Keine alltägliche Ausstellung

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Fr, 17. Februar 2017

Gundelfingen

Schüler und Lehrer der Esther-Weber-Schule zeigen Bilder im Gundelfinger Rathausfoyer.

GUNDELFINGEN. Die Werke tragen Titel wie "Lasagne, Forelle oder Schmetterling". Ein Dutzend Schüler der Esther-Weber-Schule, der Sonderschule für Körperbehinderte in Emmendingen-Wasser und ihre Kunstlehrerin Burga Härer, zeigen in den kommenden Wochen im Gundelfinger Rathausfoyer ihre künstlerischen Werke. Am Mittwoch war die Vernissage.

Ulrike Bach hat schon viele Ausstellungen organisiert, von bekannten und weniger bekannten Künstlern oder von Mitgliedern des Kunstvereins. Aber dieses Mal ist es für die Vorsitzende des Kunstvereins Gundelfingen alles anders. Diesmal sind es Kunstwerke von körperbehinderten Kindern und Jugendlichen. "Jeder ist einzigartig und jedes Bild ist ein Unikat", sagte sie. Zur Vernissage kamen außergewöhnlich viele Kunstinteressierte.

"Ich male gerne, denn damit kann ich mich viel besser ausdrücken", erzählte Aleyna (16) am Rande der Ausstellungseröffnung der Presse. Ihr Edelstein-Bild hängt etwas zu hoch für die Rollstuhlfahrerin. "Die Edelsteine sind für mich etwas Besonderes, sie sind ebenso wie die Menschen unterschiedlich." Melike (16) hat ihr Papageien-Bild ausgestellt und Isabella eine feuerrote Collage mit Schmetterlingen, die sie mit einem Nagel eingeritzt hatte. Eines der Ziele des besonderen Kunstunterrichts an der Esther-Weber-Schule in Emmendingen-Wasser ist es, dass die Schüler sich mit den eigenen Werken und denen der anderen auseinandersetzen, verdeutlichte Rektorin Heiderose Rübling in ihrer Ansprache. Eine Ausstellung mit Bildern von Lehrern und Schülern zeuge von einer sehr guten Beziehung, sagte sie. Bürgermeister Raphael Walz war von den Kunstwerken begeistert: "Ich war nie begabt im Kunstunterricht, daher bin ich auch so überrascht, von den gelungenen Bildern."

Die Werke der Kunstlehrerin Burga Härer stellen einen Kontrast zu den Schülerarbeiten dar. Denn sie malt ihre Bilder auf übergroßen Leinwänden. "Ich male gerne so groß", erzählte sie. Bevor sie malt, fotografiert sie die Motive, die ihr aufgefallen sind – meistens in den Ferien. So hat sie eine Schale in der Fondation Cesar Manrique auf Lanzarote, Pagoden in Ubud auf der Insel Bali oder eine Treppe eines Dorfes auf Sardinien aufgenommen. "In den Schulferien habe ich Zeit und dann suche ich je nach Stimmung ein Foto aus meinem Fotoarchiv aus und male es", erzählte sie. Manchmal entstehen so Bilder erst Jahre nach dem Urlaub. "Aber es gibt auch andere, die ich unmittelbar danach male."

Dabei löst sich die Künstlerin von ihren Vorlagen. "Dann sind Farben und der Pinselduktus vorherrschend – und die Situationen, die noch stark in meinem Gedächtnis sind und vor meinem inneren Auge auftauchen", erläuterte Härer. Bei dem Bild "Treppe mit Bougainville" war sie gefühlsmäßig wieder auf Sardinien und erinnerte sich an das kleine Bergdorf Posada. "Mit dem Foto in der linken Hand und mit dem Pinsel in der rechten Hand tauche ich in die Erinnerung ein", gesteht sie. "Dann sitze ich wieder auf der Stufe vor dem einzigen Café des Dorfes und sehe zu den Stufen." Es gibt aber auch wiederkehrende Motive, die sich durch ihre bisherige Malkarriere ziehen: Tische, Fenster und Kronleuchter. "Ich male meinen Tisch in verschiedenen Wohnungen oder Tische in einer St. Pauli-Bar in Hamburg." Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von der Band der Esther-Weber-Schule.

Info: Die Ausstellung kann noch bis zum 15. März im Gundelfinger Rathausfoyer besichtigt werden, von Montag bis Freitag von 8 Uhr bis 18 Uhr.