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18. Oktober 2011
Mit würziger Erzählstimme
Revital Herzog in Kippenheim.
KIPPENHEIM. Revital Herzog gelingt es mit ihrer würzigen Erzählstimme und mit inbrünstig gespielten Melodien auf dem Akkordeon ihre Zuhörer in den Bann zu ziehen. Die Zuhörer tauchen gerne ein in die Welt der Märchenerzählerin, die ihre Gabe von ihrem Großvater hat, der als arabischer Jude an seinem Kiosk in Tel Aviv ebenso seine Zuhörerschaft gefunden hat. Kein Wunder, denn "wir sind doch im Grunde alle miteinander verwandt", sagt die Künstlerin. Und sie möchte ihre Zuhörer frei machen von Klischees und Vorurteilen, von Erwartungen und Befürchtungen. Revital Herzog, die 1984 von Israel nach Deutschland kam und heute bei Reutlingen lebt, vermischt gerne Jüdisches und Arabisches, denn beiden gemeinsam sei der Humor.
Ihre Geschichten sind immer ein Stück weit lehrreich und zeugen zugleich vom vergeblichen Bemühen der Menschen, Ordnung ins Leben zu bringen, denn es ist viel zu facettenreich, als dass es Regeln folgen könnte. Revital Herzog liebt das Zwischenmenschliche, und so ehrt sie ihren Großvater, der sagte: "Ein reines Herz ist viel wichtiger als viel zu wissen." Dessen Geschichten hätten sich manchmal bis zu einer Woche hingezogen, wobei der alte Mann mehrere Geschichten ineinander geflochten und immer wieder neues hinzuerfunden habe. So lange hatte die Geschichtenerzählerin in der Kippenheimer Synagoge nicht Zeit, aber die Zuhörer wären gerne noch etwas weiter in diese so bunt beschriebene Gesellschaft hineingeschlüpft und hätten beinahe noch mit Revital Herzog getanzt, die davon erzählte, wie sich streitende Nachbarn und beleidigte Familienmitglieder gegenüber gestanden haben und von einem Musiker, der immer fröhlicher und virtuoser spielend schließlich alle in einem Kreis tanzend vereint hat.
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Die Geschichtenerzählerin verstand es, den Bogen von Musik und Text zu spannen, weil die Darbietung eine Welt vorführte, die abwechslungsreicher nicht sein könnte. Revital Herzog hat Kunstgeschichte und Folklore an der Universität von Jerusalem studiert und acht Jahre lang mit Beduinen auf dem Sinai gelebt. Dauernd sei sie auf der Suche nach dem Ursprünglichen, das sie mit den Volksweisen auf dem Akkordeon transportiert, mazedonische Tänze oder Klezmermusik, aber auch mit Geschichten, die ihr Menschen in der schwäbischen Wahlheimat erzählen. Diese sich an religiösen Traditionen orientierende Musik steht für das Leben der Künstlerin. Denn ihre Eltern und Großeltern seien eingewanderte Juden gewesen und schon wegen der Entfernung zu Israel nicht streng religiös, wie die Künstlerin mit einem Augenzwinkern berichtete.
Autor: Erika Sieberts
