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26. März 2014

Dem Fremden näher kommen

Begegnungsabend mit Flüchtlingen aus Gambia im evangelischen Gemeindezentrum in Kirchzarten.

  1. Kontakte mit Flüchtlingen aus Gambia beim Begegnungsabend im evangelischen Gemeindezentrum. Foto: Hartwig Kluge

KIRCHZARTEN. Im evangelischen Gemeindezentrum in Kirchzarten waren am Samstag viele junge Menschen aus Gambia zu Gast. Sie leben in der Flüchtlingsunterkunft im Keltenbuck und versuchen, in Deutschland anzukommen. Das heißt, Kontakte zu Menschen zu finden, einer Arbeit nachgehen zu können und soziale Kontakte zu gestalten.

Die Afrikaner kommen aus einer Kultur, in der Gastfreundschaft eine zentrale und emotionale Bedeutung hat. Auch deshalb ist es den Gastgebern, der Initiative Komm.Welt.Kultur.Dreisamtal, ein großes Anliegen, für alle Flüchtlinge in Kirchzarten eine entsprechende "Willkommenskultur" zu fördern. Gambia ist eine Republik in Westafrika und mit einer Größe von 11 000 Quadratkilometern das kleinste Flächenland Afrikas. Die Bevölkerung beträgt lediglich 1,7 Millionen Einwohner. Es verfügt über einen kleinen Küstenabschnitt am Atlantischen Ozean und wird sonst ganz vom Senegal umschlossen. Laut Warnhinweis vom Auswärtigen Amt werden Reisende dorthin vor Kriminalität und terroristischen Aktivitäten in Form von Anschlägen gewarnt. Deshalb und wegen der drückenden Armut fliehen zunehmend mehr Menschen aus diesem sonst so faszinierenden Land.

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Der Helferkreis hatte zum ersten Bilder- und Begegnungsabend seit seiner Gründung zum Thema "Gambia/Westafrika" eingeladen. Christine Boldt begrüßte mit einer Ansprache die Gäste und stellte die Initiative vor. Ziel der Aktivitäten sei es, im Dreisamtal Berührungsängste vor Menschen aus anderen Kulturen abzubauen und zu einer weltoffenen Gemeinschaft zusammenzuwachsen. In der Flüchtlingsunterkunft in Kirchzarten leben derzeit mehr als 100 Flüchtlinge, darunter etwa 20 Menschen aus Gambia.

Ulrike Fahlbusch und Volkhard Schroth, die zusammen mit Christine Boldt die Initiative gegründet haben, waren mehrfach in Gambia. Sie haben seit einem Jahr regelmäßig Kontakt zu Gambiern, die derzeit im Keltenbuck wohnen. Anschaulich erzählen sie über die Kultur Gambias und erläuterten, aus welchen Gründen die Menschen ihr Heimatland verlassen.

Die Flüchtlinge berichten anschaulich über ihre Beweggründe, ihr Land zu verlassen. Erdrückende Armut, fehlende Zukunftsperspektiven und ein diktatorisches Regime zwingen immer mehr, vor allem junge Menschen, das Land auf abenteuerliche Weise zu verlassen, um in Europa nach einer vermeintlich besseren Zukunft zu suchen. Die Erwartungen ihrer Familien zu Hause stellt die hier Zuflucht Suchenden unter starken psychischen Druck. Hinzu kommt die unsichere Situation hier vor Ort und das ständig präsente Heimweh.

Der Abend gestaltete sich insgesamt sehr lebendig und kommunikativ. Es wurde gebeten, dass sich Einheimische und Flüchtlinge bunt durchmischt zusammensetzen und während des Vortrags gegenseitig übersetzen und so das Gesagte für alle verständlich zu machen. Dadurch gab es ein Sprachengemisch aus Deutsch und Englisch und Mandinka, der Ethnie, der die meisten Bewohner im Keltenbuck angehören. Die Gambier bedankten sich herzlich für die Möglichkeit, sich mitzuteilen und austauschen zu können. Und alle Anwesenden waren sich einig, dass es wichtig sei, noch mehr Menschen für die Situation von Flüchtlingen zu sensibilisieren. Nicht zuletzt wurde die Möglichkeit genutzt, neue Projekte zu besprechen und Vernetzungen zu intensivieren.

Infos über die Aktivitäten der Gruppe unter dem Link komm.dreisamtal auf der Webseite http://www.lebnetz.de

Autor: Hartwig Kluge