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28. März 2013

"Wir lassen die Menschen Literatur hautnah erleben"

BZ-INTERVIEW mit der Kirchzartener Buchhändlerin Sibylle Steinweg, die sich der Initiative "Buy local" angeschlossen hat.

  1. Den Großen Paroli bieten: Buchhändlerin Sibylle Steinweg Foto: Privat

KIRCHZARTEN. Rund 15 Prozent der Bücher werden im Internet gekauft. Immer mehr kleine, inhabergeführte Buchhandlungen wollen nicht mehr länger tatenlos zusehen, wie sie von den Online-Riesen der Branche an die Wand gedrückt werden. Mit der Initiative "Buy local" startete 2012 eine bundesweite Kampagne, die regionales Einkaufen – auch im Internet – stärken will. Als erste Buchhandlungen im Dreisamtal ist der Buchladen in der Rainhofscheune mit dabei. Mit Buchhändlerin Sibylle Steinweg sprach Barbara Riess über die Ziele er Initiative.

BZ: Die Zahl der kleinen und mittleren Buchhandlungen in Deutschland ist innerhalb der letzten zehn Jahre von 4600 auf 3500 gesunken. Was will die Kampagne "Buy local" dieser Entwicklung entgegensetzen?
Steinweg: "Buy local" ist eine Art Gütesiegel. Die Buchhandlungen müssen bestimmte Kriterien erfüllen und verbindliche Statuten unterschreiben, die für die Kunden im Laden sichtbar aushängen. Es ist sozusagen eine Selbstverpflichtung. Dazu gehört unter anderem ein vernünftiger Internetauftritt. Wir vom Buchladen in der Rainhofscheune kommunizieren zum Beispiel unsere Veranstaltungen über einen Newsletter, haben im Shop einen Buchkatalog hinterlegt. Der Kunde bekommt die Bücher in der Regel von heute auf morgen, wir geben auf der Homepage Buchtipps, auch die von unseren jungen Testlesern. Zu den Statuten gehören natürlich auch Kompetenz und Service im Laden.

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BZ: Was macht "Buy local" für Kunden in einer ländlich geprägten Region wie dem Dreisamtal interessant?
Steinweg: Das ist ganz sicher das kulturelle und soziale Engagement der Buchhandlung, welches einen großen Stellenwert in den Statuten von "Buy local" hat. Wir bieten zahlreiche Kulturveranstaltungen, darunter auch die klassischen Autorenlesungen an und geben den Menschen vor Ort die Gelegenheit, Literatur hautnah zu erleben. Darüber hinaus decken wir viele andere Sparten ab: vom Kino über Kabarett und Theater bis hin zu Ausstellungen. Außerdem engagieren wir uns in der Leseförderung in Kindergärten und Schulen. Wie sehr die Leute hier in der Region dieses Angebot schätzen, hören wir von ihnen selbst und sehen es an der Resonanz auf unsere Veranstaltungen. Dieses Angebot können wir jedoch nur machen, wenn die Kunden die Buchhandlung vor Ort auch bewusst in ihre Kaufentscheidung mit einbeziehen. Denn für die Kulturveranstaltungen bekommen wir keinerlei Subventionen, sondern wir sponsern diese sozusagen aus der eigenen Tasche.

BZ: Wie wollen Sie beim Internetbuchhandel den "Großen" Paroli bieten?
Steinweg: Gerade in ländlichen Gebieten ist das Internet für viele eine Erleichterung und spart Wege. Allerdings denken die meisten bei Online-Bestellungen, vor allem bei Büchern, automatisch an Amazon. Ganz bewusst ist deshalb das Internet ein wichtiger Bestandteil von "Buy local". Die gut gepflegte Website der Buchhandlung vor Ort ermöglicht den schnellen und bequemen Bücherkauf. Unser Ziel ist es, den Leuten bewusst zu machen, dass die Buchhandlungen und überhaupt der Handel vor Ort die Region beleben und bereichern.

BZ: Die Buchhändler wollen mit ihrer Initiative Arbeitsplätze vor Ort schaffen und faire Arbeitsbedingungen garantieren. Kann der Kunde das überhaupt überprüfen?
Steinweg: Die Schaffung von Arbeitsplätzen kann der Kunde beim Besuch der Buchhandlung überprüfen ebenso die Qualität des Service. Bezüglich der Arbeitsbedingungen muss jedes Mitglied der Initiative eine Selbstverpflichtung unterschreiben und da gehe ich davon aus, dass die Buchhändler das sehr ernst nehmen.

Autor: bz