Konzert

Das Duo Christine Schmid und Gaetano Siino begeistert in Kirchzarten

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Di, 27. Februar 2018

Kirchzarten

Christine Schmid ist in der Rainhofscheune in Kirchzarten-Burg keine Unbekannte. Die solide ausgebildete Sängerin und Akkordeon-Virtuosin gastierte dort schon mehrfach mit einem Chansons-Soloprogramm. Erstmals präsentierte sie nun zusammen mit dem Gitarristen Gaetano Siino unter dem Titel „Chansons goes Gypsy“ einen Liederabend mit Kompositionen entlang einer Achse Paris-Rom-Berlin mit gelegentlichen Abstechern nach Russland und Argentinien.

Als Opener intonierte das Duo den Klassiker "Buona Sera", aber mit einem eigens für die Rainhofscheune geschriebenen deutschen Text, in den auch die besten Wünsche für das Publikum für das laufende Jahr verwoben waren. Die beiden schafften überdies, zwischen die dem Original folgenden Gesangsteile fetzig rockige Instrumentalvariationen der Melodie einzubinden. Dann ein abrupter Stilwechsel in ein Medley russischer Melodien. War Christine Schmids Stimme eben noch in Italien, sprach nun aus ihr die tief gemütvolle russische Seele, aufgelockert zum Schluss mit Anklängen an das allseits bekannte "Kalinka". Der "Tango por una Cabeza" führte nach Argentinien und in diesem heißblütigen Stück wird die ausgeübte Faszination eines Rennpferds auf einen Spielsüchtigen mit der Anziehungskraft einer attraktiven Frau verglichen.

Stück fordert Frauen zum Tanzen auf

Ein selbstgeschriebenes Stück von Christine Schmid erzählte die groteske Geschichte von einer Frau, die einen bestimmten Männerbesuch erwartet, aber ein anderer kommt (angeblich aus eigener Erfahrung geboren). Der bisher kongenial begleitende Gaetano Siino gönnte sich eine Pause und Christine Schmid lud – ganz Chansonette – zu einer Reise nach Paris unter dem naheliegenden Schlüsselwort "l’amour" ein. Varianten von "Ganz Paris träumt von der Liebe" in Deutsch und Französisch mündeten in Edith Piafs Welthit "Non, je ne regrette rien". Frisch gestärkt kehrte Siino zurück und startete mit dem Stück "Abballati" aus seiner sizilianischen Heimat zu einem atemberaubenden Gitarrensolo. Laut Siino fordert das Stück die Frauen zum Tanzen auf und je besser und wilder sie tanzen, desto besser spiele der Gitarrist. Seinem Spiel entsprechend mussten die anwesenden Frauen zumindest in Ermangelung einer Tanzfläche in Gedanken sehr wild getanzt haben.

Ein sehr elegisches Gitarrenstück war den letzten Stunden des großen Tenors Enrico Caruso gewidmet, welche dieser allein in einem Hotel verbracht hatte. Der Meister der sechs Saiten präsentierte dann eine selbstkomponierte "Tarantella", worin er musikalische Einflüsse aus Spanien, Tunesien und Sizilien verarbeitete, sämtlich Länder, in denen dieser schwungvolle Volkstanz heimisch ist.

Wieder komplett, zeigte das Duo seine außerordentliche instrumentale Klasse mit dem Jazztitel "Minor Swing" des Gypsy-Großmeisters Django Reinhardt. Ihre Liebe zu leicht verruchten Eigenkompositionen kündigte Christine Schmidt mit ihrem Hang zu "allem, was verboten ist" an und verifizierte dies mit Verszeilen wie "Ich will immer anders, als es ist" oder "Du bist wie eine Zigarette, von der man länger hätte: Ich zieh an deinem Gefühl!"

Ein Höhepunkt: Das neapolitanische Medley. Mit "O sole mio" legte die Rheinfelderin Christine Schmid Zeugnis ihrer Opernausbildung am Konservatorium in Basel ab, zu dem Gaetano Siino mit spezieller Spielweise auf seiner Gitarre wunderbar die typische neapolitanische Mandolinenbegleitung imitierte. Die Melodienfolge endete mit dem populären Titel "Funiculi Funicula", das im 19. Jahrhundert zur Eröffnung der ehemaligen, später vom Vulkan zerstörten Seilbahn auf den Vesuv komponiert worden war.

Der rasend schnelle "Czardas" von Vittorio Monti führte wieder in die Nähe der Gypsy-Musik und wies einen würdigen Weg zum finalen Potpourri: Eingeleitet von der spanischen Melodie "El Tico" stimmte Christine Schmid das von unzähligen Interpreten aufgenommen "Volare" an. Einzelne Stimmen aus dem Publikum wagten, mindestens im Refrain mitzusingen. Diese Anzahl wuchs deutlich beim Schlussteil, dem Ohrwurm "Marina", den noch viele Anwesende aus ihrer Jugend kannten. Viel Beifall und hochgestimmte Mienen am Schluss – was will man mehr?