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24. Juli 2010

Mit Schwung und Showtalent zum Ruhm

Schülerinnen und Schüler des Marie-Curie-Gymnasiums Kirchzarten präsentieren das Musical "Fame" als Gesamtkunstwerk.

KIRCHZARTEN. Die Schule gibt es wirklich. Sie heißt Actor’s Studio, hat ihren Sitz in New York und eine Zweigstelle in Hollywood und ist das Mekka aller jungen Menschen, die sich zum Schauspieler, Sänger, Tänzer berufen fühlen. Dass im Musical alles gleichzeitig möglich, aber auch nur durch harte Arbeit zu erreichen ist, beweist das Musical "Fame", das heute und morgen – nach der gestrigen Premiere – im Kirchzartener Kurhaus aufgeführt wird.

"Hoffentlich entscheiden sie sich für mich...", klingt es sehnsüchtig zu Beginn aus dem Dunkel des Saalhintergrunds, bevor alle die Bühne stürmen und das Spektakel beginnt. Und in der Tat hatten die Schülerinnen und Schüler des Marie-Curie-Gymnasiums Kirchzarten ein Casting mit Vorsingen und Vortanzen zu absolvieren, um herauszufinden, wer für die 13 Hauptrollen geeignet oder besser im Chor, in der Tanzgruppe, in der Technik, als Masken- oder Bühnenbildner aufgehoben sein würde.

Gab es Neid und Missgunst in der Anfangsphase, wenn die Entscheidung für den einen oder anderen Hauptdarsteller gefallen war? "Eigentlich nicht", erinnern sich die für die musikalische Umsetzung Verantwortlichen Christian Geugelin, Chor und Gesamtleitung, Diana Fürst, Dirigentin der 15-köpfigen Band, und Sira Selugga, Piano und für die Soloeinstudierungen zuständig. Sie probten ein Jahr lang mit den jungen Talenten; heraus kam ein Musikgenuss, der sich vor so mancher professionellen Produktion nicht zu verstecken braucht.

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Dabei kam diesem Schulensemble zugute, dass es ein ganzes Schuljahr zur Verfügung hatte im Gegensatz zu der an Bühnen üblichen Probenzeit von vier bis sechs Wochen. Damit erklärt sich auch die traumwandlerische Sicherheit, die durchgängig zu beobachten ist, ohne "Hänger", ohne Text- oder sonstige Unsicherheiten, etwa bei den Szenenwechseln. Das verdankt sich nicht zuletzt der professionellen Hilfe, die sich die Schule für Regie und Schauspiel geholt hat: Margit und Stefan Wiemers vom Freiburger Cargo-Theater, unterstützt von Wiebke Matthei, Lehrerin des Marie-Curie-Gymnasiums. Sie haben es verstanden, aus mehreren Klassen begeisterter, aber nicht durchgängig theatererfahrener Mädchen und Jungen zwischen 14 und 18 Jahren ein echtes Ensemble zu formen.

Allerdings macht es "Fame" den jungen Darstellern leicht, sich in die Thematik des Stücks zu versetzen. Denn hier spielen Schüler Schüler, die viel zu lernen haben – eine allen vertraute Situation. Es gibt Klassen und Lehrer, die ein strenges Regiment führen, es gibt so manches, was ungewohnt ist, und so manchen, der sich zunächst gegen die ihm gestellten Aufgaben auflehnt.

"Was ist der schwerste Beruf auf dieser Welt: Tänzer? Musiker? Schauspieler?" Darüber streiten sich die Sprach- und die Tanzlehrerin zu Beginn. Bis zum Ende wird klar: Es kommt darauf an, seine Anlagen zu entdecken und Erfahrungen und Erlebnisse abrufbar zu machen. Stanislawski lässt grüßen, sowohl im Stück als auch in der nun in Kirchzarten zu erlebenden Inszenierung.

Alle Fähigkeiten und Talente werden genutzt – und am Kirchzartener Gymnasium gibt es erstaunlich viele davon. Jede der aus Film und Fernsehserie bekannten Solorollen - der sensible Nick, die kesse Tessa, die "Julia" Serena und ihr "Romeo" Joe, die beiden Carmens, die süße Tänzerin Iris und ihr widerspenstiger Schüler Tyrone, die aufmüpfige "Keule" und der vielseitige Schlomo – ist optimal besetzt. Glaubhaft und authentisch auch das "Lehrerteam" Frau Schermann, Frau Bell, Herr Steinkopf und Herr Meier.

Aus der South Bronx wird Zarten, aus Staten Island Hinterzarten

Den Text hat Wiebke Matthei umsichtig und humorvoll zum besseren Verständnis ein wenig abgewandelt. So wurde aus der South Bronx Zarten, aus Staten Island Hinterzarten und aus dem im Stück erwähnten Bestseller "Wer die Nachtigall stört" "Homo Faber", der gerade im Deutschunterricht durchgenommen wird. Und die Aktivitäten im Lincoln Center finden nun im Schülerhaus im Dreisamtal statt.

Hoch zu loben ist die 15-köpfige Band mit ihrer Dirigentin Diana Fürst, die sich allen Anforderungen – vom Welthit bis zum Menuett – souverän gewachsen zeigt, die Songs sensibel begleitet und filmmusikreife Übergänge liefert.

Das Bühnenbild unterstützt ebenfalls mit originellen Einfällen den Gesamteindruck von Schwung und Leichtigkeit: Da werden aus umzugskartongroßen Würfeln mal Sitzbänke, mal Wände oder Tore, schnell auf- und wieder abgebaut, so dass keine Zeit mit langwierigem Kulissenschieben vergeudet werden muss.

Große Sorgfalt wurde auch auf Kostüm und Maske verwandt – ein Augenschmaus in jeder "Einstellung". Dem Marie-Curie-Gymnasium ist da ein Gesamtkunstwerk gelungen, dessen Einstudierung gewiss ein riesiger Kraftakt war und bei jeder Aufführung von neuem ist, aber eigentlich zu schade für nur drei Vorstellungen.

Weitere Aufführungen des Musicals "Fame" heute, Samstag und morgen, Sonntag, im Kurhaus Kirchzarten; Beginn um 20 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr.

Autor: Anne Freyer