Fesselnde Kenzinger Stadtgeschichte

Michael Haberer

Von Michael Haberer

Sa, 25. Februar 2012

Kenzingen

MENSCHEN IM BREISGAU: Hans-Jürgen Schrader zeichnet und malt mittelalterliche Ansichten / Ausstellung beim Stadtfest.

KENZINGEN. Hans-Jürgen Schrader zeichnet und malt mittelalterliche Ansichten von Kenzingen. Die minutiös ausgearbeiteten und aquarellierten Tuschezeichnungen geben den baulichen Werdegang der Stadt bis ins 16. Jahrhundert wieder. Sie sollen beim historischen Stadtfest im kommenden Jahr im Rathaus ausgestellt werden.

Schrader ist dem geschichtsinteressierten Publikum im nördlichen Breisgau bekannt. Manche kennen ihn von der Breisgauer Ritterschaft, manche haben ihn schon als Burgvogt und Ruinenführer auf der Lichteneck erlebt. Viele werden auch seine Website über die Breisgauer Burgen kennen. Hier trafen bei Schrader die historischen Interessen mit dem Berufsleben zusammen: Der Mittvierziger aus Kenzingen arbeitet als Netzwerkadministrator. Außerdem hat er ein Faible fürs Zeichnen und Malen. Sein Großvater und sein Vater seien Kunstmaler gewesen und er habe die Liebe zum Malen bislang privat gepflegt, erzählt Schrader.

Öffentlichkeitsarbeit für die Denkmalpflege

Seine verschiedenen Interessen und Begabungen fließen in die zeichnerischen Rekonstruktionen von Kenzingen oder der Kirnburg ein. Die Basis für das mittelalterliche Kenzingen ist das archäologische Stadtkataster, das Bertram Jenisch von der Denkmalpflege erstellt hat. Die Rekonstruktionen sollen auch erläuternde Texte von Jenisch erhalten. Jenisch hat Schrader vor einigen Jahren als ehrenamtlichen Beauftragten für Denkmalpflege geworben und berät Schrader in seinen Rekonstruktionszeichnungen. Jenisch hält sie für stimmige Rekonstruktionen, die durchaus wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. In seinen Augen macht Schrader mit seinen Zeichnungen auch Öffentlichkeitsarbeit für die Denkmalpflege. Schrader wird seine Rekonstruktionen erstmals einem größeren Kreis vorstellen, wenn sich die ehrenamtlich Beauftragten der Denkmalpflege Ende Juni in Malterdingen treffen.

Schrader lässt das mittelalterliche Kenzingen zu verschiedenen Zeitpunkten aus den Grundrissen, den archäologischen Daten und den aus Koordinaten erstellten 3-D-Bildern entstehen. Manche Fakten wie die Größe und die Ausrichtung der Häuser, der Sitz der Üsenberger oder die Bauweise der Kirche geben Quellen wie die Stadtrechtsurkunde und Überreste der mittelalterlichen Bebauung her.

Da es aber aus jener Zeit kein authentisches Bildmaterial gibt und Kenzingen eine lange Geschichte des Umbaus hat, sucht Schrader sich vergleichbare, erhaltene Stadtmauern oder Stadtgebäude, um dem charakteristisch mittelalterlichen Kenzingen so nahe wie möglich zu kommen.

Die Liebe zur Geschichte hat Schrader schon in der Jugend gepackt. Da war es erst einmal die Neugier auf die eigene Familiengeschichte. "Als mein Großvater gestorben war, hatte er ein ganzes Nachttischchen mit Dokumenten hinterlassen", erinnert er sich. Das Erbstück wollte keiner haben. Also nahm er es und setzte die angefangene Forschungstätigkeit seines Opas fort. In der Linie seines Vaters hat er Generationen von Huf- und Waffenschmieden zurückverfolgt. Die Linie seiner Mutter kann er bis zum holländischen Niederadel im späten Mittelalter nachverfolgen.

Als er 1972 nach Kenzingen kam, fesselte ihn bald die Kenzinger Stadtgeschichte. Außerdem besuchte er viele Burgen und richtete 1999 seine Website zu den Burgen in Breisgau ein. Er gehört inzwischen zu einem Netzwerk von Burgführern im Landkreis Emmendingen, die den Menschen Ruinen wie Kirnburg und Lichteneck, die Kastelburg über Waldkirch, die Hochburg über dem Brettenbach und die Ruine Landeck über Mundingen zeigen.

Erkennen, worin der Sinn liegt, eine Burg zu errichten

Sein Spezialgebiet ist die Lichteneck. "Ich schildere den Besuchern das mittelalterliche Geschehen im Breisgau so, dass sie selbst erkennen, worin der Sinn liegt, über Hecklingen eine Burg zu bauen", sagt er zu seinen Burgführungen auf der Lichteneck. Auch für diese Ruine richtete er die Website ihres Fördervereins ein.

Für ihn als Mitglied eines Burgvereins bedeutet das Ruinenleben oft viel Mühe. Das heißt, nicht nur Burgführungen und Präsenz bei den Aktionen der Breisgauer Ritterschaft sind gefragt, sondern auch Steine klopfen und Rasen mähen. Denn seit die Ruine im Jahr 1985 für eine Mark in die Hände von Gerhard Flemming gekommen ist, braucht sie Pflege. Immer wieder finden Rundgänge mit den Denkmalpflegern statt. Danach wissen das kleine Lichteneck-Team und sein Förderverein, wo wieder Hand angelegt werden muss, um das Mauerwerk zu erhalten oder sogar zu rekonstruieren.

Weiteres zu Schraders Wirken ist zu finden unter: http://www.breisgau-burgen.de www.burg-lichteneck.de