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22. Mai 2009

"Wasser und Seife"

DOKUMENTARFILM: Sisyphus ist eine Frau

  1. Monika Schükher Foto: ana radica

Eigentlich, erzählt Monika Schükher, sollte sie nur Weihnachtsaushilfe sein, aber jetzt ist sie 20 Jahre dabei. Fährt morgens um fünf quer durch Hamburg in die winzige, in die Jahre gekommene Wäscherei Utecht. Zerrt schmutzige Laken, Hemden, Tischdecken aus riesigen Säcken, wäscht, mangelt, faltet, packt, sechs harte Stunden lang, am Monatsende bleiben 150 Euro.

Susan Gluths ist mit "Wasser und Seife" eine sehr persönliche Dokumentation geglückt, die sich vor Hans-Christian Schmids demnächst anlaufendem Film "Die wundersame Welt der Waschkraft" über polnische Wäscherinnen nicht verstecken muss. Gluth geht ganz hinein in die Enge zwischen Frau, Maschine und Regal, in die feuchte Hitze, in der die Arbeiterinnen eine erstaunliche Gelassenheit bewahren. Und zeigt, wie die Stundenlohnknechte ihre Würde bewahren: ein warmherziger Film mit sympathischer Musik (Nils Koppruch), der freilich implizit durchaus politisch ist. Denn "das Auge sieht mit", wie Tatjana so schön sagt, wenn sie gewaltige Tücher sorgfältig faltet. Eben.

Und wenn Monika sich frühmorgens mit fast schmerzlich tapferer Heiterkeit wieder auf den immer gleichen Weg macht, kommt man nicht umhin zu denken: Sisyphus ist eine Frau. (Läuft in Freiburg im Apollo, heute um 21.10 Uhr in Anwesenheit von Susan Gluth und Monika Schükher)

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Autor: scho