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22. März 2011 10:22 Uhr

KEHL-GOLDSCHEUER

Offenburger Graffiti-Künstler Stefan Strumbel soll Kirche ausmalen

Vom Graffiti-Künstler zum Kirchenmaler: Stefan Strumbel soll das Kirchenschiff der katholischen Maria-Hilf-Kirche in Kehl-Goldscheuer mit einem Bildprogramm ausgestalten. Seine Pop-Madonna trägt eine Hanauer Tracht.

  1. Bei einem Baustellengottesdienst am Samstag in Maria-Hilf wurde die Gemeinde über den Fortgang der Arbeiten und über Stefan Strumbels Pläne für die Ausmalung informiert Foto: Christoph Breithaupt

  2. Stefan Strumbel Foto: Helmut Seller

Es gibt nur wenige Künstler, die das ganz große Format beherrschen. Doch weil der Offenburger Street Artist Stefan Strumbel von der Straße kommt, wo er mit Graffiti auch schon gewaltige Wände gestaltet und formal bewältigt hat, und von daher mit dem Großformat vertraut ist, hat ihn diese Zeitung auch schon als Michelangelo der Spraydose bezeichnet. Jetzt wird er diesem Ehrentitel noch ein wenig mehr gerecht. Denn so wie einst während der Epoche der Renaissance Künstler wie Michelangelo oder Raffael die Kircheninnenräume mit großartigen Freskenzyklen schmückten, soll jetzt Stefan Strumbel das Kirchenschiff der katholischen Maria-Hilf-Kirche in Kehl-Goldscheuer mit einem Bildprogramm ausgestalten.

Natürlich muss man die Kirche in Dorf lassen. Stefan Strumbel ist nicht Michelangelo, der Beton-Buntglas-Bau der Kirche in Goldscheuer ist nicht die Sixtinische Kapelle und die Malerei hat heute nicht mehr den Anspruch, die christliche Heilsgeschichte den Gläubigen quasi realiter vor Augen zu führen als wären sie bereits im Himmel. Was aber Strumbel und Michelangelo verbindet – abgesehen vom Willen zur Größe –, ist das Provokationspotenzial. Als Papst Julius II. den Auftrag zur Ausmalung der Sixtinischen Kapelle 1508 dem Florentiner Künstler erteilte, waren konservative Kreise schockiert, dass ein formal und inhaltlich so avancierter Künstler seine damals umstrittene Kunst an so prominenter Stelle zeigen durfte.

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Und Strumbels Straßenkunst, die es immer wieder geradezu auf Provokation anlegt, war bisher auch noch nicht in einer Kirche denkbar. Denn der Offenburger arbeitete sich so provokativ wie erfolgreich am Thema "Heimat" ab. Da ist schon einmal ein abgehackter und abfotografierter Schweinsfuß im Großformat zu sehen, in dessen Haut die Worte "Fuck" und "heimat" inklusive Herzchen eintätowiert sind. Sicherlich wird es solche Schockbilder in der Kirche nicht geben. Die Verantwortung Tragenden im erzbischöflichen Bauamt und in Goldscheuer hoffen aber mit der Auftragsvergabe an Strumbel durchaus auf einen Überraschungs-Effekt. Schließlich dürfte er der erste Street Artist sein, der in Deutschland eine Kirche ausmalt.

Stefan Strumbel ist übrigens selbst mit der Idee auf die Gemeinde zugekommen. Pfarrer Thomas Braunstein war begeistert und hat die Gemeinde mit ins Boot geholt. Bei einem Baustellengottesdienst am Samstagabend wurde diese über den Stand der Planung informiert. Demnach soll ein aufgemaltes Gerüst von Horizontal- und Vertikalstreifen die Wände des 60-Jahre-Kirchenraums gliedern. An der Chorwand wird Strumbel eine bestehende plastische Kreuzigungsgruppe mit einem gemalten gotischen Fenster rahmen.

Ursprünglich sollte die Gottesmutter einen Gutacher Bollenhut tragen

Ob die Streifen an den Wänden sich hier zu Strahlen der Kreuzigungsgruppe wandeln werden, braucht noch den Segen des erzbischöflichen Bauamts in Freiburg. Ebenso wie das Hauptwerk Strumbels für Maria-Hilf: eine überlebensgroße Pop-Madonna über der Eingangsempore. Ursprünglich wollte Strumbel sie mit Bollenhut der Gutacher oder Kirnbacher Tracht darstellen, den Strumbel als Markenzeichen für sein Heimatthema geentert hat. Nach Bedenken der Gemeinde hat er das geändert und schlägt jetzt eine Muttergottes in Hanauer Tracht vor. "Wir müssen nur noch den Entwurf sehen, dann machen wir einen Knopf drauf", sagt Anton Bauhofer vom erzbischöflichen Bauamt, der die Zusammenarbeit mit dem Graffiti-Künstler als sehr angenehm beschreibt. Vermutlich Ende Mai soll dann Maria-Hilf im neuen Street-Art-Glanz erstrahlen.

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Autor: Ralf Burgmaier