größeren und kräftigeren Weibchen zum Teich getragen zu werden. Tagelang warteten sie manchmal auf die zahlenmäßig rareren Weibchen, die auch bei der Paarung im Wasser umkämpft seien. "Oft ertrinken sie, weil sie im Teich von mehreren Männchen gleichzeitig bedrängt werden", schildert Peter Brenner das Szenario. Nach der Eiablage dauert es rund zwei Monate, bis kleine Frösche sich auf den Rückweg in den Wald machen. Auch dabei sind die winzigen Tiere gefährdet, und, so Brenner, nicht zuletzt durch die Veränderungen ihres Lebensraums und Nahrungsangebots durch Pestizide und Insektizide.

Den Amphibien über die Straße zu helfen, sei also eine sehr wichtige Maßnahme zum Schutz der Tiere und ganz nebenbei noch eine Gelegenheit, sie beim Aufsammeln mit der Hand hautnah kennenzulernen. Ein wenig Geduld müssen die Helfer schon mitbringen: "Wann es losgeht, wissen wir ebenso wenig wie die Dauer der Wanderung. Sie kann sich über vier Wochen hinziehen oder in drei Tagen vorbei sein", sagt Brenner.
Kontakt & Info für freiwillige Helfer: Thomas Kirchübel, Telefon 0 76 81/2 09 20 08 und Peter Brenner, Telefon 076 81/497 89 08, E-Mail peter.j.brenner@web.de