Ein netter Taugenichts

Hartwig Kluge

Von Hartwig Kluge

Do, 04. Oktober 2018

Kirchzarten

Marc Hofmann liest in Kirchzarten aus dem Manuskript seines Romans über die Geschichte einer Band.

KIRCHZARTEN. Für Marc Hofmann, Lehrer und Kabarettist, Liedermacher und Autor, sind Auftritte in der Rainhofscheune schon so etwas wie Heimspiele. Bereits fünfmal ist er hier aufgetreten, wie Sibylle Steinweg, Inhaberin des Buchladens, bei ihrer Begrüßung betont. Und die gut gefüllte "Kleine Tenne" zeigt auch, dass er ein treues und fachkundiges Publikum hat.

Marc Hofmann betritt gut gelaunt die Bühne und erläutert erst einmal, was eine Manuskript-Lesung ist ("wer weiß das schon?"). Es soll ein Experiment sein und er möchte austesten, ob der Text seines noch unfertigen neuen Romans auch wirklich "rockt". Der Markt wartet nicht auf die Gattung "Band-Roman", und es sei eher eine Liebhaberei, ohne Geld damit verdienen zu können.

Mit Witz und Charme erzählt Marc Hofmann, dass sein Fragment auch nicht politisch-korrekt sei, wenn er die gesellschaftliche Situation der späten 80er Jahre in der südbadischen Provinz beschreibe. Auch seine Lieder hätten nicht direkt mit dem Roman zu tun.

Der Inhalt ist schnell erzählt: Es ist die Geschichte einer Band in dieser Zeit und in dieser Gegend ganz nach oben und wieder zurück. Richard "Ritchie" Schwarz hat etliche Probleme: Er hat Abitur und weiß nicht, was er damit soll. Sein Elternhaus treibt ihn in den Wahnsinn und sein Plan, das Erlernen der elektrischen Gitarre möge seine erotischen Nöte lindern, stellt sich als Irrtum heraus. Das Spielen in einer Classic-Rock-Coverband macht ihm auch keinen Spaß mehr. Und so kommt er mit seinem Kumpel Chris auf die geniale Idee, eine Rock-Band zu gründen, an der die Musikindustrie nicht vorbei kommt. Wenn es nur so leicht wäre – denn sie müssen erkennen, dass "durch den Staub nicht zwangsläufig ein Weg zu den Sternen führt."

Man spürt Marc Hofmann die Freude an, wenn er von dieser Zeit erzählt. Obwohl er immer wieder einschränkt: "Es kann so gewesen sein – es kann aber auch ganz anders gewesen sein, also Vorsicht." Aber die Beschreibung der verschiedenen Typen und Charaktere der Band sind einfach köstlich und erheiternd. Ebenso die Auseinandersetzung mit den Eltern über die verschiedenen Ernährungsweisen oder sein Dienst als Zivi in einem Altenheim.

Marc Hofmann unterbricht seine Lesung immer wieder mit Liedern zur Gitarre, denen man doch immer einen engen Bezug zum Roman anmerkt. Man spürt auch hier das Multitalent.

Nach der Pause nimmt die Lesung noch mehr Fahrt auf. Besonders wenn er die hoch komplizierte Beziehung zu seiner ersten Freundin Anja erzählt und welche Missgeschicke ihm dabei passieren. Und als Höhepunkt der unrühmliche Abschied, der eher ein Absturz ist, des Bandmitglieds Tex. Das gerät zur Ernüchterung für die ganze Band, und man fühlt sich plötzlich weit entfernt von seinen Rock-Legenden.

Zum Schluss singt Hofmann ein Lied über "Euphorie" und bekommt dafür, wie für die ganze Veranstaltung, viel Beifall.