Talvogtei-Scheunen in Kirchzarten

Neuer Bildungsort und Treffpunkt für Bürger

Gerhard Lück

Von Gerhard Lück

So, 14. Mai 2017 um 17:15 Uhr

Kirchzarten

"Super. Unglaublich. Das ist der Hammer." So überschwänglich brachten Besucher am Wochenende ihre Eindrücke nach einem Rundgang durch die neuen Scheunen in der Talvogtei auf den Punkt.

Samstag und Sonntag hatte die Gemeinde Kirchzarten Mediathek, Verwaltungsscheune und EWK-Gebäude für die Bevölkerung geöffnet. Viele hundert Bürgerinnen und Bürger Kirchzartens und des Dreisamtals nutzten die Gelegenheit für einen Rundgang – und kamen oftmals aus dem Staunen nicht heraus.

Nach mehr als zweijähriger Bauzeit und Investitionen in Höhe von 6,8 Millionen Euro bezogen jetzt das Bürgerbüro und Bauamt sowie die Öffentliche Bücherei neue Räume. Die Energie- und Wasserversorgung Kirchzarten GmbH (EWK) zieht in den nächsten Tagen um. Mit einem Festakt im Bürgersaal im Giebel der Verwaltungsscheune vollzog sich die Einweihung offiziell – umrahmt mit Harfenklängen von Professorin Kirsten Ecke.

Bürgermeister Andreas Hall freute sich, dass nun eine Lücke zwischen dem Rathaus in der Talvogtei und der Fußgängerzone geschlossen sei. Mediathek und Bürgersaal würden zu einem "zentralen Bildungsort und Treffpunkt aller Bürger". Eine wesentliche Erleichterung bei der Finanzierung seien die Zuschüsse von Bund, Land und Kreis gewesen. Sein Dank am bundesweiten Tag der Städtebauförderung galt denn auch der Parlamentarischen Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter, Regierungspräsidentin Barbara Schäfer, Landrätin Dorothea Störr-Ritter und dem Landtagsabgeordneten Reinhold Pix. Auch Hauseigentümer im Sanierungsgebiet hätten von Zuschüssen profitiert.

Die Mediathek, die vom Schulzentrum umgezogen ist, trage ihren Namen zu Recht, sagte Hall, denn neben Büchern und Lernmaterialien biete sie neue Medien an und stelle zeitgemäße Bildschirmarbeitsplätze, auch für Notebooks und Tablets, zur Verfügung. Mit den anwesenden Schulleitern hoffe er, dass die Mediathek rege von Schülern aller Schulen genutzt werde. Stolz sei er, dass alle neuen Gebäude barrierefrei seien – nicht nur für Gehhinderte, sondern auch für Menschen mit Seh- und Hörbehinderung. Den Dank an alle Beteiligten fasste er in Worten an Willi Sutter zusammen: "Mit Ihrem Ideenreichtum, Ihrer Kreativität, Ihrer Erfahrung bei der Sanierung von historischer Bausubstanz, aber auch mit Ihrer Diskussionsleidenschaft und Überzeugungskraft haben Sie uns eng begleitet." Respekt zollte Hall den Nachbarn, die während der Bauzeit viel zu ertragen hatten.

Nach der Haussegnung durch die Pfarrer Mühlherr und Geyer übergab Willi Sutter den Hausschlüssel an den Bürgermeister und sagte: "Dieses Projekt war auch für uns ein Meilenstein." Er freue sich, dass in der hektischen Welt ein Umdenken zum Erhalt von historischer Bausubtanz stattfinde. Staatssekretärin Schwarzelühr-Sutter betonte: "In Kirchzarten ist es gelungen, mit Hilfe des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz ein kulturelles Erbe zu sichern und zwei Scheunen zukunftsträchtig mit moderner Nutzung umzubauen. Kirchzarten erhält sich so seine eigene baukulturelle Identität." Regierungspräsidentin Schäfer lobte die "kommunale Kraftentscheidung auf einem mutigen Weg". Die Mediathek setze Maßstäbe in der Region und darüber hinaus. Landrätin Störr-Ritter stellte fest: "Sie haben den vielen Schätzen im Landkreis einen weiteren Schatz hinzugefügt. Das Gesicht von Kirchzarten ist noch deutlicher geworden und hat Charakter."

Von Besuchern waren viele positive Stimmen zu hören. "Es ist ganz wunderbar, dass die alte Bausubtanz erhalten blieb", sagte Gundel Ganter. Manfred Vögtle, der seinen Enkeln die Mediathek zeigte, sagte, die beiden hätten gleich das Kinderparadies in Beschlag genommen. Fausto Viroli, der extra aus Waldkirch gekommen war, zeigte sich begeistert: "Von außen hat mich der Metallkörper der Mediathek in Verbindung mit der alten Mauersubstanz beeindruckt; im sonstigen Innenbereich fand ich die Gestaltung der Arbeits- und Büroflächen gut gelungen." Inklusionsvermittlerin Anita Müller lobte: "Ich bin voll Hochachtung, dass die Gemeinde in den Spagat zwischen historischen Gebäuden, moderner Gestaltung und bürgernaher Nutzung auch die Barrierefreiheit eingebunden hat" – und das über die normalen Standards hinaus.