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10. November 2015

"Denkmalschutz könnte sich beweglicher zeigen"

SPD-Ortsverein diskutiert mit Justizminister Rainer Stickelberger und Bürgermeister Christian Renkert Zukunftsperspektiven für Kandern und das Kandertal.

  1. Matineeveranstaltung zur Zukunft des Kandertals mit Justizminister Rainer Stickelberger und die SPD-Landtagskandidatin Birte Könnecke. Foto: Jutta Schütz

KANDERN-WOLLBACH. Nicht nur die Reaktivierung der Kandertalbahn und ein bis zu deren Realisierung deutlich verbesserter ÖPNV werden von den meisten Menschen im Kandertal gewünscht. Auch Lebensqualität und Wohnraum sind gefragt. Der baden-württembergische Justizminister Rainer Stickelberger scheute sich in der Matineeveranstaltung des SPD-Ortsvereins Kandern im Wollbacher Rathaus mit 15 Diskussionsteilnehmern angesichts des Drucks auf den Wohnungsmarkt nicht, an Tabus zu rütteln: "Das Credo vom Flächenverbrauch null müssen wir hinterfragen", stellte er fest.

Die Diskussionsteilnehmer
Die Entwicklungsperspektiven des Kandertals waren Thema der Matinee mit Stickelberger und der SPD-Landtagskandidatin Birte Könnecke. Die Ortsvereinsvertreter der SPD, Gabriele Weber, Detlef Berger und Elisabeth Kurtenbach-Sepp, stellten dabei die derzeitigen Gegebenheiten im Kandertal vor, die Stickelberger als Einheimischer bestens kennt und über die sich Könnecke, die im Hexental wohnt, erkennbar schon einen guten Überblick geschaffen hatte. Antworten auf Fragen aus der Runde gab zudem Kanderns Bürgermeister Christian Renkert.

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Nahverkehr hat Lücken
Ein verbesserter ÖPNV ebenso wie Kindergärten und Schulen sowie Wohnraum werden dringend für den Zuzug aber auch das Bleiben junger Familien und damit den Erhalt auch kleinerer Dörfer gebraucht. "Das Kandertal hat Entwicklungspotential, denn wie der ganze Landkreis ist es Zuzugsgebiet", stellte Stickelberger fest. Dank der freiwilligen Beteiligung der Gemeinden an den Kosten einer Taktverdichtung der Buslinien 2 und 55 hat die Nutzung des ÖPNV Aufwind bekommen. Noch viel besser allerdings sähe es mit einer S-Bahn-Anbindung aus. Vorbild könne hier das Kleine Wiesental sein. Die bessere Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes in der Agglomeration Basel oder in die Region Freiburg mittels eines funktionierenden Nahverkehrs muss auch am Wochenende und in den Abendstunden funktionieren. "Sonst braucht nach wie vor jeder ein Auto, um spät nach Hause – die Lebensmittelläden sind nun auch bis 21 oder 22 Uhr geöffnet, der letzte Bus fährt kurz nach 20 Uhr – oder am Wochenende mal wegzukommen", waren sich Könnecke, Stickelberger, Weber und Berger einig.

S-Bahn-Pläne forcieren
"Der Beitritt zum Zweckverband Regio-S-Bahn ist für Kandern ganz wichtig, um unsere S-Bahn-Pläne zu forcieren", erklärte Renkert. Nur so könne man Gelder für Planungen bekommen. Zudem müsse sich die Kandertalbahn mit einem Leitbild in den Agglomerationsprozess Basel einbringen. "Es wäre gut dabei, würde es von Seiten des Landratsamtes, des Regierungspräsidiums oder des Landes ein Begleitgremium geben, das uns berät", hielten Weber und Renkert fest.

Siedlungsdruck
Der Siedlungsdruck im Tal besonders zwischen Rümmingen und Kandern ist enorm. Deshalb müsse das Wohnungsbauthema forciert werden. Bürgermeister Renkert erinnerte daran, dass dabei aber ein erster Schritt ein zu entwickelndes Leitbild der Gemeinden sei, denn nicht jede wolle um jeden Preis wachsen. Zum Bauen und zum Verkehr müsse es Bedarfsabfragen geben, wozu sich Weber Unterstützung von Fachleuten etwa aus dem Landratsamt wünscht. "Private Investoren für Großvorhaben im Mietwohnungsbau sehe ich nicht, nur die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften", bedauerte Stickelberger.

Pilotregion für ERL-Programm?
Zubauen will man das Kandertal nicht. "Mobilitätsdrehpunkte", von denen aus man andere Orte anfährt, wurden von Gaby Weber ins Spiel gebracht. In Sachen Bebauung waren sich die Diskussionsteilnehmer einig, nicht noch mehr Land den Landwirten "wegzunehmen". "Wir fragen vor allem nach Bauen in zweiter Reihe und dort, wo es große, alte Ökonomiegebäude gibt. Der Denkmalschutz könnte sich manchmal beweglicher zeigen", gab Renkert weiter. Er wünscht sich für Kandern und das Kandertal, dass es Pilotregion bei der Förderung im Entwicklungsprogramm ländlicher Raum (ELR) wird.

ELR-Förderprogramm

Schwerpunktmäßig gibt es Hilfen bei der Gebäudesanierung und Umnutzung im Ortskernbereich, bei der Sicherung der Grundversorgung, bei der Schaffung von Arbeitsplätzen und beim Aufbau und Erhalt von gemeinschaftlichen Aktivitäten. Die Förderung richtet sich an Kommunen wie an gewerbliche Betriebe und Privatpersonen.  

Autor: jut

Autor: Jutta Schütz