Nähen als Einkommensquelle

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 19. Februar 2018

Kenzingen

Mit Hilfe des Vereins Zarok wurden im Nordirak zwei Nähateliers für Frauen eingeweiht.

NÖRDLICHER BREISGAU (BZ). Die Hilfsorganisation Zarok mit Sitz in Kenzingen hat ihre Projektarbeit im Nordirak mit der Einrichtung von Nähateliers in den Flüchtlingslagern Berceive 1 und Qadya erweitert. Zarok – auf Kurdisch bedeutet das "Kinder" – ist mit einem Sachkostenzuschuss von 5000 Euro beteiligt. Das geht aus einer Pressemitteilung des Vereins hervor.

Zielgruppe des Projekts sind vor allem jesidische Witwen, die in den Camps leben. "Ihre Ehemänner wurden beim Überfall des sogenannten Islamischen Staates auf die Dörfer im Sindjargebirge getötet. Oft sind die Frauen für mehrere Kinder verantwortlich", heißt es in einer Pressemitteilung von Zarok. "Viele der Frauen haben selbst Gewalt erlebt, waren in Gefangenschaft des IS, oft sind weitere Kinder noch immer verschollen oder tot."

Jeweils 15 Frauen soll eine Nähausbildung neue Lebensperspektiven eröffnen, Zuversicht und Selbstvertrauen geben. Die Witwen lernen, neue Bekleidung anzufertigen, Reparatur- und Änderungsarbeiten vorzunehmen sowie ihre Produkte selbständig zu vermarkten. Im Idealfall können sie bei Projektende den eigenen Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder möglichst vollständig wieder selbst erwirtschaften.

Kooperationspartner bei diesem Projekt ist die Schweizer Hilfsorganisation Khaima, mit der Zarok schon länger zusammenarbeitet. Khaima steuert 10 000 Euro bei. Die lokale Shingal Organization of Social Development (SOSD) ist ebenfalls wieder mit an Bord und für die Organisation vor Ort, die Personalauswahl und Anleitung sowie die Kooperation mit der jeweiligen Campleitung zuständig. Weiterhin beteiligt sich die presbyterianische Kirche im Irak und den Vereinigten Staaten mit einem Beitrag von 5000 Euro.

Einen Monat lang erhalten die Frauen in den Nähateliers täglich Nähunterricht durch eine ausgebildete Schneiderin. Weitere fünf Monate werden sie bei ihrer Arbeit begleitet. Stoffe und Ersatzteile werden zur Verfügung gestellt, wenn notwendig Reparaturen vorgenommen und Unterstützung beim Verkauf der Produkte gegeben. "Damit die neue Einkommensquelle dauerhaft bleibt, unterschreiben die Frauen, dass sie weder die Nähmaschine noch den kleinen zur Verfügung gestellten Generator verkaufen", heißt es in der Mitteilung von Zarok. Die Nähmaschinen wurden in der Türkei gekauft und haben sich laut dem Verein bereits bei anderen Projekten bewährt. Der zur Verfügung gestellte Generator ermöglicht es den Frauen, die sich tagsüber um ihre Kinder kümmern müssen, auch abends oder nachts zu nähen, wenn der Strom in den Flüchtlingslagern längst abgestellt ist.

Das Camp Berceive 1 wurde im westlichen Nordirak eingerichtet, rund 15 Kilometer entfernt von Zakho an der türkischen Grenze. Hier sind zwei Drittel jesidische und ein Drittel muslimische Flüchtlinge ohne nennenswerte Probleme gemeinsam untergebracht. So lernen und arbeiten in der Nähwerkstatt des Camps auch jesidische und moslemische Witwen zusammen. Qadya Camp liegt in der Nähe, nur zehn Kilometer entfernt vor der Grenzstadt Zakho. Dort leben viele jesidische Frauen aus dem zuerst überfallenen Kocho im Sindjargebirge, die besonders unter Gewalterfahrungen leiden.

"Die 15 Teilnehmerinnen haben bei der Eröffnung des Ateliers ungeschönt über ihre furchtbaren Erlebnisse gesprochen, viel gefragt und sich sehr dankbar für die Unterstützung gezeigt", heißt es in der Mitteilung von Zarok weiter.

Der Verein vergibt keine Geldleistungen an Einzelne, sondern unterstützt Gruppen von Hilfsbedürftigen sowie infrastrukturelle Maßnahmen. Dabei arbeitet er eng mit lokalen Nichtregierungsorganisationen zusammen. "Wir wollen besonders Hilfsbedürftige nachhaltig unterstützen. Die Schaffung neuer Lebensperspektiven für verwitwete Mütter kommt den Kindern dauerhaft zugute", so das Zarok-Vorstandsteam Susanne Dorer und Sigrid Leder-Zuther.

Wer den Verein bei seiner Arbeit unterstützen will, findet Infos zum Verein und den Projekten unter http://www.zarok.de.