Neuigkeiten aus dem Nordirak

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 14. Juni 2018

Kenzingen

Kenzinger Hilfsorganisation Zarok verzeichnet Erfolge in von ihr mitfinanzierten Projekten in Flüchtlingslagern.

KENZINGEN (BZ). Knapp vier Monate ist es her, dass mit Hilfe der Hilfsorganisation Zarok, die ihren Sitz in Kenzingen hat, Nähateliers für jesidische Witwen im nordirakischen Flüchtlingslager Qadya Camp eingerichtet wurden. Nun gibt es ermutigende Neuigkeiten von dem Projekt: Nach dem Abschluss ihrer Nähausbildung, die von Zarok mitfinanziert wurde, haben die Frauen einen Großauftrag ergattert. Und auch aus dem "Haven Center" in Sharya im Nordirak gibt es gute Nachrichten.

Die frisch ausgebildeten Näherinnen haben einiges zu tun. Für eine syrisch-kurdische Tanzgruppe fertigen sie sämtliche Kostüme an. Auch Einzelaufträge gehen ein, mehr und mehr Näherinnen werden von privaten Kundinnen direkt beauftragt. Das geht aus einer Pressemitteilung von Zarok hervor.

Eine jesidische Witwe aus dem von Zarok, dem Schweizer Verein Khaima sowie der presbyterianischen Kirche im Nordirak und den USA finanzierten Nähatelier hat außerdem die Initiative ergriffen und im Camp einen kleinen Laden eröffnet. Obwohl er nur eine Plastikplane und wenige Quadratmeter umfasst, können die Frauen dort ihre Arbeiten ausstellen, Kundinnen ihre Werke zeigen, weitere Kontakte knüpfen und ihre neuen Fähigkeiten ausbauen.

Zarok zeigt sich stolz über die Entwicklung des Projektes zu einer "Hilfe zur Selbsthilfe" und übermittelte den Frauen Glückwünsche zu ihrem Mut und ihrer Eigeninitiative. "Kleine Widrigkeiten stören allerdings die weitere gute Entwicklung", so das Vorstandsteam Susanne Dorer und Sigrid Leder-Zuther. Manche Frauen müssten sich gegen Angehörige wehren, die sie dazu drängten, ihre neuen Fähigkeiten kostenlos einzusetzen und ohne Bezahlung zu arbeiten. Bei solchen Dingen unterstütze und berate aktuell noch der vor Ort tätige Mitarbeiter von Khaima.

Gute Neuigkeiten treffen laut Zarok aus dem "Haven Center" in Sharya im Nordirak ein. Die Einrichtung des auf Traumabearbeitung spezialisierten amerikanischen Edge-Institutes (die BZ berichtete) hat nach drei Monaten das Projekt mit den ersten 40 jesidischen Kindern abgeschlossen. Regelmäßig berichtete das Team aus Pädagogen, Psychologen und einer Kunsttherapeutin der Kenzinger Kinderhilfsorganisation vom Fortgang der Arbeit und von den Fortschritten der Kinder. Zarok hatte das dreimonatige Vorhaben mit 8000 Euro finanziert. Angesichts der Erfolge des Projekts will die Hilfsorganisation gemeinsam mit Khaima mit je 4000 Euro eine dreimonatige Projektphase von Juni bis August für weitere 40 Kinder unterstützen.

"Viele quälende Erinnerungen sind bearbeitet worden", berichtet das Zarok-Vorstandsteam. "Die Kinder haben von Tod und Vergewaltigung durch Mitglieder des sogenannten Islamischen Staates erzählt, vom Verkauf auf dem Sklavenmarkt in Raqqa in Syrien, vom Zwang, bei einer Erschießung zusehen zu müssen, oder von einem achtjährigen Mitgefangenen, der kein Wort mehr sprach."

In dem Projekt sollten die Kinder lernen, mit dem Trauma zu leben, Vertrauen in die Zukunft zu gewinnen und sich in der Gemeinschaft wieder aufgehoben zu fühlen. Auch Vergebung, Freundschaft und Frieden waren wichtige Themen. "Die Angehörigen wurden, soweit vorhanden, einbezogen und lernten, Belastungsstörungen bei den Kindern zu erkennen und damit umzugehen", heißt es in der Mitteilung weiter.

Neues Projekt im Qadya Camp gestartet

Bei einem Abschiedsfest zeigten die Kinder, was sie erlebt, erfahren und gemeinsam geschaffen haben. Bilder wurden gezeigt, Tänze vorgeführt, es wurde gesungen und gelacht. Ende Mai gab es für die Kinder noch eine Überraschung. Zarok ermöglichte ihnen und ihren Betreuerinnen und Betreuern einen Besuch im jesidischen Heiligtum Lalish, wo die Kinder in Kontakt mit ihren eigenen kulturellen Wurzeln kommen konnten. Sieben Kinder haben sich in einer speziellen Zeremonie taufen lassen.

Aktuell hat Zarok im Qadya Camp ein weiteres Kooperationsprojekt mit der Frauenorganisation The Lotusflower begonnen. Diese betreibt dort ein Frauenzentrum. Zielgruppe sind jesidische Frauen, die in IS-Gefangenschaft vergewaltigt wurden und nun mit Säuglingen in den kurdischen Flüchtlingslagern leben. "Ihre Situation ist besonders problematisch – ledig, alleinerziehend, traumatisiert werden sie von der Familie und der Zivilgesellschaft wenig bis gar nicht unterstützt, oft sogar gemieden", heißt es in der Mitteilung der Kenzinger Hilfsorganisation.

Mit finanzieller Unterstützung von Zarok haben die Mitarbeiterinnen als ersten Schritt einen "interreligiösen Abend" organisiert. Dabei saßen erstmals von IS-Anhängern vergewaltigte und gefangen gehaltene Jesidinnen mit muslimischen Frauen an einem Tisch und machten einen ersten Schritt zu Verständigung und Frieden. Mehr als 100 Frauen nahmen teil. Derzeit erarbeiten die Mitarbeiterinnen von Lotusflower Vorschläge für ein weiteres Hilfsprojekt für Jesidinnen.

Wer den Verein bei seiner Arbeit unterstützen will, findet Infos zum Verein und den Projekten unter http://www.zarok.de.