Vermittlungsbüro

Erste deutsch-französische Arbeitsagentur eröffnet

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Di, 26. Februar 2013 um 15:55 Uhr

Kehl

Ein neuer Baustein in der deutsch-französischen Zusammenarbeit: In Kehl kümmert sich eine Agentur um Arbeitssuchende auf beiden Seiten der Grenze. Im Moment wird ein recht einseitiger Pendlerverkehr erwartet.

Am Dienstag wurde in Anwesenheit von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und ihrem französischen Amtskollegen Michel Sapin eine entsprechende Rahmenvereinbarung unterzeichnet. Beide Politiker würdigten den neuen Service als wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem europäischen Arbeitsmarkt, auf dem Grenzen bei der Beschäftigung keine Rolle mehr spielen sollen.

Was tun, wenn ich als junger Franzose in Deutschland eine Ausbildung zum Mechatroniker absolvieren will? Was muss ich bei der Bewerbung beachten? Was gilt es, als Deutscher beim Kontakt mit französischen Arbeitgebern zu berücksichtigen? Wie kann ich als deutscher Chef möglichst schnell französische Fachkräfte aus dem grenznahen Raum finden?

Mit solchen Fragen können sich die Betroffenen nun direkt an eine Stelle wenden. In der Kehler Agentur für Arbeit sitzen zwei Deutsche und zwei Franzosen, die auf die Überwindung grenzüberschreitender Schwierigkeiten bei der Beschäftigung spezialisiert sind. Ihre Büros nahe der Kehler Europabrücke liegen direkt nebeneinander, sie haben Zugriff auf die relevanten Daten aus beiden Ländern und die Mitarbeiter können sich sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch gut verständigen. Die Spezialisten haben zudem ein interkulturelles Training hinter sich. Trotz aller Gemeinsamkeiten gibt es große Unterschiede im Leben auf den beiden Seiten des Rheins. Das Kehler Team kann so helfen, unnötige Tritte in den Fettnapf zu vermeiden.

Sucht nun beispielsweise ein deutscher Betrieb nach einer Fachkraft und hat die offene Stelle bei der deutschen Arbeitsagentur gemeldet, kann die Kehler Stelle den Arbeitsplatz einem qualifizierten Franzosen anbieten. Vorausgesetzt er ist beim französischen Pendant der Arbeitsagentur, dem Pôle emploi, als Arbeitssuchender registriert.

Das Kehler Beispiel soll Schule machen: Entlang der deutsch-französischen Grenze vom Saarland bis nach Mulhouse sind weitere neue Vermittlungsstellen geplant. Den Rahmen dafür schafft das am Dienstag unterzeichnete Abkommen. Wobei die Regeln nicht starr sind, sagt Norbert Mattusch von der Stabsstelle für grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Arbeitsagentur in Freiburg. Ziel sei ein gemeinsam getragenes grenzüberschreitendes Vermittlungsangebot mit einheitlichen Standards. Wie dies am Ende umgesetzt wird, werde dann vor Ort entschieden.

Profiteure des neuen Service werden vor allem deutsche Betriebe und französische Arbeitssuchende sein, die im Nachbarland arbeiten wollen. Zwischen Südbaden und dem Elsass besteht bei der Beschäftigung ein deutlicher Unterschied: Das Elsass kämpft mit Arbeitslosenquoten über zehn Prozent, in manchen Gegenden Südbadens herrscht dagegen Vollbeschäftigung. Einige Betriebe auf der deutschen Seite sehen den Fachkräftemangel als ihr derzeit gravierendstes Problem.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen vermied es am Dienstag jedoch, Reformen in Frankreich anzumahnen, welche die Beschäftigungssituation verbessern könnten. "Wir können alle voneinander lernen", sagte die Ministerin lediglich. Junge deutsche Frauen würden beispielsweise gerne in Frankreich arbeiten, weil dort die Betreuungsangebote für Kinder besser seien. Die CDU-Politikerin lobte die Verantwortlichen der neuen Vermittlungsstelle für ihre Pionierarbeit. Der neue Service sei eine weitere Erfolgsgeschichte der deutsch-französischen Freundschaft.

Michel Sapin hob hervor, dass die Rahmenvereinbarung keine Kopfgeburt sei. Das Kehler Büro werde den Menschen tatsächlich helfen. Die Vermittlungsstelle zeige auch, dass die EU nicht die Ursache der Krise sei, sondern vielmehr Franzosen und Deutschen Chancen eröffne.
Pendler

Rund 23 300 Elsässer arbeiten derzeit nach Angaben der Agentur für Arbeit in Baden-Württemberg. In Rheinland-Pfalz und im Saarland sind mittlerweile 23 000 Lothringer beschäftigt. Umgekehrt fahren 1500 deutsche Arbeitnehmer täglich ins Elsass oder nach Lothringen.

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