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29. Mai 2010

Neues Leben in einer alte Mühle

Claudia Walter und Andreas Geppert wollen sich mit der Restaurierung der Unteren Rostmühle im Bleichtal einen Traum erfüllen.

  1. Die Untere Rostmühle und ihre neuen Eigentümer Andreas Geppert und Claudia Walter. Foto: Michael Haberer

NÖRDLICHER BREISGAU. In einem kleinen Seitental des Bleichbachs liegt die Untere Rostmühle. Bis zum Zweiten Weltkrieg war sie die wichtigste Mühle für die Ottoschwandener Bauern. Doch das Wasser von den Hängen, das für den Mühlenbetrieb ein Segen war, ist für das Anwesen ein lauernder Fluch. Auf einer Mühlen-Tour im Sommer 2008 nannte Reinhold Hämmerle die erhaltenswerte Mühle ein "Geldgrab".

Jüngst besuchte der Naturschutzbeauftragte und Mühlen-Experte Hämmerle diejenigen, die sich seit zwei Jahren der Herausforderung im Quellgebiet des Goldbachs stellen. Claudia Walter und Andreas Geppert haben das Anwesen auf der Gemarkung Freiamt für 150 000 Euro gekauft. Kurz nach dem Kauf wurde es unter Denkmalschutz gestellt. Seitdem verbringen sie ihre Freizeit als Sanierer, Restauratoren und Hobby-Archäologen. Wenn sie zurückrechnen kommen sie auf rund 70 000 Euro, die sie bislang in das Anwesen gesteckt haben.

Die große Herausforderung ist das Wasser. Es fließt nicht nur im Goldbach an dem Anwesen vorbei, zumal der nach heftigen Regenfällen zu einem heftigen Strom werden kann. Nicht umsonst liegt ein Kilometer bachabwärts das Rückhaltebecken Goldbrunnen des Zweckverbandes Hochwasserschutz Bleichbach. Beim Hochwasser 1987 drohten Backhäuschen und Mühlengebäude ganz den Bach hinunter zu gehen. Der damalige Eigentümer musste viel Kraft aufwenden, um das Anwesen wieder halbwegs instand zu setzen.

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Doch das Wasser will nicht nur bei starken Regenfällen beherrscht sein. Auch sonst ist es eine Gefahr für die historischen Gebäude, denn es dringt von allen Seiten auf das Gelände. Deshalb ist das Trockenlegen eine große Herausforderung, auch weil der direkte Wasserweg auf das frühere Mühlenrad mit sechs bis sieben Metern Durchmesser verbaut ist.

Ein Ergebnis des über die Ufer tretenden Baches war das mit Schwemmsand angefüllte Untergeschoss, in dem früher das Getreide gemahlen wurde. Hinzu kamen frühere Arbeiten, um mit Beton etwas Wohnkultur und Stabilität in das Gebäude zu bekommen. Für die neuen Eigentümer hieß dies, über Wochen mit Schaufel und Pickel die alten Mauern und Platten aus Sandstein wieder freizulegen.

Während die beiden von "Sträflingsarbeit" mit rund zehn Bekannten erzählen, geht Claudia Walter an eine Schublade. Sie schnappt eine Maus und setzt sie vor die Tür. Keine Scheu zeigten die Mäuse hier draußen, erzählen sie. Wenn gegrillt werde, säßen sie daneben und schauten zu, ob etwas für sie abfällt. Ein Schwarm Ameisen und ihre Königin hielten das Bett in einem Zimmer im Dachgeschoss für eine annehmbare Unterkunft.

Dennoch: "Für uns ist das Anwesen ein Geschenk der Götter", sagt Claudia Walter. Zum Dasein zwischen Viechern und altem Gemäuer gehört auch, dass sie seit Anbeginn dem Springkraut auf dem Gelände den Garaus macht. Denn die Kräuter sollen wieder eine Chance haben.

Eine große Arbeit sei es gewesen, einen Gewölbekeller am Hang über der Mühle wieder herzurichten, berichten die beiden. Dabei war der Kampf gegen die herein drückenden Wurzeln und das Hieven der teils bis zu 250 Kilo schweren Sandsteinplatten ein Kraftakt. Der Keller, der zu einem früheren Ökonomiegebäude gehört, bietet auch den einzigen Datierungsbeweis: In einen Schlussstein ist die Jahreszahl 1861 eingemeißelt.

Doch die Mühle dürfte weit älter sein. Der Zuschnitt der Räume im Wohngebäude passe laut Experten in das 18. Jahrhundert, sagt Geppert. Zudem steht auf einer Mauer ein mächtiger Buchsbaum, der auf 300 Jahre geschätzt wird. Während der Freilegungsarbeiten fänden sich auch immer wieder behauene Sandsteine und Ansätze von Mauern. Alles wird gesammelt.

"Ein Haus stirbt, wenn man nicht darin wohnt"

Das Charakteristische des Denkmals solle wieder zum Vorschein kommen, sagen beide. Um eine Vorstellung zu bekommen, wie die Charakteristik aussehen könnte, besuchten sie Ausstellungsorte wie die Vogtsbauernhöfe. Beide hoffen, schon am nächsten Mühlentag den rekonstruierbaren Teil der Mühle präsentieren zu können.

Wie es mit dem Leben im Denkmal weiter geht, ist bislang in der Schwebe. Derzeit besteht nur ein Wohnrecht an den Wochenenden. "Ein Haus stirbt, wenn man nicht darin wohnt", meint Claudia Walter. Hämmerle glaubt nicht, dass die Behörden ein dauerndes Wohnrecht verweigern. Auch in den Amtsstuben werde gesehen, wie viel Engagement in die Erhaltung eines solchen Kulturgutes gesteckt werden müsse.

Derzeit arbeiten die Eigentümer an einen Plan, wie das Untergeschoss als Seminarraum genutzt werden könne. Geppert selbst gibt als Pferde-Fachmann Seminare. Ihre drei Haflinger, die derzeit bei einem Freiämter Bauern im Stall stehen, sollen in den Ställen der Mühle untergebracht werden. Doch für Seminare und Dusche braucht es Strom, den es derzeit in der Mühle nicht gibt. An der Frage, wie sie die Energie bekommen, knobeln die beiden noch. Der für Privatfahrzeuge gesperrte Weg hin zur Mühle sei kein Problem: Die Gäste würden eben mit dem Pferdewagen abgeholt. Doch erst gilt es, die Behörden ins Boot zu holen, damit der Traum auch wahr werden kann.

Autor: Michael Haberer