Politische Wirren stoppen Hilfe nicht

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 09. Dezember 2017

Kenzingen

Zarok setzt Kinderhilfsprojekt mit Partnern um und hat neue Pläne.

NÖRDLICHER BREISGAU (BZ). "Zarok" bedeutet auf kurdisch "Kinder". Der gleichnamige Verein mit Sitz in Kenzingen hat sich zum Ziel gesetzt, vor allem Flüchtlingskindern zu helfen (die BZ berichtete). Eigentlich wollten zwei Vertreterinnen des Vereins Ende September in den Nordirak reisen, doch die politische Lage ließ das nicht zu. Das geplante Hilfsprojekt im Flüchtlingslager Nergezliya nahe Mossul stoppte dies aber nicht, berichtet Sigrid Leder-Zuther vom Vorstandsteam – dank der Kooperationspartner vor Ort.

Dem Unabhängigkeitsreferendum in der autonomen Region Kurdistan im Nordirakt folgten die Schließung des Luftraums für internationale Flüge und weitere Strafaktionen der Regierung in Bagdad. Tausende Kurdinnen und Kurden flohen aus Kirkuk und Umgebung in westlichere Regionen.

Trotz all dieser politischen Probleme konnte der Kenzinger Verein Zarok die geplanten "kinderfreundlichen Orte" im Flüchtlingslager Nergezliya umsetzen. Möglich wurde dies durch die gute Kooperation mit der lokalen Shingal Organization For Social Development in Dohuk und dem Schweizer Verein Khaima.

Im Lager Nergezliya leben tausende Flüchtlinge aus Mossul, berichtet Zarok. Knapp drei Jahre wütete der sogenannte "Islamische Staat" in der irakischen Stadt. Gewalt, Einschüchterung und Willkür waren allgegenwärtig, die Menschen wurden ohne Unterlass reglementiert und indoktriniert. Inzwischen ist der IS vertrieben, die Stadt fast völlig zerstört.

Wie weit sich die Indoktrination der islamistischen Eiferer dauerhaft in die Köpfe und Seelen der Kinder geschlichen hat und die Erlebnisse die Kinder traumatisiert haben, sei oft schwer einzuschätzen. Hier setzt das gemeinsame Projekt von Zarok, Khaima und der Shingal Organization For Social Development an.

Im Oktober wurden im Flüchtlingscamp zwei große Zelte aufgestellt und für die Kinder zu kinderfreundlichen Orten ausgestattet. Die Kosten der Einrichtung mit insgesamt 9000 Dollar übernahm der Kenzinger Verein. Neben Tischen und Stühlen, verschließbaren Metallkisten und Spielzeug war die Ausstattung mit je einem Generator, der nach Bedarf kühlen oder heizen kann, besonders wichtig. Im Sommer liegen die Temperaturen im Nordirak tagsüber deutlich über 40 Grad Celsius, im nassen Januar um 7 Grad. Außerdem wurde ein kleiner Bürocontainer für die Mitarbeiter aufgestellt und eingerichtet. Kleinere Anschaffungen wie ein Mikrowellengerät und Verbrauchsmaterial wie Papier, Stifte oder Luftballons komplettieren die Einrichtung.

Inzwischen sind die "Child friendly spaces" in Betrieb und werden sehr gut angenommen, freuen sich die Kooperationspartner. Täglich kommen bis zu 200 Kinder. Morgens findet oft eine gemeinsame spielerische Gymnastikrunde statt. Begeistert sind die Kinder, wenn jedes bei gemeinsamen Festen auch mal eine Banane oder eine Orange bekommt. Jeden Tag wird zusammen gespielt, gemalt und gesungen, manchmal auch getanzt.

Das Betreuungsteam für die "Child friendly spaces" wird von der lokalen Shinghal Organization For Social Development gestellt und begleitet. Ausdrücklich wurden auch Frauen geschult, die sich besonders um Mädchen kümmern. Der Schweizer Verein Khaima stellt zwei Psychologinnen, die individuell auf die Bedürfnisse und Nöte der Kinder eingehen. Eltern werden, soweit verfügbar, in die Arbeit einbezogen. Die beiden Psychologinnen haben ein besonderes Augenmerk auf Kinder, die möglicherweise traumatisiert sind. Hier gilt es, einerseits zu entlasten. Auf der anderen Seite biete das Angenommen sein in der Gruppe, das Vorbild des Betreuungsteams und der gewaltfreie Umgang miteinander Raum und Möglichkeit für eine positive Entwicklung der Kinder.

Neues Kooperationsprojekt soll jesidischen Witwen helfen

Der Kenzinger Verein wird weiterhin in engem Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen der lokalen Verbände bleiben, die Entwicklung des Projektes begleiten und bei Bedarf erneut Unterstützung anbieten.

Doch es gibt auch neue Pläne: "Mit dem Schweizer Verein Khaima planen wir als nächstes ein Kooperationsprojekt im Camp Mam Rashan", berichtete Sigrid Leder-Zuther. Dabei geht es um die Unterstützung jesidischer Witwen und ihrer Kinder. Diese Frauen sollen im Flüchtlingslager in Nähkursen befähigt werden, neue Bekleidung anzufertigen sowie Reparatur- und Änderungsarbeiten durchzuführen. Ziel ist es, den Frauen Selbstvertrauen zu geben und sie dabei zu begleiten, den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder wieder selbst erwirtschaften zu können. Zarok wird auch bei diesem Projekt wieder Sachkosten übernehmen, wie die Beschaffung von Stoffballen und Nähmaschinen vor Ort. Prinzip des Vereins bleibe es dabei, Gruppen von Hilfsbedürftigen und infrastrukturelle Maßnahmen zu unterstützen, keine Geldleistungen an Einzelne vorzunehmen und eng mit lokalen Nichtregierungsorganisationen zu kooperieren.

Wer den Verein bei seiner Arbeit unterstützen will, findet Infos zum Verein und den Projekten unter http://www.zarok.de.