"Wäre doch nur Frieden"

Lara Stehlin

Von Lara Stehlin

Fr, 02. November 2018

Kenzingen

Vertreterinnen des Vereins Zarok besuchen Projekte im Nordirak.

KENZINGEN. "Mit wenig Mitteln viel erreichen" – das ist das Motto des Kenzinger Vereins Zarok, der sich für Flüchtlinge im Nordirak einsetzt. Ende Oktober reisten Susanne Dorer und Sigrid Leder-Zuther vom Vorstandsteam dorthin, um bestehende Projekte zu besuchen – und um neue anzustoßen.

"So ein schönes Land – wäre doch nur Frieden", sagt Sigrid Leder-Zuther nach ihrer Rückkehr im Gespräch mit der BZ. Für sie war es die zweite Reise in den Nordirak. Die Reise war eigentlich schon für Herbst 2017 geplant, musste aber verschoben werden. Hintergrund waren Strafmaßnahmen, mit denen der Irak auf das umstrittene kurdische Unabhängigkeitsreferendum reagierte (die BZ berichtete). Dieses Mal habe es keine Probleme bei der Einreise gegeben, erzählt Sigrid Leder-Zuther.

Eine Station auf der Reise: das Domiz Camp II nahe des Örtchens Fadya, in dem syrische Flüchtlinge untergebracht sind. Dort überreichten sie eine Spende von 2000 Euro aus dem Kiwanis-Kinderförderpreis für die Förderung des Women and Girls Empowerment Centers. In dem Camp gibt es unter anderem Englischunterricht für Flüchtlingskinder und Alphabetisierungskurse für Frauen. Kooperationspartner vor Ort ist die lokale Organisation The Lotus Flower. In Zusammenarbeit mit ihr will Zarok in naher Zukunft im Flüchtlingslager Qadya ein Ausbildungsprojekt für jesidische Frauen umsetzen. Die Frauen dort lebten in IS-Gefangenschaft. Das Projekt soll ihnen eine Perspektive bieten und ihnen helfen, ihr Trauma zu überwinden. "Wir geben den Menschen den nötigen Anschub und die nötige Unterstützung zu ihrer Selbstständigkeit", erklärt Sigrid Leder-Zuther. Die Frauen hätten sich dazu entschieden, Ausbildungen zu Bäckerinnen zu machen und einen kleinen Laden zu eröffnen. Die Gesamtkosten von etwas mehr als 8000 Euro übernehmen zur Hälfte Zarok und die International Organization for Migration.

Ein freudiges Wiedersehen gab es im Nähprojekt für jesidische Witwen im Qadya Camp. "Am Straßenrand sahen wir plötzlich den kleinen, uns von Fotos bekannten Laden und wir mussten natürlich sofort anhalten", berichtet Sigrid Leder-Zuther. Die Initiatorin Fadiya habe ihnen viel Dankbarkeit entgegengebracht und sei stolz gewesen, dass sie mit dem Laden ihren Lebensunterhalt nun selbst finanzieren könne.

Dankbarkeit, Freundlichkeit und Offenheit hätten sie überall auf ihrer Reise zu spüren bekommen, sagt Sigrid Leder-Zuther. Zusammen mit Susanne Dorer besuchte sie auch den für Jesiden heiligen Ort Lalish. Sigrid Leder-Zuther erzählt von einer alten Frau, die sie dort auf der Straße angesprochen habe. "Sie erzählte uns, dass neun ihrer Angehörigen schon seit mehreren Jahren in IS-Gefangenschaft sind." Das letzte Mal habe sie 2016 von ihnen gehört, doch sie habe immer noch Hoffnung auf eine Rückkehr. "Es hat mich sehr berührt, dass sie ganz ohne Rachsucht die Hoffnung nicht aufgibt, ihre Familie wiederzusehen. Das ist beeindruckend", sagt Sigrid Leder-Zuther.

Die Zarok-Vertreterinnen besuchten auch ein Traumabearbeitungsprojekt der Panaga Organization for Education in Sharya, mit der Zarok schon seit mehr als einem Jahr zusammenarbeitet. Insgesamt 100 traumatisierte Kinder nahmen laut Zarok bisher an dem Projekt teil. Mit einem zweimonatigen Folgeprojekt sichere nun die Nachhaltigkeit dieser bisherigen Arbeit. Die Begegnung mit den Kindern habe sie beeindruck, sagt Sigrid Leder-Zuther. So auch die Geschichte eines kurdischen Jungen, der lange in IS-Gefangenschaft gelebt habe und nach seiner Befreiung stark traumatisiert gewesen sei. "Er fühlte sich völlig verloren und verlassen", berichtet sie. Durch die Hilfe der Pädagogen und Therapeuten und dank seines Bruders gehe es ihm heute deutlich besser.

Das Vorstandsduo hat die Reise aus eigener Kasse finanziert. Sie seien sehr erfreut über die laufenden Projekte und gespannt auf weitere Kooperationen. "Es war überwältigend, die Errungenschaften zu sehen. Das gibt uns einen Hoffnungsschimmer für die Zukunft der Flüchtlinge im Nordirak", sagt Sigrid Leder-Zuther.

Weitere Infos im Internet unter http://www.zarok.de