Hohe Klangkultur, vielseitiges Repertoire

Helmut Reiner

Von Helmut Reiner

Do, 29. Oktober 2015

Kenzingen

Das Freiburger John Sheppard-Ensemble trat in der Kenzinger Kirche St. Laurentius auf.

KENZINGEN. In der Veranstaltungsreihe "musica serenata" des Ökumenischen Förderkreises Kirchenmusik nimmt die vokale Sakralmusik einen besonderen Stellenwert ein. Das Konzert am Sonntagabend in der katholischen Stadtkirche Sankt Laurentius dürfte ein weiterer Glanzpunkt gewesen sein. Das Freiburger John Sheppard-Ensemble mit seinen hochmotivierten Sängerinnen und Sängern erfüllt alle Wünsche und Voraussetzungen an einen gepflegten chorischen A-cappella-Gesang. Dies schon seit 20 Jahren unter der erfolgreichen Leitung von Bernhard Schmidt, einem Absolventen der Musikhochschule Freiburg. Der Chor zeichnet sich besonders aus durch seine hohen Ansprüche, eine eminente Klangkultur, sein vielseitiges Repertoire, seine Aufgeschlossenheit und Bereitschaft zu unkonventionellen Projekten, die ihm Akzeptanz auf den Konzertpodien und Auszeichnungen bei Wettbewerben einbringen.

Ein erlesenes Jubiläumsprogramm englischer Vokalmusik, vornehmlich aus der Renaissance, von John Sheppard (1515 bis 1558) bestimmte die Atmosphäre des Konzertes. Außerdem waren es Thomas Tallis, William Byrd und weniger bekannte Musiker, die eine polyphone Klangwelt prägten und sich zum klingenden Zeugnis der katholischen Restauration Mary Tudor stilisierten. Sei es das "Vater unser" von Sheppard, die Motette "If ye love me" von Tallis oder das "Ave verum" von William Byrd. Ihre Lob- und Dankgesänge sind tiefe religiöse Bekenntnisse des Glaubens und der Hoffnung, übertragen in das Medium der Musik, die in ihrer Klangsymbolik, den Spannungen und Emotionen auch uns heute noch ansprechen.

Abwechselnd teilten sich Chor und solistisches Ensemble, um die mehrstimmigen Gesänge räumlich zu inszenieren. Immer wieder sorgfältig interpretiert in einer klaren und leichtflüssigen Stimmführung und lupenreinen Intonation.

Die Psalmenvertonungen und hymnischen Deklamationen eines Henry Purcell, Edward Elgar und Edward Bairstow schlugen einen Bogen über die Früh- und Hochromantik bis zur Neuzeit. Sie gaben den Ausführenden, dem Chor und den Solisten reiche Möglichkeiten, ihr ganzes Spektrum an musikalischer und technischer Substanz auszuschöpfen. Ein Beispiel: Die subtile und klangschöne Wiedergabe der Chormusiken von Robert Lucas Pearsall und Ralf Vaughan-Williams und das Geburtstagsgeschenk (2015) des zeitgenössischen Komponisten Ivan Moody, der visionäre Hymnus nach einer Dichtung aus dem 11. Jahrhundert. Ein glanzvoller Ausklang – ein herausragendes Chorerlebnis.